Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Auseinandersetzung erwünscht

Aufruf zu Kontroversen

Kardinal Jean-Claude Hollerich und der Dominikanerpater Timothy Radcliffe luden zu Beginn der zweiten Versammlungswoche der Weltsynode zu offenen Auseinandersetzungen nach dem Vorbild Jesu Christi ein.
Eröffnungsversammlung der Weltsynode, 2. Woche
| "Wie können wir unseren Glauben tief in unserer eigenen Kultur leben, ohne Menschen aus anderen Kulturen auszuschließen?“ fragte Kardinal Jean-Claude Hollerich zur Eröffnung der zweiten Versammlungswoche der Weltsynode.

Zu Beginn der zweiten Woche der Weltsynode haben der Generalrelator der Weltsynode, Kardinal Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg, und der britische Dominikaner Timothy Radcliffe die Synodenteilnehmer zu offenen Auseinandersetzungen eingeladen. Das vermeldete das Internetportal "katholisch.de" am Montagabend. Spannungen seien Teil des Prozesses, ermutigte Hollerich. Radcfliffe ergänzte: Nur mit Hass dürfe man einander nicht begegnen.

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Hollerich stützte sich auf Aussagen von Papst Franziskus beim letzten Weltjugendtag, wo dieser eine Kirche für „alle“ propagiert habe. Alle seien willkommen, aber wer einmal Mitglied sei, habe sich anschließend an die Regeln zu halten, die in der katholischen Kirche gelten würden, hatte der Papst erklärt. 

Ohne Christus "sehen wir aus wie ein identitärer Verein“

Der Luxemburger Kardinal erinnerte daran, dass Jesus Christus die Gemeinschaft mit seinem Vater auf alle Menschen ausgedehnt habe. Die Frage nun sei, ob die Christen heute bereit seien, „da Gleich zu tun“, und zwar mit Gruppen, „die uns irritieren könnten, weil ihre Art zu sein unsere Identität zu bedrohen scheint".

Weiter fragte er: „Wie können wir unseren Glauben tief in unserer eigenen Kultur leben, ohne Menschen aus anderen Kulturen auszuschließen?“ Ziel müsse auch eine „Zusammenarbeit mit anderen christlichen Glaubensgemeinschaften“ sein. Wenn wir nicht nach Jesu Vorbild handeln würden, „sehen wir aus wie ein identitärer Verein“. 

Kirche soll sich allen Herausforderungen stellen

Auch der Dominikaner Timothy Radcliffe, ehemaliger Chef des Dominikanerordens, warb für einen offenen Meinungsaustausch und plädierte für eine Kirche, die niemanden ausschließe. Ausgehend von der Auseinandersetzung zwischen den Gründungsfiguren der Kirche, Paulus und Petrus, erklärte er, die beiden Männer hätten darum gestritten, ob „Jesus Christus nur für das Volk Israel oder für alle Völker bestimmt war“.

Paulus‘ Standpunkt habe sich beim Apostelkonzil im 1. Jahrhundert durchgesetzt, sagte Radcliffe und spannte den Bogen zu heutigen Herausforderungen der Kirche: Man könne wütend sein, aber mit Hass sollte man einander nicht begegnen. Konkret sprach er auch den Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten sowie mit Homosexuellen an.

Papst war nicht anwesend

Bereits vor Beginn der Weltsynode hatte der Dominikaner vor einem Wettbewerb zwischen Laien und Bischöfe sowie Konservativen und Progressiven bei der Kirchenversammlung gewarnt und dazu aufgerufen, sich den Herausforderungen der Katholiken weltweit zu stellen.

Der Papst hat unerwartet nicht an der Eröffnungssitzung der zweiten Versammlungswoche am Montag teilgenommen. Einem Bericht der katholischen Nachrichtenagentur KNA zufolge vermuten Beobachter, der Krieg im Heiligen Land könne ein Grund dafür gewesen sein, zumal die israelische Botschaft moniert hatte, dass der Papst die Angriffe der Terrororganisation Hamas auf Israel bislang nicht deutlich genug verurteilt habe.  DT/dsc

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