Malteserorden

Malteser: Die Würfel sind gefallen

Nach Protesten: Franziskus erlässt eine neue Verfassung der Malteser und setzt bis zur Wahl einer neuen Ordensleitung einen Übergangsrat ein.
Papst Franziskus und John Dunlap
Foto: Vatican Media (Romano Siciliani) | Die ausgestreckte Hand des Papst Franziskus nimmt John Timothy Dunlap, Statthalter des Großmeisters und Oberhaupt des Souveränen Malteserordens, hier freudig an. Das Archivbild zeigt eine Audienz im Juni diesen Jahres.

Mit einem Schlag hat Papst Franziskus das Tauziehen um die innere Verfassung des Souveränen Malteserordens beendet und per Dekret am Samstag eine neue Ordensverfassung promulgiert, den bisherigen Souveränen Rat seines Amtes enthoben, einen Übergangsrat ernannt und für den kommenden 25. Januar ein außerordentliches Generalkapitel des Ordens einberufen, das sowohl den Großmeister als auch den Souveränen Rat neu wählen soll.

Die Scheidung der Geister

Das Amt des Großmeisters wird – nach dem Tod von Großmeister Giacomo della Torre 2020 und dem Tod des Übergangsleiters, Fra' Marco Luzzago, im vergangenen Juni – derzeit von einem Statthalter wahrgenommen, Fra‘ John Dunlap. Die vom Papst angeordnete Änderung betrifft auch das Amt des Großkanzlers. Statt Freiherr Albrecht von Boeselager, der seit 2014 dieses Amt innehatte, ernannte der Papst den Italiener Riccardo Paternò di Montecupo. Damit ist kein Deutscher mehr in der Ordensregierung vertreten. Mit Mariano Hugo von Windisch-Grätz berief Papst Franziskus einen Österreicher in den Übergangsrat. Die neue Satzung des Malteserordens ist noch nicht öffentlich.

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Seit 2017 rumort es in dem Orden. Die neue Satzung wurde unter Leitung von Kardinal Silvano Maria Tomasi, dem päpstlichen Sondergesandten für den Malteserorden, erarbeitet. Dass sich am Entwurf der Satzung die Geister scheiden, wurde schon vor Wochen deutlich, als sich die Präsidenten von 13 nationalen Assoziationen des Malteserordens, darunter der Deutsche Erich Prinz von Lobkowicz, mit einem Schreiben vom 12. August an Papst Franziskus wandten und vor einer Promulgierung der neuen Satzung warnten.

Schwerer Schaden für den Orden

Die Arbeit des Ordens, so hieß es in dem Schreiben, würde weltweit von 13 400 zivilen Mitgliedern organisiert und geleitet. Diese Leitung wie in der neuen Satzung vorgesehen auf die 36 Justizritter (auch Professen genannt) zu übertragen, die die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams abgelegt haben, würde dem Orden einen schweren Schaden zufügen und seine Arbeit gefährden. „Auch wenn wir die Verdienste der Justizritter anerkennen“, heißt es in dem Schreiben der 13 Präsidenten, „halten wir es nicht für möglich, dass die Arbeit von über 13 000 Personen, die seit geraumer Zeit damit massiv befasst sind, von weniger als 40 Personen geleistet werden kann, die weder die Erfahrung noch die Qualifizierung besitzen, um eine Organisation mit dieser Tragweite verantwortlich zu verwalten.“

Am 27. August traf der Papst schließlich mit Kardinal Tomasi, Fra‘ Dunlap und dem Jesuiten und Kirchenjuristen Gianfranco Ghirlanda zusammen, dem ein besonderer Anteil an der Erarbeitung der neuen Ordensverfassung nachgesagt wird. Da wusste man, dass der Papst auf den Widerspruch der Präsidenten reagieren würde. Es handelt sich bei dem jetzt veröffentlichten Dekret des Papstes um einen massiven Eingriff in die inneren Angelegenheiten des Malteserordens, der immerhin einen Status als souveränes nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt genießt.

Liebe des Papstes für Malteserorden

In dem Dekret beruft sich Franziskus deshalb auf eine vatikanische Entscheidung unter Pius XII. Ein Urteil des Kardinalgerichts habe bereits 1953 die dem Orden als Völkerrechtssubjekt innewohnenden Vorrechte beschränkt, heißt es in dem Dekret. Der Orden habe demnach nicht dieselben Befugnisse und Vorrechte wie andere souveräne Körperschaften. „Die Qualität der Institution als souveräner Orden ist funktional, das heißt, sie ist darauf ausgerichtet, die Verwirklichung der Ziele des Ordens und seine Entwicklung in der Welt zu gewährleisten“, zitiert Franziskus die damalige Entscheidung. Aber als religiöser Orden, der die Heiligung seiner Mitglieder sowie religiöse und caritative Aufgaben zum Ziel habe, hänge der Malteserorden vom Heiligen Stuhl ab.

Statthalter Dunlap gilt schon länger als Unterstützer der Reformpläne des Papstes. Er begrüßte noch am Samstag „das väterliche Handeln Seiner Heiligkeit, das die große Liebe des Papstes für unseren Orden zeigt. In seiner sorgfältigen Prüfung der verschiedenen Vorschläge, die ihm in den letzten Monaten vorgelegt wurden, hat der Papst einen Weg festgelegt, der die Zukunft des Ordens sowohl als Ordensinstitut als auch als souveräne Körperschaft zu sichern verspricht“.

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