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Keusch leben – wie macht man das?

Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben. Das Ziel immer im Auge behalten: Die ungeteilte Liebe zu einem Menschen.
Schild Wanderweg
Foto: Imago/ STEINSIEK.CH | Ein anderer Weg als der Mainstream: Für Christen kann Keuschheit Teil der Vorbereitung auf eine tragfähige Beziehung sein.

Vor ungefähr einem Jahr erkannte ich, was tief in meinem Herzen schon immer angelegt war. Es kam in mir eine starke Stimme zu Wort, die mir riet, doch bis zur Ehe zu warten. Plötzlich erkannte ich Keuschheit und die Tatsache, dass ich bis dato noch nie bei einer Frau gelegen habe als ein wunderbares Gut an, welches mir Gott zum Geschenk machte. Doch was bedeutet es, keusch zu leben und warum lohnt es sich trotz aller Widrigkeiten, bis zur Ehe zu warten?

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Die heutige Gesellschaft macht es einem nicht gerade leicht. Treue in der Liebe und die Bindung an einen Menschen scheinen aus der Mode gekommen zu sein. Unverbindlichkeit und persönliche „Freiheit“ stehen gesellschaftlich im Vordergrund. Diese Ideologie ging auch an uns Jugendlichen nicht spurlos vorüber. Man prahlte mit seinen Eroberungen und ich muss zugeben, dass auch ich mich teilweise vom Strom mitreißen ließ. Vieles davon war jedoch erstunken und erlogen und auch mir ist die ein oder andere Unwahrheit über die Lippen gekommen. Jungfräulichkeit war nicht en vogue. Dennoch war in mir immer eine natürliche Bremse eingebaut, die den Schritt über das sogenannte „Schmusen“ hinaus nicht zuließ. Vielleicht wollte Gott mich vor etwas bewahren, das ich nicht hätte tragen können.

Was ist jedoch keusche Liebe und warum soll ein Christ keusch leben? Keuschheit spricht dem Menschen sein erotisches Begehren nicht ab. Der Mensch ist ein erotisches Wesen und romantische Gefühle sowie Schmetterlinge im Bauch, die ein Mann beim Anblick seiner Angebeteten – und umgekehrt – verspürt, gehören zu den natürlichsten und schönsten Erfahrungen dieser Welt. Doch der Mensch soll nicht zum Spielball seiner Triebe werden. Mir gefällt die Analogie aus dem Youcat: So wie zu Bier Hopfen, Malz und Wasser gehören, so gehören sexuelles Begehren, persönliche Liebeslyrik und die Offenheit für reichlichen Kindersegen ungetrennt zusammen (YC 404). Getrennt voneinander verliert alles seinen Sinn. „Keusch handelt ein Mensch dann, wenn sein körperliches Tun Ausdruck verlässlicher und treuer Liebe ist“ (KKK Nr. 2238).

Doch wie schafft man es, keusch zu leben und bis zur Ehe zu warten? Maria von Ebner-Eschenbach sagte „Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.“ Keuschheit ist eng mit alltäglicher Selbstdisziplin verbunden. Das gilt nicht nur für die Beziehung zu anderen Menschen, sondern auch für die Beziehung zu sich selbst. Besonders hilfreich ist es, Versuchungen, die der Alltag zuhauf mit sich bringt, bewusst aus dem Weg zu gehen und Gott um Hilfe und Gnade zu bitten. Ich kann mich glücklich schätzen, dass mir mein Elternhaus bewusst einen anderen Weg vorlebte als den gesellschaftlich vorgezeichneten. Meine Mutter pflegte immer zu sagen, dass man mit niemandem schläft, den man nicht wirklich liebt. Auch ist ein gesunder Umgang mit dem anderen Geschlecht notwendig.

Keusch leben bedeutet nicht, sich in eine Höhle zurückzuziehen und bei der Begegnung mit einer Frau oder einem Mann zur Salzsäule zu erstarren. Fühl dich in der Gegenwart des anderen wohl. Dabei hilft es, sich in ungezwungener Atmosphäre gegenseitig näher kennenzulernen. Der Besuch einer Diskothek erscheint hierbei nicht empfehlenswert. Für mich bietet vielmehr das gemeinsame Tanzen einen solchen geschützten Raum. Bei klassischem Tanz lernt man, aufeinander Acht zu geben und einander zu vertrauen.

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Vor allem aber: Habe dein Ziel vor Augen, auch wenn der Weg dorthin felsig ist. Das Ziel ist die ungeteilte Liebe zu einem Menschen – eine Liebe, die trägt und nicht klammert. Auf eine solche Liebe darf jeder hoffen und sein Bestes dazu beitragen. Letztlich liegt es jedoch, wie alles Wesentliche im Leben, in Gottes Hand, ob man die Eine oder den Einen fürs Leben findet. Doch um es mit den Worten eines jungen Studenten zu sagen: „Ich weiß noch nicht, wen ich mal heirate. Aber ich will meine künftige Frau nicht heute schon betrügen“ (YC 404).


Der Autor kommt aus Österreich und studiert Wirtschaftsrecht und Geschichte an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.

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