Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Interview

Missionarisch bis in Verwaltung und Bürokratie

Kardinal Prevost sei stets dort hingegangen, wo die Kirche ihn brauchte. André Ciszewski, sein ehemaliger Mitarbeiter, über die Zeit mit ihm im Dikasterium für die Bischöfe.
ITALY - POPE LEO XIV DURING AN AUDIENCE  WITH  PARTICIPANTS IN THE JUBILEE OF THE EASTERN CHURCHES AT THE PAUL VI HALL  IN  VATICAN - 2025/5/14
Foto: IMAGO/VATICAN MEDIA (www.imago-images.de) | Als innerlichen Menschen und keinen, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt, so beschreibt André Ciszewski aus dem Bistum Münster seinen früheren Vorgesetzten.

André Ciszewski dient derzeit als Priester im Bistum Münster. Die letzten eineinhalb Jahre arbeitete er in Rom im Dikasterium für die Bischöfe unter der Leitung des damaligen Kardinals Prevost. Mit ihm und anderen Mitarbeitern habe er täglich den Angelus gebetet, verbunden mit einer kleinen Kaffeepause. Im Gespräch mit der „Tagespost“ beschreibt Ciszewski seinen ehemaligen Chef.

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Pfarrer Ciszewski, was charakterisiert Papst Leo XIV.?

Er ist ein sehr innerlicher Mensch. Diese Innerlichkeit kommt von einer engen Gottverbundenheit, würde ich sagen. Man merkt, er ist ein Mann des Gebetes, den nichts so schnell aus der Ruhe bringen kann. Fast schon ist er stoisch. Das habe ich auch ein paar Mal erlebt. Wenn er den Raum betritt, zieht er nicht die Aufmerksamkeit auf sich. Bei manchen Menschen geschieht das auf natürliche Weise. Bei ihm aber nicht, denn er ist bescheiden, manchmal fast unscheinbar und kann sich sehr zurücknehmen.

Merkt man, dass er US-Amerikaner ist?

Das würde ich nicht sagen. Er ist sehr weltbewandert und bringt einen breiten Horizont mit sich. Es macht sich eben bemerkbar, dass er lange in Südamerika und Europa gelebt hat.

Man hört derzeit immer wieder, Papst Leo XIV. sei ein „Papst der Mission“. Haben sie das wahrgenommen? Wodurch?

Sein Verständnis von Mission ist, glaube ich, dahin zu gehen, wo die Kirche ihn braucht. Mit einer ganz großen Liebe für und Hingabe an sie. Seine Mission war im Dikasterium für die Bischöfe eine andere, als das, was man sich unter dem Begriff vielleicht vorstellt: Es ging um Verwaltung und Bürokratie. Natürlich sind viele Menschen zu ihm gekommen, in der Regel die Bischöfe. Aber ich habe bewundert, wie er sich hineingegeben hat. Wie er sich immer wieder hat rufen und an neue Orte senden lassen. Das ist seiner Biografie so eingeschrieben – und hat etwas sehr Missionarisches.

Stichwort „Synodaler Weg“ in Deutschland: Wie steht Papst Leo XIV. aus ihrer Sicht dazu?

Er hat das mit einer gewissen Zurückhaltung, aber dieser schon beschriebenen inneren Ruhe begleitet und ist ganz mit dem Papst und der Kirche gegangen. Er hat Alles in Ruhe angehört – Zuhören kann er sehr gut – aber ich würde schon von einer Zurückhaltung sprechen.

Abgesehen davon – hat Papst Leo XIV. einen Bezug zu Deutschland?

Das habe ich nicht so wahrgenommen. Er kann ein bisschen Deutsch, vor allem lesen und verstehen, und ein bisschen sprechen. Das kommt vielleicht auch aus der theologischen Literatur. Durch den Augustinerorden hat er auch Bezüge nach Deutschland – zu den Augustinern dort. Immerhin war er für zwölf Jahre Generalprior seiner Ordensfamilie.

André Ciszewski, Kath. Pfarrgemeinde St. Catharina
Foto: André Ciszewski, Kath. Pfarrgemeinde St. Catharina | André Ciszewski ist seit September 2024 Pfarrer in St. Catharina, Dinklage, der Heimatpfarrei des seligen Clemens August von Galen.

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