Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Nicht kommunizierbar

Der Beschluss der Politik zeigt Willkür gegen die Kirche. Auf Dauer kann ziviler Gehorsam so nicht mehr eingefordert werden.
Gottesdienst ohne Teilnehmer
Foto: KNA | Heilige Messe vor leeren Bänken: Das Verbot öffentlicher Gottesdienste ist auf Dauer nicht mehr kommunizierbar.

Im Beschluss der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten, Gottesdienste bis auf weiteres nicht zu gestatten, spiegelt sich neben gesellschaftlicher Abwertung der Kirche auch Willkür der Politik gegenüber dem Christentum. Das Versammlungsverbot in Gotteshäusern unabhängig von ihrer Größe als „dringend geboten“ zu bezeichnen ist Christen nicht kommunizierbar – zum einen weil der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts bereits diskret in die andere Richtung wies, zum anderen, weil Fahrradläden und Frisiersalons für die Gesellschaft nicht relevanter sind als die Kirche.

Lesen Sie auch:

Christen werden nicht ernst genommen

Auffallend ist, dass es den beiden christlichen Konfessionen trotz ihrer demonstrativen Bereitschaft zur Kooperation mit dem Staat seit Beginn der Krise und ihres überdurchschnittlich sozialen Engagements nicht gelungen ist, ernst genommen zu werden. Religiöse Zusammenkünfte werden unterschiedslos nebeneinander gestellt. Auch mit Blick auf das Signal an die europäischen Nachbarn, das Merkel und die Ministerpräsidenten aussenden, ist es eine Frage der Vernunft, zwischen einer Werktagsmesse mit höchstens zweistelliger Teilnehmerzahl in einer Kathedrale und dem Freitagsgebet in einer gesteckt vollen Moschee zu differenzieren. Kirchenvertreter werden Mühe haben, angesichts dieses Willkürakts gegenüber Christen weiterhin zivilen Gehorsam einzufordern und den Gläubigen Bravsein vor dem Fernseher zu verordnen. Zumal spätestens jetzt der bis dato bei Kirchens verpönte Ansatz spruchreif ist, durch eine größere Zahl von Messfeiern tragfähige Lösungen mit den Ordnungsämtern zu finden. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Regina Einig Christen Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen

Weitere Artikel

Die Politik eskaliert. Die Kirche muss sich entscheiden, ob sie zu ihren klassische Waffen greift.
11.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig
Überraschend praktisch weist Jesus seine Jünger an, wie Konflikte in vier Schritten zu lösen sind.
05.09.2026, 21 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Chorproben in Italien statt Strandurlaub: Warum Kirchenmusiker jedes Jahr nach San Leo fahren.
29.09.2026, 08 Uhr
Isabel Wodatschek

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Gott will glückliche Menschen, schreibt Erzbischof Georg Gänswein. Gott lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Doch die Gäste haben vermeintlich Wichtigeres vor.
10.10.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein