Mit 25 Priesterweihen hat die Priesterbruderschaft St. Petrus nicht nur einen statistischen Rekord aufgestellt. Die Gemeinschaft ist endgültig aus ihrer Außenseiterrolle hinausgewachsen und liefert zudem vor den untersagten Bischofsweihen der Piusbruderschaft Zweiflern aus Traditionalistenkreisen gute Gründe, dass es sinnvoll sei, Rom nicht als Feind zu betrachten, sondern auf geduldigen Dialog zu setzen.
Denn während der Studienjahre der Neupriester forderte die Veröffentlichung von „Traditionis custodes“ Seminarleitungen und Seminaristen einiges an Gottvertrauen und Augenmaß ab. Es fehlte 2021 nicht an Unglückspropheten, die einer düsteren Zukunft das Wort redeten: Nun werde der Papst mit Hilfe einer missgünstigen Kurie dem überlieferten römischen Ritus endgültig das Wasser abgraben und jungen Berufungen den Weg abschneiden, war des Öfteren zu hören.
Anhänger der alten Messe gelten längst nicht mehr als „Schmuddelkinder“
Vor diesem Hintergrund ähnelte die Entscheidung der Petrusbrüder, nicht zu resignieren und ihrer eigenen Berufung treu zu bleiben, der Konsequenz der Wüstenväter: sich auf ein ungewisses Abenteuer ohne Netz und doppelten Boden einzulassen, ohne auf Garantien oder Sympathien der kirchlichen Hierarchie bauen zu können – das ist der Weg moderner Wüstenväter.
Die monastische Maxime „Beten, arbeiten und schweigen“ lohnt sich auch heute: Die Neupriester können sich nicht nur über den stärksten Weihejahrgang freuen, sondern über die Wahlverwandten unter anderen Neupriestern: Im jungen Klerus gelten Anhänger der alten Messe längst nicht mehr als „Schmuddelkinder“ (Robert Spaemann), sondern viele junge Diözesanpriester schätzen den überlieferten Ritus hoch und haben ihn während ihrer Seminarzeit selbst besucht. Man darf gespannt sein, wann die deutschen Bischöfe bei einer ihrer Vollversammlungen dem Thema „Tradition“ einen Studientag widmen.
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