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Das Geschenk der Liebe

„Wahre Liebe wartet“ – das steht auf manchen Plakaten. Wichtig ist, dass junge Menschen Rückhalt bei Freunden, Familie und Gleichgesinnten finden.
Paar in Paris
Foto: Imago/Zoonar | Vor der Eheschließung enthaltsam leben – geht das heute überhaupt noch? Bei Jungen ist der Gruppendruck oft sehr hoch, bei Mädchen vielleicht die Unsicherheit oder Suche nach Bestätigung.

Da war dieses Poster mit den bunten Gummibärchen, an das ich mich noch schemenhaft erinnere. Als kleines Kind fand ich es vor allem spannend, dass zwischen den roten, gelben und orangefarbenen Haribos ein leuchtend blaues herausstach. Viele Jahre später sah ich dasselbe Poster noch einmal und konnte diesmal auch die Bildunterschrift lesen: „Wahre Liebe wartet. Kein Sex vor der Ehe.“ Das Plakat faszinierte mich schon damals im Gemeindehaus: Das blaue Gummibärchen war etwas sehr Besonderes für mich. Es stach aus der Masse heraus – und fiel auf.

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In unserer Zeit wirkt es sehr altmodisch, Intimität als etwas zu bewahren, was der Ehe vorbehalten ist. Wo heute alle möglichen Formen von Sexualität verbreitet und akzeptiert werden, scheint es dagegen vollkommen ungewöhnlich, bewusst auf Sex zu verzichten. Doch es ist erstaunlich, wie sehr sich die Reaktionen auf das Thema mit dem Alter verändern. Während es in den Teenagerjahren eher lächerlich gemacht wurde, verstehen junge Menschen Anfang 20 die Beweggründe dazu schon besser – trotz der Beteuerung, das könne man sich selbst keinesfalls vorstellen („Ey, krass! Das könnte ich ja nieee.“).

Oft sind es gerade Leute, die dem Glauben fernstehen oder selbst schmerzhafte Erfahrungen mit Intimität gemacht haben, die sich nun offen zeigen und ihren Respekt über eine solche Lebensweise äußern. Sicherlich fällt es schwerer, bis zur Ehe zu warten, ohne gläubig zu sein. In Momenten des Zweifels steht schließlich immer ein Gott über uns, dem wir vertrauen – dass er uns nicht einfach den Spaß verderben will, sondern das Beste für uns im Sinn hat.

Wie ein Exot?

Doch in den entscheidenden Momenten zu seiner Überzeugung zu stehen, ist oft viel schwieriger als gedacht, besonders wenn Emotionen ins Spiel kommen. Vorher schien alles so klar – und plötzlich hat man eine Beziehung und wird verunsichert. Vielleicht überschreitet man nach und nach Grenzen, die man sich gesetzt hatte, oder denkt, man müsse mehr von sich geben, um geliebt zu sein. Gerade aufgrund dessen sollte das Thema in der katholischen Kirche wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Selten sprechen Pfarrer oder andere kirchliche Leiter offen darüber, es sei denn, man hat eine starke Jugendarbeit vor Ort. Dabei ist es genau diese Ermutigung von außen, die einen in wackeligen Momenten trägt – und die Sicherheit, nicht alleine dazustehen, die einem Freude und Mut gibt, den eigenen Weg zu gehen. Besonders für junge Christen ist der Austausch mit anderen jungen Christen entscheidend. Wenn man merkt, dass es da Gleichaltrige gibt, die ähnlich denken, fällt es schon viel leichter, sich nicht allzu sehr wie das blaue Gummibärchen zu fühlen – also wie ein völlig weltfremder Exot.

Ich erinnere mich an einen Workshop mit einem jung verheirateten Paar, das von seinen Erfahrungen und Erlebnissen erzählte, offen über das Thema sprach und alle Fragen authentisch beantwortete – ohne moralischen Zeigefinger, sondern mit tief empfundener Überzeugung, dass die Theologie des Leibes keine trockene Theorie ist, sondern Ausdruck einer göttlichen Idee: dass Sexualität etwas Heiliges ist, das für den Bund der Ehe bestimmt ist. In den verschiedenen Lebensphasen – ob als Single oder in einer Beziehung – ist es deshalb unglaublich wertvoll, Freunde oder Familie an seiner Seite zu haben, die einen bestärken und ein offenes Ohr haben. Bei Jungen ist der Gruppendruck oft sehr hoch, bei Mädchen vielleicht die Unsicherheit oder Suche nach Bestätigung. In Kirchen offener über das Thema zu sprechen und von jungen Pärchen und frisch Verheirateten Ermutigung zu bekommen, kann von unschätzbarem Wert sein – zum Beispiel für ein junges Mädchen, das ihren ersten Freund hat, oder für einen Jungen, der sich fragt, ob er wohl cool genug ist.

Für den Fall, dass genau Du heute eine Ermutigung brauchst: Unsere Körper können Geschichten von Liebe erzählen. Es ist wunderschön, dieses einzigartige Geschenk in der Ehe zu teilen – getragen von Vertrauen, Treue und der Entscheidung, gemeinsam durchs Leben zu gehen!

Die Autorin studiert Strategisches Management und Innovation in Innsbruck.

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