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George Weigel übt Kritik an „Traditionis custodes“

Das jüngste päpstliche Motu proprio sei „theologisch inkohärent, in pastoraler Hinsicht spaltend, unnötig und unbarmherzig, meint der konservative US-Theologe. Die außerordentliche Form des Ritus bedrohe die Einheit der Kirche nicht.
Heilige Eucharistie
Foto: Pawel Horosiewicz/Adobe Stock | Die von Franziskus in einem Begleitschreiben zu „Traditionis custodes“ vorgebrachte Befürchtung, die Einheit der Kirche werde durch die Koexistenz der beiden Formen des Ritus gefährdet, weist Weigel zurück.

Der konservative US-Theologe und Publizist George Weigel hat das jüngst von Papst Franziskus veröffentlichte Motu proprio „Traditionis custodes“ kritisiert. Der Erlass sei „theologisch inkohärent, in pastoraler Hinsicht spaltend, unnötig und unbarmherzig“, schreibt der Biograf des polnischen Papstes Johannes Paul II. in einem Beitrag für das konservative US-Portal „First Things“.

Weigel lobt "Summorum pontificum"

Weigel, der sich selbst als Anhänger der Eucharistie in ihrer postkonziliaren Form bezeichnet, stößt sich daran, dass Papst Franziskus die von seinem Vorgänger Benedikt XVI. in dem Motu proprio „Summorum pontificum“ festgelegten Bestimmungen zum Umgang mit dem römischen Ritus einfach außer Kraft setzen wolle. „,Summorum pontificum‘ war ein Akt pastoraler Fürsorglichkeit für diejenigen Katholiken, die es als wirkungsvoller erachten, gemäß dem Messbuch von 1962 zu zelebrieren, was Benedikt XVI. die ,außerordentliche Form‘ des römischen Ritus nannte.“ 

Auch die von Franziskus in einem Begleitschreiben zu „Traditionis custodes“ vorgebrachte Befürchtung, die Einheit der Kirche werde durch die Koexistenz der beiden Formen des Ritus gefährdet, weist Weigel zurück. In vielen amerikanischen Pfarreien, in denen die außerordentliche Form des Ritus zusammen mit der gewöhnlichen angeboten werde, sei die Einheit nicht beeinträchtigt gewesen.

"Urteile aus Rom sollten nicht auf Grundlage
der Hysterie und Possen der katholischen
Blogosphäre gefällt werden"

Gleichzeitig räumt der US-Theologe ein, dass sich manche Verfechter des außerordentlichen Ritus als „alleinige glaubenstreue Vertreter einer Kirche im Verfall“ sehen würden. Es sei jedoch eine „empirisch nicht belegbare Verleumdung“ zu behaupten, jener „spalterische Überlegenheitskomplex“ sei die neue Normalität für diejenigen, die die heilige Messe nach dem Messbuch von 1962 zelebrieren wollten. Weigel wörtlich: „Urteile aus Rom sollten nicht auf Grundlage der Hysterie und Possen der katholischen Blogosphäre gefällt werden.“ 

Zudem wirft Weigel dem progressiven Katholizismus vor, von autoritärem Charakter geprägt zu sein – „von einer Tendenz zu Mobbing und Einschüchterung, die gewiss von Ungeduld zeugt und vielleicht auf einen Mangel an Vertrauen in die eigenen Vorschläge und Argumente hindeutet“. Was das gegenwärtige Pontifikat betreffe, so Weigel, habe dies zu einer „Extremvorstellung päpstlicher Autorität“ geführt, „die Pius IX. vor Scham erröten ließe“.  DT/mlu

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