„Guten Tag. Ich bin gerade noch im Auto unterwegs, zusammen mit einigen Sklaven, die wir heute Morgen befreit haben.“ Pater Federico richtet während des Telefongesprächs mit der „Tagespost“ die Kamera seines Handys auf den Rücksitz: erschöpfte Gesichter, auch ein Kind. 23 Menschen hat er mit seinen Helfern aus einem „Lager“ in Pattoki befreit, einer Ziegelei in der Gegend von Raiwind. „Es ist eine Region mit fanatischen Islamisten; man sieht so gut wie keine Frauen auf der Straße. Dort gibt es viele Lager. In diesem Fall waren die Sklaven Christen, obwohl es in Pakistan auch Sklaven anderer Religionen gibt, sogar Muslime.“
Hintergrund ist eine Form der modernen Sklaverei, die als Schuldknechtschaft bekannt ist: Familien, die in unbezahlbaren Krediten gefangen sind, arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen, um eine vererbbare Schuld zu begleichen. Obwohl dieses System nach internationalem Recht verboten ist – Pakistan ist dem UN-Zusatzübereinkommen von 1956 beigetreten –, schätzt der Priester, dass in diesem Land bis zu zwei Millionen Menschen in einer solchen Sklaverei leben.
„Auch hier arbeiten Kinder ab sechs oder sieben Jahren und dürfen nicht zur Schule gehen“, sagt er. „Es gibt ‚mildere‘ Camps, in denen sie lernen dürfen, aber dieses hier ist extrem.“ Er berichtet auch von Folter: „Wenn jemand keine Leistung bringt, wird er stundenlang kopfüber aufgehängt.“ Die Brutalität, fügt er hinzu, „hängt von der Bosheit oder Güte des Sklavenhalters ab“.
Die Ordenspriester verstehen Mission wörtlich
Federico Highton wurde 1980 in Buenos Aires geboren; er studierte Rechtswissenschaften an der dortigen Universität und absolvierte anschließend seine Priesterausbildung, die er in Rom abschloss. Er wurde 2014 zum Priester geweiht und gründete im folgenden Jahr zusammen mit Pater Javier Olivera Ravasi den Orden des Heiligen Elias,. Der Orden versteht Mission wörtlich: Einsätze dort, wo es nur sehr wenige Christen gibt, vom Himalaya bis Westafrika, über Indien, Laos oder Taiwan.
Pakistan rückte 2024 in seinen Fokus, nachdem er heimlich eine 18-jährige Muslimin getauft hatte und die Geschichte von Rashida Bibi las – einer pakistanischen Christin, die zehn Jahre lang entführt, zur Heirat und zum Übertritt zum Islam gezwungen worden war und von Verstümmelungen berichtete. „Ich war schockiert. Ich sagte mir: Ich muss etwas tun.“
Kampf gegen Zwangskonversion und Versklavung
Aus einem Dossier einer NGO entnahm er eine Liste von hundert christlichen Frauen, Opfer von Entführungen, Zwangskonvertierungen und Heirat mit ihren Entführern. „Ich verspürte eine innere Stimme: Gott ruft mich und zeigt mir, dass Rettungen möglich sind.“ Als Rashida Bibi floh, fand sie Zuflucht in einem Sklavenlager, weil ihre Eltern dort arbeiteten: „Dadurch entdeckten wir die Realität der Sklaverei, etwas, das wir nicht kannten.“
Daraufhin schrieb er an Papst Franziskus: „Ich bat ihn um finanzielle Hilfe für die Befreiungen; ich fuhr mit meiner Mutter nach Santa Marta, und er gab mir das Geld persönlich und seinen Segen.“ Papst Franziskus sei „fast in Tränen ausgebrochen“, als er die Liste sah. „Deshalb nennen wir sie die päpstliche Liste.“ Besonders bewegt habe Franziskus das Foto von Sarah Shifa, die damals entführt war und nach der erzwungenen Konversion „unter einer Art Stockholm-Syndrom litt“, bis die Drohung, nach Saudi-Arabien verkauft zu werden, sie zur Flucht brachte. „Der Papst betete für sie“, sagt Pater Federico. „Ich glaube, dass sie auch dank seiner Gebete entkommen konnte.“
Heute arbeitet er mit pakistanischen Bischöfen daran, eine Datenbank christlicher Sexsklavinnen aufzubauen. „Vielleicht finden wir einige erst nach zwanzig Jahren; aber wir suchen weiter. Wir wollen wenigstens wissen, wo sie begraben sind.“
Heimliche Befreiungsaktionen
Die Schuldknechtschaft speist sich aus Wucher und Verzweiflung: Kleine Kredite, oft für Lebensmittel oder medizinische Notfälle, werden zur Kette, die von Eltern auf Kinder und Enkel übergeht. Verstärkt wird der Mechanismus durch einen in bestimmten Milieus verbreiteten Aberglauben: Die Entführung einer christlichen Frau und ihre erzwungene Konversion gelte wie eine Pilgerreise nach Mekka.
Obwohl dies gesetzlich verboten ist, geschieht es mit stillschweigender Duldung der lokalen Polizei. Frauen in diesen Lagern leben daher extrem gefährlich. Pater Federicos Team erstattet Anzeigen, etwa wegen Ausbeutung von Kindern, denn – so betont er – „was die Sklavenhalter tun, ist illegal“.
Die Befreiungen folgen keiner starren Methode. „Manchmal zahlen wir, manchmal nicht. Es hängt davon ab, was die Vorsicht gebietet.“ Der Einsatz jener Nacht war eine „legale, aber heimliche“ Operation. Pater Federico berichtet, dass einer der Arbeiter schwer krank war – „so krank, dass ich ihn nottaufen musste“ –, und als er ins Krankenhaus gebracht wurde, flohen andere mit ihm: So wurde die erste Gruppe befreit. Die zweite folgte gegen zwei Uhr morgens: „Unser Team fuhr mit Kleinbussen vor und holte sie heraus.“
Viertel für befreite Sklaven
Um zu verhindern, dass Sklavenhalter die Flüchtigen aufspüren und zurückholen, brachten Pater Federico und seine Helfer sie zunächst in ein geheimes Versteck für die Nacht, dann in ein zweites. Nächster Schritt ist, sie für etwa ein Jahr in gemieteten Häusern unterzubringen. Danach soll ein fünf Hektar großes Viertel für befreite Sklaven eingeweiht werden, das derzeit entsteht und „Pax“ heißen soll.
In dieser Übergangszeit gibt es Unterstützung durch Pfarrer vor Ort: Die befreiten Familien erhalten Wohnungen und werden in das Gemeindeleben integriert. Die pastorale Dimension begleitet die materielle Hilfe – für ungetaufte Erwachsene ebenso wie für Familien protestantischer Herkunft, die katholisch werden möchten. Langfristig ist das Ziel, zwölf Wohnviertel zu errichten, „zu Ehren der zwölf Apostel“; das erste soll St. Peter heißen, ein weiteres ist nahe der afghanischen Grenze geplant.
Arbeiten nach dem Vorbild von Franz Xaver
Anfang Mai will der Geistliche sein Projekt in Deutschland vorstellen und Helfer gewinnen. Die Bedingungen sind streng: gesucht werden volljährige, unverheiratete Männer – wegen der Risiken. Sie werden Gefahren ausgesetzt sein „für die Ehre Gottes, für das ewige Heil unserer Brüder, um christliche Sklaven aus den Fängen des Islam zu befreien“. Für Pater Federico „ist das ein Segen, Gnade, ein Privileg und ein Weg zur Heiligkeit“. Vorbild ist der heilige Franz Xaver, der „immer die gefährlichsten Missionen wählte; dann erfüllte ihn der Heilige Geist mit Trost“ – um „mit dem gekreuzigten Christus eins zu werden“.
Am 3. Mai kommt Pater Federico Highton OSE zum Familientag nach Oberflockenbach und berichtet nach dem Hochamt über sein Missionswerk. Parallel zum Vortrag finden Kinderkatechesen statt. Die heilige Messe beginnt um 11.30 Uhr in der Kapelle St. Marien in Oberflockenbach.
Kontakt: Pater Roland Weiß FSSP,
Tel.: 0 6201 / 71 09 857, Kontakt: p.weiss@fssp.org
Der Autor ist Journalist und lebt in Berlin.
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