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Die Aktivismus-Falle

Das religiöse Angebot für Katholiken ist groß. Doch wer überall mit dabei sein will, läuft Gefahr, den Blick für das Wesentliche zu verlieren.
Katholisches Programm
Foto: I.Česonė | Macht uns das Überangebot an katholischem Programm – hier der Weltkongress der Barmherzigkeit in Vilnius – heiliger oder füllt es nur unseren Terminkalender?

Als katholischer Christ kann man ganz schön viel zu tun haben. Neben den klassischen Festtagen im Kirchenjahr wäre da einmal das Engagement in der eigenen Gemeinde: Gremien, Mithilfe bei der Gestaltung von Gottesdiensten, Gebets- und Bibelgruppen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Hinzu kommen mehr und mehr überregionale Veranstaltungen, die von besseren medialen Vernetzungsmöglichkeiten und zurückgehenden Angeboten vor Ort profitieren. Kongresse, Seminare und Glaubensfestivals erfreuen sich großer Beliebtheit. In den warmen Monaten kommen natürlich noch Wallfahrten hinzu. Was aber macht dieses Angebot mit uns? Es drängt sich eine Frage auf: Werden wir durch so ein umfangreiches Programm heiliger oder füllen wir einfach nur unseren Terminkalender?

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Zunächst einmal sind Engagement und Veranstaltungen immer mit einer gewissen Erwartungshaltung verbunden. Persönlich habe ich häufiger die Erfahrung gemacht, dass Angebote hinter meiner Erwartung zurückblieben: Vorträge brachten wenig Neues, Begegnungen blieben zumeist oberflächlich. Es gilt entsprechend, die eigene Erwartung an das jeweilige Event anzupassen. Für mich war es zuletzt hilfreich, erst einmal weniger zu erwarten und dann vielleicht sogar positiv überrascht zu werden. Planen kann man Glaubenserfahrungen ohnehin nicht. Gottes Geist richtet sich nicht nach unserem Terminkalender.

Für Engagement in der eigenen Gemeinde gilt wohl das gleiche. Wer denkt, er könne das Gemeindeleben alleine und in kurzer Zeit „verbessern“, wird nur enttäuscht werden. Schnell tappt man in die Aktivismus-Falle und müht sich unnötigerweise ab. Das Resultat: keine oder kaum Veränderung des Gemeindelebens und eigene Erschöpfung. Man denke an Martha, die sich mit allerlei Dingen abmüht, obwohl Christus zu Besuch ist (vgl. Lk 10,38-42).

„Mehr” ist nicht unbedingt „mehr”

Neben der eigenen Erwartungshaltung ist auch die Quantität zu beachten. Wie viel kann ich mir zumuten? Wann nimmt eventuell sogar mein eigenes geistliches Leben Schaden? Im Glaubensleben ist „mehr“ nämlich nicht unbedingt „mehr“. Kirche sollte nicht zum Konsumangebot und der Glaubende nicht zum Konsumenten werden. Nimmt man nur an wenigen ausgewählten Veranstaltungen teil und bringt man sich in nur einem oder zwei Bereichen vor Ort ein, lassen sich diese Dinge viel bewusster erleben. Außerdem kann man auf diese Weise eine gewisse Struktur schaffen, die für das Glaubensleben so wichtig ist. Das eigene Leben verbessert sich am nachhaltigsten in kleinen beständigen Schritten und nicht durch punktuelle große „Highlights“.

Bei allem spielen die eigenen Pflichten eine zentrale Rolle. Ist mein Engagement überhaupt mit meiner Lebenssituation vereinbar? Vernachlässige ich unter Umständen sogar meine Verantwortungen, wenn ich eine Veranstaltung besuche oder mich auf eine Pilgerreise begebe? Hier ist die Unterscheidung gefragt. Dem Widersacher ist es vermutlich eine besondere „Freude“, den Christen durch religiöses Angebot von seinem Weg abzubringen und von seiner Pflichterfüllung fernzuhalten. Entsprechend genau sollte man prüfen, was in den eigenen Terminkalender kommt und worauf man verzichten sollte. Bei allem Engagement und allen Möglichkeiten der katholischen Lebensgestaltung sollten die eigenen Pflichten und das eigene spirituelle Leben priorisiert werden. Das heißt natürlich nicht, dass man sich alles verbieten muss. Begegnungen im Glauben und Einsatz für die eigene Gemeinde sind wichtig und bereichernd. Wie bei allen Themen im Glaubensleben geht es um Maßhaltung. Es geht darum, für sich persönlich den goldenen Mittelweg zu finden und aktiv den eigenen Glauben zu leben, ohne dabei der Versuchung des Aktivismus zu verfallen.

Der Autor hat Altertumswissenschaften studiert und betreibt mit seiner Frau einen Online-Shop.

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