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Studie belegt: Papstreisen haben positive Effekte auf Menschenrechte

Die katholischen Kirche gilt als wichtige Verteidigerin gesellschaftlicher Interessen wie der Menschenrechte. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt Papstreisen, so die Forscher. Auch die Regierung schlägt Profit.
Als nächstes reist Papst Franziskus nach Indonesien
Foto: Vatican Media (imago stock&people) | Als nächstes reist Papst Franziskus nach Indonesien, Papua-Neuguinea, Osttimor und Singapur.

Papstreisen lohnen sich: Zwei Forscher der Freien Universität Brüssel und der Universität Hamburg haben Papst-Reisen und deren Auswirkungen auf die Menschenrechte des Gastlandes unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Apostolische Reisen polieren nicht nur das Image der katholischen Kirche auf. Sie können auch gewinnbringend für die jeweilige Regierung, die internationale Politik generell und den Tourismus des Landes sein. Das berichtet die katholische Presseagentur in Österreich „Kathpress“ am Freitag.

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Die Studie trägt den Titel „Pacem in terris“ (Friede auf Erden) und bezieht sich auf die gleichnamige Enzyklika von Papst Johannes XXIII. von 1963, ein Schreiben, das der Vatikan in diesem Jahr mit der Erklärung „Dignitas infinita" (Unendliche Würde) noch einmal bestätigt habe. Nach den Worten der Forscher habe das Engagement der Kirche für die Menschenrechte selbige zu einer Institution als Verteidigerin gesellschaftlicher Interessen gemacht.

Nachhaltige Verbesserungen der Menschenrechte

Bereits vor Ankunft des Papstes im Gastland zeichneten sich positive Effekte auf den Schutz der Menschenrechte ab. Es gebe weniger Menschenrechtsverletzungen, Strafgefangene würden freigelassen. Der Effekt ende mit der Abreise des Papstes; die Verbesserungen blieben aber bestehen und würden nicht mehr auf das Niveau vor dem Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts absinken, so die Wissenschaftler.

Zudem stärke die nationale wie internatinale Berichterstattung rund um den Papstbesuch den Tourismus. Und für das Staatsoberhaupt könne ein Lob es Papstes eine mögliche Amtszeitverlängerung mit sich bringen. 

Beste Voraussetzungen bieten Demokratien

Der Rückgang von Menschenrechtsverletzungen ist laut Studie weder an die Anzahl der Katholiken im Land noch an das Einkommen der Bevölkerung geknüpft, wohl aber an die Staatsform: Anders als bei Demokratien seien positive Effekte eines Papstbesuch bei nicht-demokratischen Staatsformen eher die Ausnahme. Die Forscher erläutern: „Regierungen laden den Papst nur dann ein, wenn sie davon ausgehen, dass ihr Gewinn an Legitimität die Kosten des Besuchs, einschließlich des Risikos, vom Papst für die Menschenrechtslage des Landes kritisiert zu werden, überwiegt."

Die Forscher analysierten 283 Staatsbesuche von vier Päpsten - von Paul VI. bis Franziskus. Dabei schauten sie sich die weltweite Medienberichterstattung über Menschenrechtsthemen im jeweiligen Gastland, die vor Ort gehaltenen Papstreden sowie mögliche Veränderungen in der Zahl der Menschenrechtsverletzungen an. Die nächste Reise des Papstes steht Anfang September an: Vom 2. bis 13. September wird der 87-Jährige Franziskus Indonesien, Papua-Neuguinea, Osttimor und Singapur besuchen.  DT/dsc

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