Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung „Mission is possible“

Fehlt der Kirche der Mut zur Mission?

Für einen neuen missionarischen Aufbruch: Das Stichwort „Mission“ lockt am Wochenende 850 Menschen nach Augsburg. Warum Christen mehr über Mission sprechen sollten und welche Werkzeuge sie brauchen.
Gebetshausgründer Johannes Hartl
Foto: Matthias Chrobok | Gebetshausgründer Johannes Hartl spricht über das Interessante der Kirche: „Jesus und die Botschaft, die wir bringen müssen. Sie ist bedeutender als wir.“

Wer am Wochenende den Kongress im Park in Augsburg betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht um Rückblicke, sondern um Fragen, die aktueller sind denn je: Wie sieht Mission heute aus und wo beginnt sie? Wie kann der christliche Glaube Menschen heute erreichen? Damit beschäftigt sich der Kongress „Mission is possible“, der zum ersten Mal stattfindet.

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Bereits vor der offiziellen Begrüßung strömen die Männer und Frauen ins Foyer, flanieren zwischen den Ausstellerständen oder kommen beim Essen ins Gespräch. Zwischen 850 und 1.000 Menschen werden es bis Samstagabend sein. Sie alle sind aus demselben Grund gekommen: Sie wollen nicht nur über die Zukunft der Kirche reden, sondern sie aktiv mitgestalten. Im Foyer geschieht Vernetzung, auf der Bühne im Konferenzsaal spricht Gebetshausgründer Johannes Hartl über das Interessante der Kirche: „Jesus und die Botschaft, die wir bringen müssen. Sie ist bedeutender als wir.“ Und er fügt hinzu: „Wir leben in interessanten Zeiten und in Zeiten von kleinen, aber bemerkenswerten Anfängen.“ Jede große Initiative beginne immer im Kleinen, unterstreicht er.

Eine Kultur des Willkommens und der Wertschätzung etablieren

Während auf der Bühne von Hoffnung, Evangelisierung und neuen Wegen gesprochen wird, wird in den Begegnungen am Rande deutlich, worum es eigentlich geht: Die Männer und Frauen wollen in ihren Pfarreien anpacken und eine Kultur des Willkommens und der Wertschätzung etablieren. „Wenn wir missionieren wollen, müssen wir zuallererst uns am Evangelium ausrichten und umkehren“, macht Hartl klar. Er stimmt die Teilnehmer darauf ein, dass Mission auch im Jahr 2026 eben mehr ist als ein Schlagwort.

Holger ist aus Hannover angereist, wo er viele ökumenische Projekte anstößt und betreut. Er spricht von den Alpha-Kursen als einem Werkzeug des Aufbruchs, das Menschen sehr niederschwellig den Glauben näherbringt. Ein Alpha-Treffen hat immer denselben Ablauf: Die Gruppe startet mit einem gemeinsamen Essen. Daran schließt sich ein Input in Video-Form an, worüber in Kleingruppen gesprochen wird. „Wir organisieren Alpha für Erwachsene und sind erstaunt, wie viele Menschen interessiert sind und kommen“, sagt Schmidt.

2025 haben über 2,8 Millionen Menschen an einem Alpha-Kurs teilgenommen. Das Angebot gibt es zurzeit in 120 Sprachen und in über 150 Ländern. Nicky Gumbel, der Alpha wegweisend mitgestaltet und selbst 105 Kurse durchgeführt hat, spricht in seinem Vortrag über die verwandelnde Wirkung von Alpha. Dabei betont er, „selbst nie jemandes Leben verändert“ zu haben, sondern lediglich Menschen einlade und dafür sorge, dass sie sich willkommen fühlen. Seit seinem 18. Lebensjahr, als er Jesus kennenlernte, lese er fast täglich in der Bibel, weil sie „seine Nahrung“ sei und er ebenso wenig ohne das Wort Gottes leben könne wie ohne Frühstück.

Der Heilige Geist muss wirken

In seinem Vortrag und Zeugnis orientiert sich Gumbel am Wort Jesu von der reichen Ernte und den wenigen Arbeitern (vgl. Mt 9,36 ff.). Jesus sieht die Menschen, die „müde“ und „erschöpft“ seien. „Heute“, so sagt Gumbel, „könnte man die Menschen als einsam, traurig und depressiv“ beschreiben, die Jesus suchen würden und von ihm verwandelt werden. Viele Teilnehmer hätten ihm seit 1990, als er Alpha übernommen hat, Folgendes mitgeteilt: Sie seien zu Beginn nicht gläubig gewesen, sagen danach jedoch von sich, sie seien Christen. „Es passieren Wunder und Bekehrungen durch Alpha“, sagt Gumbel, der sich herzlich bedankt und unter Standing Ovations die Bühne verlässt. Was essenziell sei in dem mehrwöchigen Glaubenskurs, ist das Wochenende oder der Tag, der dem Heiligen Geist und seinem Wirken gewidmet sei. Alles Tun sei sinnlos, wenn nicht der Heilige Geist eingeladen werde, um die Herzen zu bewegen.

Das betont auch Dominique Haas im Workshop über Alpha. Dieses Tool habe, wenn es angewendet wird, die Kraft, die Kultur einer Gemeinde zu verändern: eine offene Kultur, in der besonders kirchenferne Menschen angesprochen werden sollen. Die rund 40 Teilnehmer des Workshops, von denen viele zum ersten Mal einen Alpha-Kurs veranstalten wollen, bekommen konkrete Praxistipps für ihre Gemeinde an die Hand: „Machen Sie eine Online-Schulung von Alpha, sprechen Sie Menschen in ihrer Gemeinde an, die ein Teil des Teams sein könnten und sorgen Sie vor allem dafür, dass Menschen aus ihrer Pfarrei für Alpha beten“, sagt Haas, die Trainings in ganz Deutschland koordiniert.

Eine bürokratische Kirche lähmt

Was in London, dem Geburtsort von Alpha, leicht scheint, ist in Deutschland nicht ganz so einfach. Grund dafür sei laut dem Augsburger Bischof Bertram Meier auch die Bürokratie und der Aufbau der Pfarrgemeinden. „Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich halte die Struktur einer Pfarrei für sehr hilfreich“, sagt er und ergänzt, „dass Gremien wie Pfarrgemeinderäte und Ortsausschüsse Orte seien, in denen sich Menschen wichtigmachen.“

Auch seien die Kirchen nach Meinung von Thomas Schlegel voll von „geistlichem Speck, der uns lähmt und träge macht“. Der Direktor von „midi“, der Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V., ist Teil des Podiums „Missionarische Erneuerung der Großkirche“ mit Bischof Meier und Archimandrit Georgios Vlantis, moderiert von KTV-Redakteurin Tini Brüning. Der Augsburger Bischof spricht vom Ministrantentag mit über 2.000 Kindern und Jugendlichen und von einer Wallfahrt nach Rom mit über 500 Teilnehmern. Gepaart ist das mit einer gelebten Ökumene in seinem Bistum, schließlich sei es in Deutschland einzigartig, dass mit Georgios Vlantis ein Gläubiger der griechisch-orthodoxen Kirche in einem katholischen Ordinariat arbeite.

Aufbrüche sind spürbar auf diesem ökumenischen Kongress: Initiativen wie beispielsweise „Blueflame“ im Norden, der „Adoratio“-Kongress in Altötting oder die „Missionarische Woche“ im Bistum Augsburg stellen sich vor. Über die Konfessionsgrenzen hinweg eint sie, dass sie Menschen mit Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft Raum geben wollen.

Nein zum „Weiter so“

Unter den Teilnehmern in Augsburg ist auch Kamila aus der Nähe von Heidelberg. Über Instagram hat die gebürtige Polin von „Mission is possible“ erfahren und ist gekommen, um sich Inspiration für ihre Gemeinde vor Ort zu holen. Zugegeben: Ihre Gemeinde ist gerade im Aufbau und sie möchte sich vernetzen. Mit anderen jungen Menschen möchte sie einen Gebets- und Bibelkreis starten. Doch, so sagt sie, seien diese Initiativen abhängig von den Menschen, die sich einbringen wollen. „Ist es ihnen ein Herzensanliegen, dann wachsen diese Kreise“, ist sie überzeugt.

Nein, lauwarm reisen die Menschen nicht aus Augsburg ab in ihre Pfarreien. Sie gehen mit Vorstellungen und vielleicht auch mit einem entschiedenen „Nein“ zum „Weiter so“. „Geht, ihr seid gesendet“, heißt es am Ende jeder heiligen Messe. Wer an diesem Wochenende die Menschen und ihre Zeugnisse sieht und hört, gewinnt den Eindruck, dass viele diesen Auftrag ganz konkret verstehen.

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Matthias Chrobok Missionen

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