Weltsynode

Frankreich: Synoden-Synthese scheidet die Geister

Die diözesane Phase der Weltsynode tritt in Frankreich eine Debatte um Reformforderungen und die Haltung der Bischöfe los.
Bischofssynode-Synode
Foto: Cristian Gennari | Erster Teil der Weltsynode ist in Frankreich beendet. Am Ende werden die Bischöfe in Rom über die Synodentexte beraten müssen.

In Frankreich ist diese Woche die erste Phase der Weltsynode zu Ende gegangen. Die aus den Beratungen in den Bistümern entstandene Synthese enthält unter anderem Forderungen nach einer Reform des Priestertums, Laienpredigt und dem Diakonat der Frau. An den diözesanen Beratungen zur Synode haben sich rund 150.000 Personen beteiligt, was etwa 10 Prozent der aktiven Kirchgänger in Frankreich entspricht. Die Altersgruppe der 20- bis 45jährigen blieb den Beratungen weitestgehend fern, wie die französische Synodenkommission mitgeteilt hat.

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Texte gehen nach Rom

Auf ihrer außerordentlichen Vollversammlung haben die Bischöfe am Mittwoch über einen Begleittext zur Einordnung der zwölfseitigen Synthese abgestimmt. Beide Texte werden nach Rom geschickt, um dort in den weltweiten synodalen Prozess einzufließen. Die Veröffentlichung von Synthese und Begleittext haben eine lebhafte Auseinandersetzung in der französischen Presse ausgelöst.

Der Kirchenexperte des „Figaro“ wirft den französischen Bischöfen vor, mit der Weitergabe der Reformforderungen einen „Big bang“ in der Kirche und besonders im Priestertum einzuleiten. „Niemals zuvor hat die französische Kirche einen so radikal reformorientierten Text angenommen“, schreibt Jean-Marie Guénois. Angesichts der möglichen Zweideutigkeit dieses Schrittes habe die Bischofskonferenz gegenüber dem „Figaro“ jedoch erklärt, dass die offizielle und medienwirksame Übermittlung des französischen Synodendokuments an den Vatikan nicht bedeute, dass die Bischöfe jeden Punkt des Dokuments unterstützen, „vor allem nicht in Fragen des Priestertums“.

Drastische Reformforderungen

Nach dem Wunsch des Papstes sollte während der ersten Phase der Weltsynode das gesamte Volk Gottes an den Beratungen der Synode zur Synodalität teilnehmen. In verschiedenen Formaten haben die Diözesen Frankreichs seit letztem Herbst die Beiträge der Gläubigen in Gemeinden, Vereinen, Gruppierungen und religiösen Gemeinschaften gesammelt. Eine Kommission aus Laien und Priestern unter der Leitung von Alexandre Joly, Bischof von Troyes, hat die diözesanen Synthesen auf eine nationale Synthese verdichtet.

Diese greift zahlreiche Reformforderungen auf, die von einer Autorisierung der Laienpredigt, vor allem für Frauen, über eine Aufhebung des Pflichtzölibats und der Einführung des Frauendiakonats bis hin zu dem Wunsch nach einer horizontaleren Leitung der Kirche unter Einbeziehung von Gegengewichten zum Bischofsamt in Form von Laienräten reichen. Sehr präsent ist die Forderung, dass Frauen ein ihrem hohen Engagement entsprechendes Beteiligungsrecht an Entscheidungen und Abläufen zugestanden werden müsse. 

Verstehen, was erwartet wird

In ihrem Begleitbrief drücken die Bischöfe aus, dass ihnen die „Mängel, Kämpfe und Verletzungen, die sich auf dem synodalen Weg offenbaren“, bewusst seien. Sie weisen auch darauf hin, „dass der synodale Prozess nicht das gesamte Volk Gottes in seiner Vielfalt erreicht hat, insbesondere nicht die jungen Generationen“. Aus den „Erwartungen“, die die Synthese formuliert, leiten die Bischöfe mehrere Orientierungen für ihre zukünftige Arbeit ab, allen vor an die „menschliche Dimension der Kirche“ besser mit ihrer sakramentalen Natur zu artikulieren.

Außerdem wollen die Bischöfe das „aufgreifen, was uns die Synthese über das Leiden und die Erwartungen von Frauen in der Kirche sagt“, die „offensichtliche Diskrepanz zwischen dem, was der Dienst der Priester ist, und dem, was konkret von ihnen erwartet wird, verstehen“ und die Gründe besser erkennen, „warum die Liturgie ein Ort wiederkehrender Spannungen bleibt“. Neben den „Perspektiven“ und „Hoffnungen“, die sie aus der Synthese ziehen, zählen die Hirten Frankreichs auch die Themen und Herausforderungen auf, die in der Synthese fehlen. Dazu gehören die Evangelisierung, gesellschaftliche Debatten, integrale Ökologie und internationale Solidarität.

Junge Leute fehlen 

„Wir müssen uns auch fragen, warum bestimmte christliche spirituelle Reichtümer entweder ignoriert oder abgewertet werden, z. B. die Eucharistie als Opfer Jesu, die Sakramente, das geweihte Leben, der Zölibat der Priester, der Diakonat“, kommentieren die Bischöfe die Inhalte der Synthese. Als weitere Leerstelle falle auf, dass die christliche Familie als Ort der Evangelisierung keine Erwähnung finde, heißt es in dem Begleittext.

Die Vorgänge regen gerade junge Katholiken zum Nachdenken über die Durchführung der diözesanen Phase der Weltsynode an. Der „Tagespost“ teilen sie ihre Besorgnis mit. Eine junge Katholikin, die in ihrer Stadt an den Beratungsformaten zur Weltsynode teilgenommen hat, erklärt: „Die jungen Leute haben keinen Fuß in die Synodenversammlungen gesetzt. Ich war allein mit Über-Sechzigjährigen, deren Ziel nur darin bestand, ihre Forderungen durchzusetzen.“

Ein Familienvater aus Paris ist sich sicher: „Die Masse der Katholiken wird sich niemals in Positionen wiedererkennen, die so sehr gegen die Lehre verstoßen.“ Sein Freund, ebenfalls ein junger Vater, hofft, dass die „statistische und ideologische Schieflage“, die durch die fehlende Teilnahme junger Menschen entstanden ist, dem Papst und den Bischöfen nicht entgeht. „Es nehmen ja genau die an den Beratungen teil, die sowieso mehr Horizontalität in der Kirche wollen“, analysiert er die Überrepräsentation von reformorientierten Katholiken in den Beratungen.

Heftige Diskussionen

Die Reaktion der Bischöfe auf die Synthese wird seit Mittwoch in den katholischen und säkularen Medien und katholischen Kreisen heftig diskutiert. Die katholische Tageszeitung „La Croix“ zitiert mehrere Quellen, laut derer die Bischöfe ursprünglich die nationale Synthese durch einen eigenen Text ersetzen wollten. Dieser sei „nur eine blasse Zusammenfassung der Synthese gewesen“ und sei durch die zu der außerordentlichen Vollversammlung der Bischöfe eingeladenen Laien zurückgewiesen worden. Daraufhin sei der Begleittext entstanden, der die Synthese nicht ersetzt, sondern ergänzt.

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Bischof Joly erklärt im „Figaro“ dazu: „Wir haben uns dafür entschieden, den Inhalt des Dokuments, das aus den Synodenversammlungen in den Diözesen hervorgegangen ist, nicht theologisch anzupassen, um zuzuhören und transparent zu sein. Die Leute sollen nicht sagen, dass sie nicht gehört worden wären. Das Dokument erschüttert uns, aber aus Respekt vor dem synodalen Prozess wurde nichts verschwiegen.“

Keine Revolution der Bischöfe

Der Chefredakteur des Onlinemagazins von „Famille Chrétienne“ betont gegenüber der Berichterstattung des „Figaro“, dass die Entscheidung der Bischöfe, die Synthese an Rom weiterzuleiten, nicht als eine Zustimmung zu den Reformforderungen gewertet werden könne. „Der synodale Prozess sah übrigens nicht vor, dass die Bischöfe eine Abstimmung über die Annahme oder Ablehnung dieser nationalen Synthese abgeben“, erinnert Antoine Pasquier. Eine Revolution unter den Bischöfen sieht er nicht.

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