SALZBURG

„Der Heilige Geist ist radikal anders“

Missbehagen mit dem deutschen Synodalen Weg und Begeisterung für den vom Papst initiierten Prozess zeigt Salzburgs Erzbischof Franz Lackner.
Erzbischof Lackner übte Kritik am deutschen synodalen Weg
Foto: JOSEF KUSS | Erzbischof Lackner übte Kritik am deutschen synodalen Weg und lobt den Synodalen Prozess der Weltkirche.

Nicht vom deutschen Synodalen Weg, aber vom weltkirchlichen Synodalen Prozess ist der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz begeistert: „Papst Franziskus hat den Synodalen Prozess von Anfang an als einen spirituellen Prozess angelegt: Der Heilige Geist soll wirken, und er ist immer radikal anders“, sagt der Salzburger Erzbischof Franz Lackner im „Tagespost“-Interview. Und zu Deutschland: „Wenn ich auf unser Nachbarland schaue, dann habe ich schon den Eindruck, dass hier aus einer Teilerfahrung auf das Ganze des kirchlichen Glaubens geschlossen wird. Das geht meines Erachtens nicht.“

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Auf den Geist hören

Lackners Strategie lautet: „Wir müssen den Heiligen Geist wirken und die Menschen reden lassen.“ In der Kirche gebe es eine Verunsicherung darüber, wie die Kirche sich heute der Welt zeigen, und wie sie sich in der Welt einbringen kann. „Wir dürfen die unterschiedlichen Stimmen nicht vom Tisch wischen, selbst wenn wir nicht alles vertreten können“, sagt der Erzbischof, der in Salzburg eine breite Online-Befragung durchführen ließ.

Leider habe sich die Kirche „in vielen Fragen in eine Einbahnstraße hineinmanövriert, in der es nur mehr die Antworten Ja oder Nein zu geben scheint“. Aber: „Der Heilige Geist ist oft eine dritte Option – darauf zähle ich. Vieles, was uns heute widersprüchlich scheint, wird sich am Ende in verwandelter Form wiederfinden.“

„Es wird auch Enttäuschungen geben“

Papst Franziskus werde „dieser Ja-Nein-Falle entkommen“, ist der Erzbischof von Salzburg, der Österreich in der römischen Bischofssynode 2023 vertreten wird, überzeugt. Er meint zugleich: „Es wird auch Enttäuschungen geben, wenn man zu genau zu wissen meint, was kommen wird.

Ich erinnere nur an die Amazonien-Synode, wo manche genau zu wissen glaubten, was am Ende stehen würde. Dann kam etwas völlig anderes.“ Ganz ergebnislos werde der weltkirchliche Synodale Prozess aber gewiss nicht sein. Lackners Begründung: „Der Glaube braucht auch das Konkrete. Wenn es ein Glaubenszeugnis ist, wird es auch Konkretisierungen geben müssen.“ DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Reportage zum Synodalen Prozess in der Erzdiözese Salzburg am Donnerstag in Ihrer „Tagespost“.

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