Frankfurt

Synodaler Weg: Ein epochaler Umbruch

Persönliche Impressionen einer Synodalen. Dorothea Schmidt vermisst bei der Synodalversammlung jeglichen Bezug zu Christus. Stattdessen scheine der Synodale Weg selbst als Erlösung zu gelten.
3. Synodalversammlung: Minderheiten bleiben nach den ersten Abstimmungen ratlos zurück.
Foto: Maximilian von Lachner/Synodaler Weg | Dorothea Schmidt zieht ein ernüchtertes Fazit vom Auftakt der dritten Synodalversammlung. Die Minderheiten bleiben nach den ersten Abstimmungen ratlos zurück.

Wie ein aufgeblasenes Akkordeon, bei dem alle Luft herausgedrückt wird, entspannt und schließlich Ruhe gibt, legte sich die undefinierbare Spannung allmählich, die den ganzen Tag über der Versammlung lag. „Das wäre geschafft“, hörte man jemanden raunen. Und: „Auch Zwei Drittel der Bischöfe haben dafür gestimmt!“  Zwei Texte in Zweiter Lesung waren am Abend des ersten Tages 3. Synodalversammlung in Frankfurt durchgewunken worden. Ein Erfolg aus Sicht der meisten Synodalen.

Gemeinsam unterm Regenbogen

Begonnen hat er Tag mit bunten Regenbogenfahnen, die sich wie zur Begrüßung vor dem Eingang des Frankfurter Messegebäudes mit dem leichten Wind hin und her bewegten. Vorzeichen oder Statement? Keine Ahnung. Ich sah aus dem Augenwinkel nur noch Frauen mit einem Banner, auf dem stand: „Maria, schweige nicht!“ Eine etwas kuriose Komposition, dachte ich und verschwand im Gebäude zur 3. Synodalversammlung.

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Maria wurde nicht weiter thematisiert auf der 3. Synodalversammlung, die Regenbogenthematik sehr wohl – unterstrichen durch den Regenbogen-Mundschutz, den einige Synodale trugen. Es gab nämlich ordentlich Applaus für die Aktion „OutInChurch“ im Saal des Messegebäudes, der dem weiteren Verlauf des Synodalen Weges einen richtungsweisenden Stempel aufdrücken sollte. Das sei ein „Auftrag zur Gestaltung“, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Neugestaltet werden soll das Arbeitsrecht. Und Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen sollen zu sakramentalen Ämtern zugelassen werden. Diesen Auftrag nehme die Kirche an, sagte Stetter-Karp knapp. Dann ging es flott durchs Programm.

Es geht um Mehrheit, nicht um Einheit

In den üblichen 1- bis 3-Minuten-Beiträgen sprachen wir unter anderem über Lehramt, Zeichen der Zeit, Theologie. Sensus fidei fidelium. Aber man konnte sich – mal wieder – des Eindrucks nicht erwehren, dass wir bei gleichen Vokabeln über verschiedene Inhalte und Definitionen sprachen. Zumindest ging das Verständnis darüber weit auseinander. Aber das schien nicht zu stören, schließlich geht es auf dem Synodalen Weg nicht um Einheit, sondern um Mehrheit. Und die stand an dem 3. Februar auf dem Spiel. Zumindest befürchteten dies einige.

22 bischöfliche Gegenstimmen hätten genügt, um die Beschlusstexte zu kippen. Man hätte dann (mindestens) die beiden Beschlusstexte nachjustieren, einen neuen Dreh finden, vielleicht sogar eine neue Grundausrichtung versuchen müssen. Diese sogenannte Sperrminorität kam aber nicht zustande. Deutschland hat keine 22 Bischöfe, die gegen eine Marginalisierung von Priestertum und Bischofsamt, gegen die politische Bischofswahl oder ein Rätesystem stimmen, vor dem sich ein Bistum rechtfertigen soll, wenn es die synodalen Beschlüsse nicht umsetzt; oder dagegen, dass eine Theologie das Lehramt ersetzen oder dieses aushebeln soll, wenn Strukturen vor Umkehr gehen und uns suggeriert wird, das sei Reform. Ein Blick in die Geschichte hätte genügt, um festzustellen, dass es keine Reformen gibt ohne Umkehr, ohne Buße und Gebet. Ohne Christus.

Die Abstimmung lässt eine ratlose Minderheit zurück. Aber ich denke an Sodom: Herr, und wenn Du 15 Bischöfe findest …? War diese Abstimmung das Resultat eines freien Entschlusses? Oder lag es am Druck, der da aufgebaut wurde? Der Synodale Weg dürfe nicht scheitern, sonst sei die Kirche nicht mehr zu retten, so der Tenor des Tages. Zuvor schon hatten Geistliche den Synodalen Weg in den Medien als den einzigen Weg präsentiert, der die Kirche aus der Krise führen könne.

...dann merkt man, was man eigentlich geschluckt hat

Ich vermisse jeglichen Bezug zu Christus, der unser Retter ist. Stattdessen scheint der Synodale Weg selbst als Erlösung zu gelten. Manche sind so überzeugt davon, dass es ihnen nicht schnell genug gehen kann – und Druck erzeugt wird: Die Debatten waren gespickt mit Werbeeinlagen von marktschreierischer Art: „Stimmt für die Texte! – Ihr könnt nicht anders, wenn ihr den Missbrauch eindämmen wollt, wenn Ihr synodale Kirche sein wollt, wenn es euch ernst ist mit der Missbrauchsaufarbeitung.“

Wir sollten die warmen Semmeln essen, bevor sie kalt werden und man merkt, was man da eigentlich geschluckt hat. Um wichtige Details ging es nämlich gar nicht. Dabei wären wichtige Zutaten durchaus erwähnenswert und näher zu erläutern gewesen, besonders als es um den Handlungstext zur Einbeziehung in die Bestellung des Diözesanbischofs  ging: Wer oder was ist das Volk Gottes, was bedeutet „Weiheamt für alle“, was sind Macht und Vollmacht? Dafür ist keine Zeit im synodalen Transrapid. Als würde sich die Debattiererei nicht ohnehin schon überschlagen – Sichtweisen werden im Minutentakt ausgetauscht. Passend dazu: die vom BDKJ verteilten Bierdeckel, auf denen alle möglichen Anträge zur Geschäftsordnung nochmal aufgelistet wurden. Einer davon: „Schluss der Beratungen und sofortige Abstimmung.“

Noch gab es „Beratungen“ in Form dieser Eilstatements, bevor abgestimmt wurde. Wie gewohnt auch die parlamentarische Art: Anstelle eines „Wir und der Heilige Geist haben beschlossen“, nach Vorbild der Apostel zum Ende des Apostelkonzils, heißt es hier: Die Mehrheit hat beschlossen. Sie hält das Synodale Schiff weiter auf ihrem kirchenpolitischen Wunschkurs. Immerhin sind keine roten Karten mehr geflogen. Auch hat das Präsidium zweimal den Zeigefinger gehoben und gebeten, dass man – bitte – Wortbeiträge so stehen lässt. Denn immer noch schert der eine oder andere aus. Eine gewisse Feindseligkeit ist einfach da. Aber es gibt jetzt einen Leitfaden für gute Kommunikation.

Meditation über das Körpergefühl

Zumindest in den Pausen war diese durchaus freundlich. Sogar die Corona-Teststation entpuppte sich als Plauschstation, wo man – auf das Testergebnis wartend – Synodale oder Bischöfe traf, mit denen man persönlich noch kein Wort gewechselt hatte. Dagegen war das Sprechen mit Gott wieder Mangelware, Gebet stand nicht auf dem Programm. Dafür eine musikalisch begleitete Meditation über die Ereignisse des Tages und unser Körpergefühl. Die Hoffnung, dass man doch noch im Sinne von Papst Franziskus gemeinsam auf den Geist Gottes hören würde, entpuppt sich als Wunschdenken. So vollzieht sich ein Paradigmenwechsel in der katholischen Kirche, ein epochaler Umbruch, der an den Arianismus erinnert: Man wacht auf in einer Kirche, die plötzlich nicht mehr katholisch, sondern evangelisch ist, in der alle und keiner Priester ist, in der jeder mit jedem… Es ist ernüchternd!


Die Autorin ist Delegierte der Initiative „Maria 1.0“ beim Synodalen Weg

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