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Gott stützt uns in Drucksituationen

Anstrengen muss man sich natürlich alleine. Aber in Prüfungssituationen sorgt ein Gebet für Ruhe und Klarheit.
Abitur-Prüfung
Foto: Imago/OlafZiegler | Neben der Anspannung wächst in Prüfungssituationen noch etwas anderes. Es ist schwer zu beschreiben, aber am ehesten würde ich es als eine Art stilles Gottvertrauen bezeichnen.

Die Stifte knistern, leise und doch durchdringend. Ich kenne dieses Geräusch gut – es begleitet mich jedes Mal, wenn ich in einem Klassenraum sitze und eine Prüfung beginnt. Die Luft wirkt dichter als sonst, jede Bewegung scheint bedeutungsvoller. Mit dem ersten Blick auf das Prüfungsblatt steigt die Aufregung, der Herzschlag beschleunigt sich, und für einen Moment fühlt sich alles gleichzeitig ganz klar und völlig überwältigend an. In solchen Situationen habe ich bei mir selbst, aber auch im Gespräch mit Kommilitonen und Freunden, etwas Interessantes beobachtet: Neben der Anspannung wächst oft noch etwas anderes. Es ist schwer zu beschreiben, aber am ehesten würde ich es als eine Art stilles Gottvertrauen bezeichnen.

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Gerade in Prüfungsphasen, wenn der Druck besonders groß ist, wird der Glaube für viele plötzlich konkreter. Mir fällt immer wieder auf, dass Gespräche vor Prüfungen nicht nur ums Lernen kreisen. Natürlich geht es darum, wer wie viel vorbereitet hat oder welche Themen drankommen könnten. Aber genauso erzählen mir Freunde, dass sie vor der Prüfung kurz innehalten, ein Gebet sprechen oder zumindest einen Moment der Ruhe suchen. Eine Kommilitonin hat mir einmal gesagt, dass sie sich angewöhnt hat, direkt vor Beginn der Klausur die Augen zu schließen und Gott um Klarheit und Ruhe zu bitten. Ein anderer Freund formulierte es ganz schlicht: „Ich habe gelernt, was ich konnte – den Rest lege ich in Gottes Hand.“

Auch bei mir selbst ist dieses Verhalten mit der Zeit gewachsen. Früher war eine Prüfung für mich vor allem eine Frage von Leistung: Habe ich genug gelernt? Werde ich bestehen? Heute erlebe ich diese Situationen etwas anders. Ich versuche, mein Bestes zu geben – aber ich weiß auch, dass nicht alles allein in meiner Kontrolle liegt. Gerade dieser Gedanke nimmt mir oft einen Teil der Angst. Ein kurzes Gebet vor der Prüfung hilft mir, mich zu sammeln und innerlich ruhiger zu werden. Interessant ist, dass viele aus meinem Umfeld ganz unterschiedliche Zugänge dazu haben. Manche beten frei, andere greifen auf feste Gebete zurück. Wieder andere richten einfach einen stillen Gedanken nach oben. Es geht dabei weniger um eine perfekte Formulierung als um die Haltung dahinter: das Vertrauen, nicht allein durch diese Situation gehen zu müssen.

Heiliger Josef von Copertino hilft

In Gesprächen ist außerdem immer wieder das Thema der Heiligen aufgekommen. Ich selbst habe beispielsweise den heiligen Josef von Copertino für mich entdeckt, der als Schutzpatron der Prüflinge gilt. Ein Freund von mir orientiert sich eher an Thomas von Aquin, weil er ihn mit Klarheit im Denken verbindet. Eine Freundin wiederum hat mir erzählt, dass sie sich besonders von Johannes Berchmans angesprochen fühlt. Diese unterschiedlichen Bezugspunkte zeigen, wie persönlich der Glaube auch in solchen Momenten wird. Was mich dabei besonders beeindruckt: Dieses Vertrauen ersetzt nicht die eigene Anstrengung – und das betonen eigentlich alle, mit denen ich gesprochen habe. Lernen bleibt wichtig, Disziplin auch. Aber das Gebet kommt gewissermaßen dazu. Es schafft einen Moment der Ordnung im Kopf, gerade wenn alles durcheinanderzugehen droht.

Für mich fühlt es sich manchmal an wie ein innerer Schritt zurück, um wieder klarer sehen zu können. Wenn ich heute auf Prüfungen blicke, dann sehe ich sie nicht mehr nur als Leistungssituationen. Sie sind auch Momente, in denen sich zeigt, worauf ich mich innerlich stütze. Und ich habe den Eindruck, dass ich mit dieser Erfahrung nicht allein bin. Viele in meinem Umfeld entdecken gerade in diesen herausfordernden Phasen ihren Glauben neu – oder zumindest intensiver als zuvor.

Vielleicht liegt genau darin etwas Wertvolles: dass ausgerechnet in Momenten des Drucks nicht nur Stress wächst, sondern auch Vertrauen. Ein Vertrauen, das nicht alle Unsicherheit verschwinden lässt, aber ihr etwas entgegensetzt. Und manchmal reicht genau das, um eine Prüfung nicht nur zu bestehen, sondern auch anders durch sie hindurchzugehen.

Der Autor ist 20 Jahre alt und arbeitet als Medizinischer Fachangestellter. Er engagiert sich im Pfarrgemeinderat in Jossgrund. 

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