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Kommentar um "5 vor 12": „Eine Frage der Zivilisation“

Für Italiens Bischofskonferenzvorsitzenden, Kardinal Gualtiero Bassetti, ist der extreme Geburtenrückgang im eigenen Land ein absoluter Alarmzustand – und schlimmer als Corona.
Italien: Extreme Geburtenrückgang,  schlimmer als Corona
Foto: Claudio Furlan (LaPresse via ZUMA Press) | Hält der Trend an, hat sich in vierzig Jahren die Zahl der im eigenen Land lebenden Italiener, die heute noch bei 55 Millionen liegt, mehr oder weniger halbiert.

Wenn die Zahl der Särge die der Wiegen weit übersteigt: Es ist „eine echter italienischer Notstand“, kommentierte der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Perugias Kardinal Gualtiero Bassetti, die jüngsten Zahlen der Bevölkerungsstatistik. Im vergangenen Jahr, also vor Corona, hat die Zahl der Geburten einen historischen Tiefststand erreicht. Nur noch 420.170 Kinder kamen zur Welt, das waren 4,5 Prozent weniger als noch im Vorjahr 2018. Dagegen verzeichnete das Land 634.000 Todesfälle.

„Der größe Notstand in Europa“

Der Kardinal schlug Töne an, die die Bedeutung der Corona-Epidemie, die Italien besonders hart getroffen hat, dennoch an Dramatik übersteigen. Bassetti nannte die demografische Entwicklung seines Landes den „vielleicht größten Notstand in Europa“.  Dabei gehe es nicht um Politik von rechts oder von links, ebenso wenig um finanzielle Ressourcen oder Steuererleichterungen, sondern um „eine Frage der Zivilisation“. Selten ist in italienischen Medien von der Vergreisung der eigenen Bevölkerung zu lesen oder zu hören. Dagegen beherrscht die Corona-Krise in allen ihren Facetten und mit all ihren Folgen die öffentliche Debatte.

Kinder werden als Last betrachtet

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Für den Vorsitzenden der Bischöfe Italiens sind nicht die mangelnde Familienförderung oder Zukunftsangst wegen hoher Arbeitslosigkeit oder geringer Einkommen ausschlaggebend, sondern eine Mentalität, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren breit gemacht hat. Während noch in der Nachkriegszeit Alt und Jung unterschiedliche, einander ergänzende Rollen gehabt hätten, würden heute in Europa und der westlichen Welt die Familie und Kinder „ausschließlich als eine Last betrachtet, als Hindernis für die Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung des Einzelnen, als Hürde für die Karriere und sogar die persönliche Bereicherung“. Markante Worte für einen Kardinal, der als Sprecher seiner Amtskollegen sonst eher ruhige Töne anschlägt. Doch die Lage ist tatsächlich ernst. Hält dieser verhängnisvolle Trend an, hat sich in vierzig Jahren die Zahl der im eigenen Land lebenden Italiener, die heute noch bei 55 Millionen liegt, mehr oder weniger halbiert.

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