Rom

Vatikan wurde Opfer von Hackern

Nach russischer Empörung wurden die Internetseiten des Heiligen Stuhls attackiert. Auffällige Parallelen zum Hacker-Angriff auf das Europäische Parlament.
Hackerangriff auf den Vatikan
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Über die Herkunft des mutmaßlichen Angriffs im Vatikan herrscht bislang keine Klarheit. Interne Techniker vermuten russische Hacker.

Ein Hacker-Angriff soll am Mittwoch und Donnerstag den Ausfall aller Internetseiten des Vatikans verursacht haben. Zunächst hatte Vatikansprecher Matteo Bruni den Ausfall mit Wartungsarbeiten erklärt, dann aber war von „anomalen Zugriffsversuchen auf die Website“ die Rede. Auch Donnerstagvormittag waren manche Seiten des Portals vatican.va nicht erreichbar. Die Nachrichtenseite vaticannews.va mit ihren vielen Sprachsektionen, die am Mittwochnachmittag kurzfristig nicht erreichbar war, funktioniert wieder. Über die Herkunft des mutmaßlichen Angriffs im Vatikan herrscht bislang keine Klarheit. Interne Techniker vermuten russische Hacker. 

Russischer Vatikan-Botschafter bringt Empörung zum Ausdruck

Nach Ansicht von Beobachtern und IT-Fachleuten könnte es sich um einen Distributed-Denial-of-Service attack (DDoS-Angriff) handeln. Solche konzertierten Angriffe, die den Zielserver mittels einer sehr hohen Zahl von Anfragen überlasten, werden von verschiedenen Quellen aus gestartet. Daher kann der Angreifer nicht blockiert werden, ohne die Kommunikation mit dem Netzwerk komplett einzustellen. Erst vor einer Woche hatte es einen ähnlichen Angriff auf die Website des Europäischen Parlaments gegeben. Damals hatten sich kremlnahe Kreise laut Parlamentspräsidentin Roberta Metsola zu der Attacke bekannt.

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Auffällig ist eine weitere Parallele: Die Hacker-Attacke auf das Europäische Parlament erfolgte wenige Stunden, nachdem dort eine Resolution verabschiedet worden war, in der Russland als Terror unterstützender Staat scharf kritisiert worden war. Der Vatikan wurde nun Opfer einer Hacker-Attacke, nachdem Papst Franziskus Russland offen kritisierte. Der russische Vatikan-Botschafter Alexander Avdeev sagte wenige Stunden zuvor der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti, er habe gegenüber dem Heiligen Stuhl seine Empörung zum Ausdruck gebracht.

Auslöser dafür war ein zu Wochenbeginn veröffentlichtes Papst-Interview im „America Magazine“ der Jesuiten. Darin hatte Franziskus die Grausamkeit der russischen Truppen in der Ukraine verurteilt: „Im Allgemeinen sind die Grausamsten vielleicht jene, die zu Russland gehören, aber nicht der russischen Tradition angehören, wie die Tschetschenen, die Burjaten und so weiter“, so der Papst.  DT/kap/sba

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