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Geldnöte des Vatikans und Spaltungen in der Kirche

Und eine Bitte an die Gläubigen: Worüber die Kardinäle in den Generalkongregationen zur Vorbereitung des Konklave sprechen.
Vorkonklave im Vatikan
Foto: IMAGO/Evandro Inetti (www.imago-images.de) | Wie der vatikanischen Pressesaal informierte, ging es heute in der Generalkongregation der Kardinäle um die knappen Kassen des Vatikans.

Inzwischen sind 181 Kardinäle in Rom eingetroffen, die an den Generalkongregationen zur Vorbereitung auf das Konklave teilnehmen, 124 davon sind papstwahlberechtigt. Wie der vatikanischen Pressesaal informierte, ging es heute um die knappen Kassen des Vatikans. Der Münchener Kardinal Reinhard Marx, Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats, habe einen Einblick in die bestehenden Herausforderungen gegeben und Vorschläge gemacht, wie die wirtschaftlichen Strukturen des Heiligen Stuhls weiterhin die Mission des Papstes unterstützen könnten.

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Anschließend habe Kardinal Kevin Farrell, Vorsitzender des vor kurzem eingerichteten Ausschusses für das Fundraising des Vatikans, über die Aktivitäten seines Ausschusses berichtet. Kardinal Christoph Schönborn, der Präsident der Kardinalskommission für die Aufsicht über das Institut für die religiösen Werke (IOR) ist, informierte zudem über die aktuelle Situation des vatikanischen Finanzinstituts.

Notwendigkeit, vom Gebet aller Gläubigen unterstützt zu werden

Kardinal Fernando Vérgez Alzaga, L.C., emeritierter Präsident des Governatorats des Staates der Vatikanstadt, ging unter anderem auf die Renovierungsarbeiten an Gebäuden des Vatikans ein. Anschließend sprach der Almosenmeister, der polnische Kardinal Konrad Krajewski, über die caritative Tätigkeit des Heiligen Stuhls.

Die in der Generalkongregation versammelten Kardinäle haben auch eine Botschaft an das Volk Gottes verfasst, die in der Synodenaula nochmals verlesen wurde. Sie hat folgenden Wortlaut: „Das in Rom versammelte Kardinalskollegium, das sich in den Generalkongregationen auf das Konklave vorbereitet, möchte das Volk Gottes einladen, dieses kirchliche Ereignis als ein Geschehen der Gnade und der geistlichen Unterscheidung zu leben und dabei auf den Willen Gottes zu hören. Aus diesem Grund verspüren die Kardinäle im Bewusstsein ihrer Verantwortung die Notwendigkeit, vom Gebet aller Gläubigen unterstützt zu werden. Das Gebet ist die wahre Kraft, die in der Kirche die Einheit aller Glieder in dem einen Leib Christi fördert (1 Kor 12,12). Angesichts der Bedeutung der bevorstehenden Aufgabe und der dringenden Erfordernisse der heutigen Zeit ist es vor allem geboten, in Demut zu Werkzeugen der unendlichen Weisheit und Vorsehung des himmlischen Vaters zu werden und sich dem Wirken des Heiligen Geistes zu überlassen. Denn er ist derjenige, der das Leben des Volkes Gottes lenkt, derjenige, auf den wir hören müssen, indem wir das annehmen, was er der Kirche sagt (vgl. Offb 3,6). Möge die Muttergottes dieses vereinte Gebet mit ihrer mütterlichen Fürsprache begleiten.“

Leid durch die Polarisierung der Kirche

In der freien Aussprache kamen dann 14 Kardinäle zu Wort. Wie der Vatikan mitteilte, habe man die Ekklesiologie des Volkes Gottes hervorgehoben und dabei besonders das Leid beklagt, das durch die Polarisierung innerhalb der Kirche und durch die Spaltungen in der Gesellschaft verursacht worden sei. In diesem Zusammenhang, so der Vatikan weiter, sei der Wert der Synodalität in enger Verbindung mit der bischöflichen Kollegialität in Erinnerung gerufen worden.

Weiter ging es um die Priester- und Ordensberufe, die geistliche und pastorale Erneuerung der Kirche und die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils, insbesondere der Apostolischen Konstitutionen „Lumen gentium“ und „Gaudium et spes“. Im Zusammenhang mit der Evangelisierung sei die notwendige Kohärenz zwischen der Verkündigung des Evangeliums und dem konkreten Zeugnis eines christlichen Lebens betont. Mit dem Gebet des Regina Coeli habe die Generalkongregation zur Mittagszeit geendet.  DT/gho

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