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Paris: „Hexenjagd“ auf Katholiken nach einer Ostermesse

Mitten in Paris feiert die Priesterbruderschaft St. Pius X. in der Osternacht die Auferstehung Christi in der Kirche Saint-Nicolas-du-Chardonnet – ohne Gläubige. Von Medien verbreitete Fake News heizen die Stimmung an.
Ostermesse der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Foto: Screenshot | Die Ostermesse der Priesterbruderschaft St. Pius X. fand bei geschlossenen Türen und leerem Kirchenschiff statt, wie das Video zeigt, das man im Internet finden kann.

Während die französische Staatsgewalt darauf verzichtet, die Regeln der „sozialen Distanzierung“ in bestimmten Gebieten der Banlieue durchzusetzen, stehen die Katholiken unter Druck, nunmehr angeheizt durch die Medien.

Handelte es sich wirklich um eine „heimliche“ Messe

„Eine heimliche Ostermesse fand in der Nacht in der traditionalistischen Kirche Saint-Nicolas-du-Chardonnet in Anwesenheit von Gläubigen statt“, twitterte die französische Nachrichtenagentur AFB am Sonntagabend. Diese „Nachricht“ wurde auch über weitere Medien, etwa auf der Webseite der Wochenzeitschrift „Le Point“, verbreitet. Für "Valeurs actuelles" war dies Anlass, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Kommentator konstatiert eine „mediale Hexenjagd“, von der „die Katholiken in dieser Osterzeit nicht verschont bleiben“. Denn: Handelte es sich wirklich um eine „heimliche“ Messe? Es sei "Valeurs actuelles" zufolge „kurios, dieses Adjektiv für eine Messe zu verwenden, die auf YouTube übertragen wurde“ und bis heute über 35.000 Aufrufe generierte.

Fand die Messe „in der Nacht“ statt? Die Formulierung „nächtlicher Charakter“ lasse darauf schließen, „dass es um ein wenig achtbares geheimes und verdecktes Vorgehen ginge, so wie ein Judas Christus den Hohepriestern inmitten der Nacht auslieferte“. Schon geringe Katechismuskenntnisse reichten jedoch aus, um zu wissen, dass „die Feier der Ostervigil, wie der Name schon sagt, nicht mitten am Tag stattfindet“.

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Archivbilder einer vollbesetzten Kirche

Auf der Webseite der Pfarrei Saint-Nicolas-du-Chardonnet finde sich seit Beginn der Corona-Kontaktsperren vielmehr der Hinweis: „Aufgrund der staatlichen Maßnahmen zum Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie und zur Unterstützung des Pflegepersonals, das sehr schwierigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt ist, sind die Gottesdienste der Kirche Saint-Nicolas-du-Chardonnet den Gläubigen bis auf weiteres nicht mehr zugänglich. Alle Gottesdienste werden auf unserem YouTube-Kanal übertragen“. Infolgedessen fand die Ostervigil ab 22:30 Uhr in der Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag in besagter Kirche statt.

Wie angekündigt wurde sie in den sozialen Netzwerken übertragen: „Die Priester- und Klerikergemeinschaft versammelt sich in dem Gebäude, um das Geheimnis der Auferstehung Christi zu feiern – bei geschlossenen Türen und leerem Kirchenschiff, wie das Video zeigt, das man im Internet finden kann“. Demgegenüber erwähnte der Artikel von Le Point, dass „zahlreiche Gläubige der Ostermesse beiwohnten“. Um diese Aussage zu bildlich zu veranschaulichen, wurden aber keine Screenshots der besagten Videoübertragung verwendet, sondern Archivbilder einer vollbesetzten Kirche.

Polizei verwarnt kirchliche Leitung

Die Polizei, alarmiert durch Bürger aus der Nachbarschaft, die Orgelklänge vernommen hatten, habe die kirchliche Leitung nach der Messe wegen einer angeblichen Nichteinhaltung der Kontaktsperren „gebührenpflichtig verwarnt“, wie es auf dem Twitter-Account des Polizeipräsidiums hieß. Dabei gebe es eine „Lesart der Fakten“, kommentiert Valeurs actuelles, „die einen völlig perplex zurücklässt. Trotz der Kontaktsperremaßnahmen können die Gottesdienste durchweg stattfinden, unter der Bedingung, dass die Gläubigen ihnen nicht beiwohnen und daher die Türen geschlossen bleiben. In den Kathedralen in ganz Frankreich wurden von den Bischöfen die Ostermessen bei geschlossenen Türen gefeiert“.

DT/ks

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