Synodaler Weg

Synodaler Weg: Bischof Voderholzer lehnt Verharmlosung von sexuellem Missbrauch ab

Aussprache zu Beginn der Veranstaltung. Trotz eines vollen Programms nehmen sich die Teilnehmer viel Zeit. Die bekannten Themen stehen im Fokus.
Bischof Voderholzer  lehne die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs durch Sexualwissenschaftler ab
Foto: Armin Weigel (dpa) | Er lehne die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs durch Sexualwissenschaftler ab, so der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Die inzwischen dritte Vollversammlung des Synodalen Weges ist heute in Frankfurt eröffnet worden. Die 218 Synodalteilnehmer werden heute erstmals Texte in zweiter Lesung abstimmen und damit verabschieden. Vorher hörten die Teilnehmer der Veranstaltung den Bericht des Präsidiums des Synodalen Wegs. Darin hob der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Limburger Bischof Georg Bätzing, auch die Internationalität des synodalen Weges hervor. Anschließend nahmen die Teilnehmer einen sogenannten „Leitfaden für gute Kommunikation und Konfliktgestaltung“ zur Kenntnis. Es hatte während der vergangenen Sitzung offensichtlich einige kommunikative Irritationen gegeben.

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Die üblichen Themen

Es folgte eine spontan eingefügte aktuelle Stunde zur Aussprache. Im Fokus der Diskussion stand zudem die Aktion #OutinChurch in die in der daran anschließenden öffentlichen Debatte geäußerte Forderung nach einer Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts. Ferner wurde immer wieder das Postulat nach Zugang für alle Geschlechter zum sakramentalen Amt erhoben. Immer wieder war die Rede davon, dass die Existenz der Kirche bedroht sei, wenn die Reformen des Synodalen Weges scheiterten. Zudm kam die Frage auf, warum sich Menschen in der Kirche noch engagierten.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer kritisierte in seinem Statement die Rezeption des Missbrauchsgutachtens der Erzdiözese München und Freising. In der Presse dominiere die Frage der Teilnahme des damaligen Kardinals und Münchner Erzbischofs Joseph Ratzinger an einer Ordinariatssitzung, die sich bereits aus der Papst-Biografie Peter Seewalds klären ließe. Ferner kritisierte der Bischof insgesamt die Praxis der rechtsanwaltlichen Gutachten zur Aufbereitung von sexuellem Missbrauch. Der Bischof mahnte an zu berücksichtigen, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern in den siebziger Jahren schließlich nicht mehr unter Strafe gestanden habe, weil – so die damalige Auffassung – die Verhöre der Opfer für schlimmer als die Tat erachtet worden seien.

Klärendes Wort nötig

 Voderholzer wurde daraufhin von merehren Teilnehmern der Synodalversammlung  unterstellt, sich die von ihm referierte Sicht auf sexuellen Missbrauch zu eigen gemacht zu haben. In einer zweiten Stellungnahme erklärte der Bischof von Regensburg erneut den Sachverhalt und betonte, er halte die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs für verheerend. Auch er habe als Bischof die Tränen und das unendliche Leid vieler Betroffener an sich herangelassen. Er lehne die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs durch Sexualwissenschaftler ab, die dazu geführt habe, dass der sexuelle Missbrauch nicht mehr als Verbrechen im Strafrecht genannt wurde. Das sei, so der Bischof, empörend und ein Skandal.

Persönliche Zeugnisse

Ulrich Hemel Vorsitzender des Bundes katholischer Unternehmer, regte in der Aussprache eine bundesweite Stiftung zur Aufarbeitung von Missbrauch an. Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz gab ein persönliches Zeugnis zu Josef Ratzinger ab. Sie kenne ihn seit 1976. Er sei ein Mann mit lauterem Herzen, er leide schwer unter diesen Verbrechen. Er sei der erste gewesen, der "ganz tief in diesen Schlamm hinunter gegriffen" habe. Die Theologin Marianne Schlosser griff ebenfalls die Taten des emeritierten Papstes Benedikt XVI. auf, der die Aufklärung und Verfolgung von sexuellen Straftaten in der Kirche vorangetrieben habe. Emeka Ani von den Muttersprachlichen Gemeinden regte einen Versöhnungsprozess und eine spirituelle Erneuerung der Kirche an.

Mit der aktuellen Stunde wird der Zeitplan nicht mehr einzuhalten sein. Nicht alle geplanten Abstimmungen werden heute noch stattfinden können. Nach einer Pause werden die Teilnehmer den Orientierungstext beraten, der vom Vorstand in eigener Initiative vorgelegt wurde. DT/pwi

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