Synodaler Weg

Bischof Oster: Kirchliche Sexuallehre vertiefen, nicht ersetzen

Der Passauer Bischof erklärt in einem Video, was Liebe und Sexualität aus christlicher Sicht bedeuten.
Stefan Oster
Foto: Lukas Barth (KNA) | Stefan Oster, Bischof von Passau, am 11. November 2015 auf dem Freisinger Domberg.

Angesichts der anhaltenden innerkirchlichen Debatten zur Sexuallehre der Kirche – die zuletzt auf der Vollversammlung des Synodalen Weges geführt wurden – wirbt der Passauer Bischof Stefan Oster in einem Video auf der Homepage seiner Diözese um ein besseres Verständnis. Um sich der tieferen Dimension von Liebe und Sexualität im christlichen Kontext bewusst zu werden, müsse „die absichtslose Liebe Gottes“ als „innere Mitte des Evangeliums“ erkannt werden, so Bischof Oster.

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Abkehr vom Vertrauen

Diese absichtslose Liebe Gottes sei der Grund, „warum es uns gibt und warum es die ganze Schöpfung gibt“, erklärt Bischof Oster. Zudem sei der Grund, „warum wir als ursprünglich heile Geschöpfe zu gebrochenen Geschöpfen wurden, unsere Abkehr vom Vertrauen, dass Gott uns wirklich absichtslos liebt“. Durch seine absichtslose Liebe wolle Gott „uns berühren und unser Herz verändern: Er will uns zu neuen Menschen machen, die selbst immer mehr fähig werden, absichtslos zu lieben – und so das Evangelium von der Rettung durch Jesus und vom Reich Gottes zu bezeugen“, sagt Oster.

Die absichtslose Liebe und unsere Sexualität

 

Auch die Erkenntnis, dass Liebe und Sexualität nicht voneinander zu trennen sind, verdeutlicht Oster: „Auf leidenschaftliche Hingabe folgt bisweilen die Ernüchterung: ‚Wie konnte mir das nur passieren – mit dieser Person?‘ Die Entkoppelung lustvoller Sexualität von der Entschiedenheit zur Liebe, die Entkoppelung der Erotik von der Verantwortung kann Sex schaler werden lassen, oberflächlicher – und öffnet bisweilen ernüchternd auch die Augen – nach dem Akt.“ Oster ergänzt: „Das erotische Begehren hat nicht nur faszinierende, verheißungsvolle, großartige, anziehende Seiten, sondern es kann auch dunkle, Gewalt ausübende, besitzergreifende, manipulierende Dimensionen haben.“

Oster betont die Schönheit der katholischen Lehre

Mit Blick auf die Kirche fügt der Bischof von Passau hinzu: „Tatsächlich brauchen wir mehr Erkenntnisse, mehr Differenzierungen und auch mehr Empathie für Menschen, die anders gehen und sich anders fühlen als die große heterosexuelle Mehrheit.“ Er selbst „gehöre zu denen, die in einigen Fragen auch ein Weiterdenken, Sensibilisierungen und Differenzieren für notwendig halten, etwa in Bezug auf Homosexualität und Transsexualität“, bekennt Oster. Doch er ergänzt: „Zugleich bin ich der Meinung, dass die bestehende Lehre nach wie vor ihre Gültigkeit und Schönheit hat.“ DT/sta


Den  gesamten Text kann man auf der Internetseite von Bischof Stefan Oster nachlesen.

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