Vatikan/Rom

Missbrauchsgutachten: Vatikansprecher verteidigt Benedikt XVI.

Andrea Tornielli lobt Benedikts Kooperation mit den Münchener Gutachtern sowie dessen päpstliches Engagement gegen innerkirchlichen sexuellen Missbrauch.
Papst Benedikt XVI.
Foto: Michael Kappeler (dpa) | In seiner Stellungnahme lobt Tornielli das kooperative Verhalten des emeritieren Papstes gegenüber der mit dem Missbrauchsgutachten beauftragten Münchener Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl.

Der Pressesprecher des Vatikans, Andrea Tornielli, hat sich in einer Stellungnahme zur Berichterstattung über den emeritierten Papst Benedikt XVI. infolge der Veröffentlichung des Münchener Missbrauchsgutachten von vergangener Woche geäußert.

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In seiner Stellungnahme lobt Tornielli das kooperative Verhalten des emeritieren Papstes gegenüber der mit dem Missbrauchsgutachten beauftragten Münchener Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl: „Der emeritierte Papst ist, unterstützt von seinen Mitarbeitern, den Fragen der Anwaltskanzlei nicht ausgewichen“, so Tornielli. Zudem erinnert er an das entschiedene Vorgehen, welches der damalige Papst Benedikt während seines Pontifikates an den Tag gelegt habe, um sexuellen Missbrauch nachhaltig zu bekämpfen.

Tornielli: Benedikt war Pionier der innerkirchlichen Missbrauchsbekämpfung

So dürfe laut Tornielli nicht vergessen werden, „dass Ratzinger in der letzten Phase des Pontifikats von Johannes Paul II. als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und enger Mitarbeiter des Papstes das Phänomen bereits bekämpft hatte“ und dieser nach seiner Wahl zum Papst äußerst strenge Vorschriften gegen klerikale Missbrauchstäter sowie eigene Gesetze zur Bekämpfung der Pädophilie erließ. „Darüber hinaus bezeugte Benedikt XVI. mit seinem konkreten Beispiel die Dringlichkeit des Mentalitätswandels, der so wichtig ist, um das Phänomen des Missbrauchs zu bekämpfen: den Opfern zuzuhören, ihnen nahe zu sein und sie um Vergebung zu bitten“, so Tornielli weiter. 

Zudem erinnert Tornielli in seiner Stellungnahme daran, dass Joseph Ratzinger der erste Papst war, der auf seinen Apostolischen Reisen mehrmals mit Missbrauchsopfern zusammentraf. „Es war Benedikt XVI., der inmitten des Sturms der Skandale in Irland und Deutschland, auch gegen die Meinung vieler selbsternannter ‚Ratzingerianer‘, das Gesicht einer bußfertigen Kirche zeigte, die demütig um Vergebung bittet, die Bestürzung, Reue, Schmerz, Mitgefühl und Nähe empfindet.“  DT/sta

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