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Papst beklagt dritten Weltkrieg

Vor allem der brutale Angriff auf die Ukrainer sei ein Verbrechen gegen Gott und die Menschen.
Papst Franziskus: Ukraine-Krieg sofort beenden
Foto: IMAGO/Vatican Media (www.imago-images.de)

Papst Franziskus hat den Empfang des beim Vatikan akkreditierten Diplomatischen Corps genutzt, um mit dramatischen Worten über den „dritten Weltkrieg“ zu sprechen, den er schon seit Jahren beklagt. Seine Ansprache vor den Diplomaten begann er am Montag mit dem Hinweis darauf, dass sich 2023 die Veröffentlichung der Enzyklika „Pacem in terris“ von Johannes XXIII. zum 60. Mal jährt. „Heute ist der dritte Weltkrieg in einer globalisierten Welt im Gange, in der die Konflikte zwar nur bestimmte Gebiete des Planeten unmittelbar betreffen, aber im Grunde genommen alle mit einbeziehen“, sagte der Papst und nannte als jüngstes den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine „mit seiner Spur von Tod und Zerstörung, mit den Angriffen auf die zivile Infrastruktur, bei denen Menschen nicht nur durch Bomben und Gewalt, sondern auch durch Hunger und Kälte ihr Leben verlieren“.

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Franziskus sprach von einem Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschen“, indem er aus der Konzilskonstitution „Gaudium et spes“ zitierte: „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist.“

Nein zum Besitz von Atomwaffen

Wieder, wie zur Zeit Johannes’ XXIII. und der Kuba-Krise, drohe der Menschheit die Gefahr eines Atomkriegs, meinte Franziskus. Und er wiederholte seine Einschätzung, dass auch „der Besitz von Atomwaffen unmoralisch ist, wie Johannes XXIII. feststellte“. Dabei zitierte der Papst aus „Pacem in terris“: „Wenn es auch kaum glaublich ist, dass es Menschen gibt, die es wagen möchten, die Verantwortung für die Vernichtung und das Leid auf sich zu nehmen, die ein Krieg im Gefolge hat, so kann man doch nicht leugnen, dass unversehens und unerwartet ein Kriegsbrand entstehen kann.“ Bei der Bedrohung durch Atomwaffen seien alle immer Verlierer, sagte Franziskus weiter nannte den Stillstand des so genannten Iran-Atomabkommens „besonders besorgniserregend“.

Ukraine-Krieg sofort beenden

Als weitere Konfliktherde nannte der Papst die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis, den Terrorismus in westafrikanischen Ländern wie Burkina Faso, Mali und Nigeria. Franziskus sprach über seine „Friedenspilgerreise“ Ende des Monats nach Südsudan und in den Kongo und erinnerte an Myanmar, „wo es seit zwei Jahren Gewalt, Schmerz und Tod gibt“. Er bat die internationale Gemeinschaft, sich dort für Versöhnungsprozesse einzusetzen, forderte aber vor allem eine sofortige Beendung des Kriegs in der Ukraine, „dessen Auswirkungen im Bereich der Energie und der Nahrungsmittelproduktion auf ganze Gebiete, auch außerhalb Europas, vor allem in Afrika und im Nahen Osten, zu spüren sind“.  DT/gho

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