Höchenschwand

Gänswein: Weltkirche Benedikt gegenüber weitsichtiger als deutschsprachiger Raum

Erzbischof Georg Gänswein kann die kritische Haltung gegenüber dem emeritierten Papst im deutschsprachigen Raum nicht nachvollziehen. Und auch der mediale Umgang mit dem jüngsten Benedikt-Interview stößt bei ihm auf Unverständnis.
Erzbischof Georg Gänswein
Foto: Evandro Inetti, imago-images | Gänswein wies darauf hin, dass er in Italien oft auf die kritische Haltung der Deutschen gegenüber Papst Benedikt angesprochen werde. Er selbst verstehe diese Haltung nicht.

Der langjährige Privatsekretär des emeritierten Papstes, Erzbischof Georg Gänswein, hat sein Unverständnis über die kritische Haltung gegenüber Benedikt XVI. im deutschsprachigen Raum geäußert.

Gänswein äußerte sich während der Sommerakademie der Gustaw-Siewerth-Akademie in Höchenschwand auf die Frage, warum sich deutsche Theologen so schwer täten mit Benedikt XVI., obwohl viele Zeitgenossen ihn bereits als Kirchenlehrer betrachteten und seine Werke intensiv studierten.

"Und dann wird Feuer gelegt"

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Gänswein wies darauf hin, dass er in Italien oft auf die kritische Haltung der Deutschen gegenüber Papst Benedikt angesprochen werde. Er selbst verstehe diese Haltung nicht. „Es ist mir ein Rätsel“, unterstrich der Erzbischof und erinnerte in diesem Zusammenhang an das kürzlich erschienene Interview des emeritierten Papstes in der Herder-Korrespondenz anlässlich des 70. Jahrestags der Aufnahme seiner Kaplanstätigkeit in der Münchner Pfarrgemeinde Bogenhausen.

Das Interview sei „als Hommage“ gedacht gewesen, doch dann seien aus sechs Seiten zwei Sätze herausgezogen worden „und dann wird Feuer gelegt“. Für ihn sei das Ganze „bleibend unverständlich und manchmal auch beschämend“. Man habe den Eindruck, das Haar in der Suppe solle gesucht werden.

Polnische Mitbrüder sagten ihm, es sei gerade umgekehrt wie bei Johannes Paul II. Wenn der Papst aus Polen angegriffen wurde, habe man einen Ring um ihn gebildet und ihn geschützt. „Wo Benedikt angegriffen wird, da ist man bei den ersten, die angreifen“. Schaue man aber nach den Gründen, deretwegen der emeritierte Papst Benedikt angegriffen werde, dann „ist da mehr Luft als Substanz, aber es hat mediale Wirkung“.

Benedikt-Kritiker medial gut vernetzt

Gänswein fügte hinzu, dass diejenigen, die es nicht gut mit Benedikt meinten, medial gut vernetzt seien. Der Erzbischof zeigte sich überzeugt, dass die Geschichte manches zum Guten klären werde. Sein Rat an die Zuhörer lautete „hören, schlucken und so gut es geht verdauen“. Das Phänomen betreffe den deutschsprachigen Raum. Manchmal machten die Schweizer und Österreicher mit. Die katholische Welt sei aber viel größer und einsichtiger „und in vielen Punkten weitsichtiger“.  DT/reg

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über Erzbischof Georg Gänsweins Auftritt während der Sommerakademie der Gustaw-Siewerth-Akademie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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