#OutInChurch

Mitarbeiter der Wahrheit?

Der bischöfliche Applaus für #OutInChurch ignoriert die Bedürftigkeit jedes Menschen nach Erlösung und lässt existenzielle Fragen unbeantwortet. Ein Kommentar.
ARD-Dokumentation «Wie Gott uns schuf»
Foto: EyeOpeningMedia (EyeOpeningMedia/rbb) | Die Kombo zeigt Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Initiative "#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst" - eine Szene aus der ARD-Dokumentation "Wie Gott uns schuf".

Die Aktion #OutInChurch zielte darauf, vor der nächsten Synodalversammlung den nötigen Druck aufzubauen, um die lehramtliche positive „Neubewertung von Homosexualität“ durchzusetzen. Erstaunlich sind die Erklärungen, mit denen Teile des deutschen Episkopats ihre Unterstützung ausdrücken: „Jede Person – völlig unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität – ist unbedingt von Gott geliebt“, teilt uns etwa Bischof Genn mit. „Wir alle sind Geschöpfe Gottes. Und die Kirche muss jedem Menschen Heimat bieten“, lautet es von Bischof Timmerevers. Erstaunlich deswegen, weil die Aussagen zwar inhaltlich völlig korrekt sind, aber weder neue Erkenntnisse enthalten, noch als Argumente dazu herhalten können, die kirchliche Lehre über den Menschen und seine Sexualität auszuhebeln.

Jeder Einzelne braucht die Heilsbotschaft Jesu

Die Kirche ist überzeugt, dank der Offenbarung grundsätzliche Wahrheiten über die menschliche Person zu vermitteln: Der Mensch wurde vom Schöpfer als Sein Ebenbild ins Leben gerufen und als Mann und Frau aufeinander hin geschaffen. Spätestens Papst Johannes Paul II. hat diese Einsichten theologisch und philosophisch so entfaltet, dass niemand sie als ein archaisches Glaubensfragment aus vormoderner Zeit hinstellen kann. Was in der rudimentären Darstellung des christlichen Menschenbildes durch manchen Kirchenvertreter unterschlagen wird, ist die persönliche Erlösungsbedürftigkeit eines jeden Menschen.

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Ja, als Gottes Ebenbild hat jeder Mensch ein Recht auf den Respekt seiner unveräußerlichen Würde. Und ja, jeder Einzelne braucht die Heilsbotschaft Jesu, daher ist in der Kirche ohne Ausnahme jeder willkommen. Die Botschaft des Evangeliums ist dabei nicht die uneingeschränkte Bejahung aller Lebensentwürfe, sondern Rettung und Heilung von unseren Sünden und von den Verletzungen, die wir durch andere erfahren haben. Dies zu verkünden ist die Aufgabe der Bischöfe als Mitarbeiter der Wahrheit. Dem Menschen wissentlich und willentlich einen Teil der Wahrheit über sich selbst vorzuenthalten, ist aus der Heils-Perspektive fahrlässig.

Sehnsucht nach unbedingter Liebe ist zutiefst menschlich

Eine solche Haltung übersieht auch existenzielle Notsituationen, in die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung geraten können. Dies gilt umso mehr, als die Annahme, jede sexuelle Orientierung eines Menschen sei quasi gottgegeben, von den „modernen Humanwissenschaften“ schon lange hinter sich gelassen worden ist. Vor ein paar Tagen erst berichteten „Die Welt“ und die „Neue Züricher Zeitung“ über „Transmenschen“, die nach einer erfolgten Geschlechtsoperation wieder in ihr angeborenes Geschlecht zurückkehren wollen. Sie erzählen, wie sie bereits in ihrer Jugend begonnen haben, Hormone zu nehmen und niemand in ihrem Umfeld ihre Geschlechtsumwandlung infrage gestellt hatte. Heute werden sie von der Trans-Community ausgeschlossen, während die Kirche hilflos mit der Schulter zuckt und die Menschen in ihrem Leid alleine lässt.

Die Sehnsucht nach Bejahung und unbedingter Liebe ist zutiefst menschlich. Das macht übrigens auch den Wunsch mancher Bischöfe nach Applaus zumindest nachvollziehbar. Echte Barmherzigkeit und Annahme kann aber niemals auf Kosten der Wahrheit gehen, auch wenn diese schmerzlich ist. Hier für Menschenlob und aus Menschenfurcht alles als gleich gut und gleichwertig darzustellen, wird dem Menschen mit seinen existenziellen Fragen nicht gerecht.

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