Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Washington

George Weigel übt Kritik an „Traditionis custodes“

Das jüngste päpstliche Motu proprio sei „theologisch inkohärent, in pastoraler Hinsicht spaltend, unnötig und unbarmherzig, meint der konservative US-Theologe. Die außerordentliche Form des Ritus bedrohe die Einheit der Kirche nicht.
Heilige Eucharistie
Foto: Pawel Horosiewicz/Adobe Stock | Die von Franziskus in einem Begleitschreiben zu „Traditionis custodes“ vorgebrachte Befürchtung, die Einheit der Kirche werde durch die Koexistenz der beiden Formen des Ritus gefährdet, weist Weigel zurück.

Der konservative US-Theologe und Publizist George Weigel hat das jüngst von Papst Franziskus veröffentlichte Motu proprio „Traditionis custodes“ kritisiert. Der Erlass sei „theologisch inkohärent, in pastoraler Hinsicht spaltend, unnötig und unbarmherzig“, schreibt der Biograf des polnischen Papstes Johannes Paul II. in einem Beitrag für das konservative US-Portal „First Things“.

Weigel lobt "Summorum pontificum"

Weigel, der sich selbst als Anhänger der Eucharistie in ihrer postkonziliaren Form bezeichnet, stößt sich daran, dass Papst Franziskus die von seinem Vorgänger Benedikt XVI. in dem Motu proprio „Summorum pontificum“ festgelegten Bestimmungen zum Umgang mit dem römischen Ritus einfach außer Kraft setzen wolle. „,Summorum pontificum‘ war ein Akt pastoraler Fürsorglichkeit für diejenigen Katholiken, die es als wirkungsvoller erachten, gemäß dem Messbuch von 1962 zu zelebrieren, was Benedikt XVI. die ,außerordentliche Form‘ des römischen Ritus nannte.“ 

Auch die von Franziskus in einem Begleitschreiben zu „Traditionis custodes“ vorgebrachte Befürchtung, die Einheit der Kirche werde durch die Koexistenz der beiden Formen des Ritus gefährdet, weist Weigel zurück. In vielen amerikanischen Pfarreien, in denen die außerordentliche Form des Ritus zusammen mit der gewöhnlichen angeboten werde, sei die Einheit nicht beeinträchtigt gewesen.

"Urteile aus Rom sollten nicht auf Grundlage
der Hysterie und Possen der katholischen
Blogosphäre gefällt werden"

Gleichzeitig räumt der US-Theologe ein, dass sich manche Verfechter des außerordentlichen Ritus als „alleinige glaubenstreue Vertreter einer Kirche im Verfall“ sehen würden. Es sei jedoch eine „empirisch nicht belegbare Verleumdung“ zu behaupten, jener „spalterische Überlegenheitskomplex“ sei die neue Normalität für diejenigen, die die heilige Messe nach dem Messbuch von 1962 zelebrieren wollten. Weigel wörtlich: „Urteile aus Rom sollten nicht auf Grundlage der Hysterie und Possen der katholischen Blogosphäre gefällt werden.“ 

Zudem wirft Weigel dem progressiven Katholizismus vor, von autoritärem Charakter geprägt zu sein – „von einer Tendenz zu Mobbing und Einschüchterung, die gewiss von Ungeduld zeugt und vielleicht auf einen Mangel an Vertrauen in die eigenen Vorschläge und Argumente hindeutet“. Was das gegenwärtige Pontifikat betreffe, so Weigel, habe dies zu einer „Extremvorstellung päpstlicher Autorität“ geführt, „die Pius IX. vor Scham erröten ließe“.  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung George Weigel Johannes Paul II. Katholikinnen und Katholiken Papst Franziskus Pfarrei Pius IX. Päpste Traditionis custodes

Weitere Artikel

Die katholische politische Theorie der Stunde: Der Neointegralismus plädiert für eine Abkehr vom Individualismus. Der Staat sei auch dem übernatürlichen Heil seiner Bürger verpflichtet.
20.11.2025, 15 Uhr
Sascha Vetterle
Die Piusbrüder haben eine unerlaubte Bischofsweihe angekündigt. Der Vatikan teilte mit, dass der Dialog mit der Bruderschaft fortgesetzt werden soll. Der Kölner Offizial Peter Fabritz ordnet ein.
05.02.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Die Verehrung der Gnaden-Madonna von Mentorella in der Nähe von Rom geht auf den heiligen Benedikt zurück. Für Karol Wojtyla wurde es zur geistlichen Oase.
13.09.2025, 17 Uhr
Guido Horst

Kirche

Der lange Schatten der Würzburger Synode: Warum der Synodale Weg weder originell noch aussichtsreich war – eine Nachlese.
22.02.2026, 17 Uhr
Martin Grichting
Der „Neue Anfang“ kritisiert Bischof Bätzing für die Aufnahme von Wolfgang Rothe in den DBK-Betroffenenbeirat und fordert die Hirten zum Handeln auf.
20.02.2026, 20 Uhr
Meldung
Man werde sich sowieso nicht einigen können: Die Bruderschaft schlägt das Angebot des Papstes aus und hält an den unerlaubten Bischofsweihen im Juli fest.
19.02.2026, 16 Uhr
Meldung
Wenn der Römer essen geht, weint man manchen Stars eine Träne nach und lernt schätzen, was sich in der Zeit bewährt.
22.02.2026, 05 Uhr
Mario Monte