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Loretto: Den Vorhang zwischen Himmel und Erde heben

Bei der Loretto-Gemeinschaft und ihrer „Feuerkonferenz“ in Linz geht es nicht um Gemeindeaufbau, sondern um Jüngerschaft.
Jugendliche auf der Suche finden bei der Loretto-Gemeinschaft Christus und Begleitung in der Jüngerschaft..
Foto: Loretto | Jugendliche auf der Suche finden bei der Loretto-Gemeinschaft Christus und Begleitung in der Jüngerschaft..

Jung und fröhlich. So wirkt die erste „Feuerkonferenz“ der Loretto-Gemeinschaft von Anfang an. Da liegen sich von weither angereiste Jugendliche beim Wiedersehen in den Armen, laden Wildfremde einander spontan zum Mittagessen ein, stimmen beim Lobpreis der ebenfalls jungen Band auf der Bühne spontan viele im Publikum ein, recken sich viele Hände zum Gebet in die Höhe. All das mag kein Alleinstellungsmerkmal sein; auffallend ist solch junge Fröhlichkeit in der Kirche des deutschsprachigen Raums heute gleichwohl.

Was vor 15 Jahren als „Christkönigsfestival“ im oberösterreichischen Kopfing bei Passau begann und später als „Gebetskreiskonferenz“ fortgesetzt wurde, versammelte am vergangenen Samstag in Linz mehr als 350 Teilnehmer aus 30 verschiedenen Loretto-Pfingst-Locations und 40 Leitungsteams von Gebetskreisen. „Das riecht nach Erneuerung“, meinte Loretto-Gründer Georg Mayr-Melnhof in seiner Begrüßung. „Wir dürfen mit Jesus, dem Saviour der Welt, zusammenarbeiten. Wir sind Coworker“, mixt der mittlerweile zum Diakon geweihte Vater von vier Kindern, jugendgerecht etwas Englisch in seine Rede. Auch musikalisch geht es zwischen Deutsch und Englisch hin und her; doch immer geht es um Jesus.

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Diese Christozentrik und das Bewusstsein, dass der Herr heute wie damals durch seine Jünger wirkt, prägt hier alles. Die Kirche müsse sich nicht zu allem und jedem äußern, in der Illusion, ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur zu sein, sagt Maximilian Oettingen, der die Loretto-Gemeinschaft seit 2004 leitet, im Gespräch mit der „Tagespost“. Mehr christozentrische Fokussierung täte ihr gut. Das Erfolgsrezept seiner Gemeinschaft definiert er so: „Wir legen einen Fokus auf die Gegenwart des Herrn. Das ist attraktiv für junge Menschen, gerade in den Phasen des Suchens. Deswegen kommen sie.“

Tatsächlich kommen jedes Jahr gut 10.000 Jugendliche und junge Erwachsene zu den rund 30 Pfingstevents der Lorettos im deutschen Sprachraum; 5.000 kommen regelmäßig zu den 40 Gebetskreisen, etwa gleichviele zu andere Veranstaltungen. „All das in einer unverbindlichen Weise: Man kann später kommen oder früher gehen, muss nicht jede Woche kommen. Das entspricht den jungen Menschen und ihrer Suchbewegung“, sagt der Familienvater und promovierte Philosoph Oettingen, den hier alle „Maxi“ nennen. Ihn selbst beeindrucken bei den Loretto-Treffen am meisten die ganz jungen Leute, „wenn sie hier erzählen, wie ihr Leben war und ist – vor und nach der Begegnung mit Jesus“.

Nach dem Vorbild Jesu: Senden und begleiten

Neuevangelisierung brauche Orte, an denen viel gebetet und Wert auf Begegnung gelegt wird. Es gehe darum, „den Vorhang zu heben zwischen Himmel und Erde“, und Schulen des Gebetes zu fördern, erläutert Oettingen im „Tagespost“-Interview. Loretto bietet Jüngerschaftskurse an, in denen das Christentum praktisch erlernt wird. Man wolle Leute begleiten und fördern, wenn sie auf Mission gehen. „Menschen müssen gesendet und dabei begleitet werden“, sagt Maxi Oettingen, denn es gehe nicht in erster Linie um Gemeindeaufbau, sondern um Jüngerschaft. Er begründet das biblisch: „Der Herr hatte einen wunderbar verschwenderischen Umgang mit der Zeit. In den drei Jahren seines öffentlichen Wirkens hat er sich unglaublich viel Zeit genommen für relativ wenige Leute. Das war ein Jüngerschaftskurs, und es wäre klug, das zu kopieren!“

Einfach jene, die kommen, zu schulen und zu senden, sei geistlich sehr großzügig – „und es ist anziehend“. Genau das sei das Ziel der „Feuerkonferenz“: Die Leiterteams der Gebetskreise zu sammeln, zu lehren und zu senden, sagt Oettingen. Drinnen im Saal spricht er davon, dass Papst Johannes XXIII. ein „neues Pfingsten“ ersehnte als er das Konzil einberief, dass der Heilige Geist in und durch die Jünger wirkt, indem er sie hinausdrängt bis an die Enden der Erde. Es gehe um „pfingstliche Räume“, um „Orte, wo der Heilige Geist wirkt“.

„Selbstzufriedenheit“ heiße die Krankheit der Kirche, sagt Maximilian Oettingen. Und er nennt noch weitere: die Fixierung auf Zahlen, den Lärm und den Narzissmus. „Manchmal agieren wir wie im Schwimmbad: Der Lärm kommt vom seichten Ende.“ Den heiligen Ambrosius zitierend meint er: „Die nüchterne Trunkenheit des Heiligen Geistes kommt, wenn wir die Sakramente empfangen und in der Heiligen Schrift lesen – aber wir müssen darum bitten.“ Das geschieht in den Gebetskreisen und bei den Pfingstfestivals der Loretto-Gemeinschaft: „Wir bitten um die nüchterne Trunkenheit des Heiligen Geistes, eine Trunkenheit, wo du bei dir bleibst.“ Das sei, so meint der Loretto-Leiter schmunzelnd, wie der Zustand eines Menschen, der „total verknallt“ ist: „Du kannst nicht anders als jubeln und die Taten Gottes verkünden.“

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Neuevangelisierung brauche eine „zeugnisbasierte Verkündigung, die zu einer Entscheidung für den Herrn führt“. Bevor man aber über den Herrn sprechen kann, müsse man mit dem Herrn sprechen. Und Menschen dazu einladen. Den Sendungsauftrag am Ende des Matthäus-Evangeliums (Mt 28,18-20) interpretiert Oettingen so: „Die Menschen müssen den Herrn kennenlernen.“ Sie zu Jüngern Jesu zu machen, sei „das zentrale Prinzip“. Menschen müssten „zur Haltung des Lehrlings“ geführt werden und das christliche Leben erlernen. Die Loretto-Gebetskreise sollten darum „auf seine Gegenwart“ fokussieren. Oettingen weiter: „Haben wir im deutschsprachigen Raum seine Gegenwart vergessen? Ja, natürlich haben wir das.“ Nur mehr 19 Prozent der Einwohner Deutschlands glaubten laut einer Umfrage an den Gott, von dem die Bibel erzählt.

Die Apostelgeschichte weiter schreiben

Doch Maximilian Oettingen bejammert nicht den Niedergang, sondern benennt die Zutaten für „ein neues Pfingsten“: In Linz rief er die Erweiterung der Mutterschaft Mariens unter dem Kreuz in Erinnerung. Nicht nur der Apostel Johannes, sondern allen Gläubigen sei Maria zur Mutter gegeben, die unter dem Wirken des Heiligen Geistes zu Pfingsten an der Geburt des mystischen Leibes Christi mitwirkte. „Wir brauchen heute geistliche Mamas und Papas, die sich ansprechen lassen vom Kreuz her“, so Maximilian Oettingen.
„Die Apostelgeschichte fortzuschreiben, das ist unser Auftrag“, formulierte Pater Andreas Hasenburger in seiner Predigt. Es gelte, „mit Freimut das Evangelium zu verkünden und Menschen zu Christus zu führen“. Heilsam könne „eine Jesus-Begegnung, die uns aufschreckt“ sein, nämlich mit Jesus „in seiner göttlichen Vollmacht“.

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