Credo

Ist das Synodalpräsidium nackt?

Vom nackten Kaiser, der seine PR-Abteilung damit beauftragte, auch dem Letzten klarzumachen, dass er lediglich neue Kleider trägt, was nur für rückständige Traditionalisten wie Nacktheit aussieht.
Stetter-Karp und Bischof Bätzing bei der dritten Synodalversammlung
Foto: Sebastian Gollnow (dpa)

Nachdem der Heilige Stuhl kürzlich eine Erklärung veröffentlichte, haben selbst säkulare Medien das römische Schreiben als das eingeordnet, was es nun einmal ist: Eine schallende Ohrfeige für den „Synodalen Weg“ in Deutschland. Mittlerweile scheint es, als hätten sich die berufsmäßigen Vertreter des deutschen Gremienkatholizismus nach dieser Watschn so langsam wieder gefangen, sodass über einschlägige Presseorgane bereits die ersten Umdeutungsversuche gestreut werden können. Der Chefredakteur eines kirchlich alimentierten Medienunternehmens aus Köln ließ in einem Video seiner Wut freien Lauf und behauptete, das offensichtlich vom Heiligen Stuhl stammende Schreiben sei „nicht namentlich“ unterzeichnet und gehöre deshalb „ab in Tonne“.

„Der Kaiser ist nackt!“

Doch auch die Presseerklärung des Präsidium des „Synodalen Weges“ – bestehend aus ZdK-Präsidentin Stetter-Karp sowie dem Limburger Bischof Bätzing – lässt aufhorchen. Darüber wollte ich eigentlich etwas schreiben, aber weil andere dies bereits getan haben, lass ich das sein und möchte Sie, liebe Leser, stattdessen einladen, mit mir auf eine Traumreise zu gehen. Stellen Sie sich vor, in einem weit entfernten Land gäbe es einen Kaiser, der beschließt, seine üblichen Klamotten abzulegen. Findige Berater hatten ihm „unsichtbare Kleider“ aufgeschwätzt und in dem Glauben, er trüge diese nun, stolziert der Kaiser splitterfasernackt durch die Straßen. Bis auf einmal jemand einen Schrei loslässt, der für alle hörbar ist: „Der Kaiser ist nackt!“

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Man stelle sich nun vor, der Kaiser verfüge über eine finanziell hervorragend ausgestattete Presseabteilung. Jeder hatte den Zwischenruf mitbekommen, Unruhe macht sich breit. Das Paradoxe ist: Der Kaiser ist zwar nackt, will aber nicht nackt sein. Im Gegenteil, für ihn ist alleine schon die Vorstellung eine Beleidigung, er würde nackt herumlaufen. Um nicht als grausamer, autoritärer Herrscher zu wirken, bittet er seine PR-Abteilung, nicht zu harsch mit dem Zwischenrufer umzugehen, sondern ihn erst einmal zu „würdigen“. Danach soll seine Aussage aber nach und nach widerlegt werden, damit auch der letzte kapiert, dass der Kaiser keineswegs nackt ist, sondern lediglich neue, moderne Kleider trägt, die nur für einen rückständigen Traditionalisten wie Nacktheit aussieht.

Es wird keinen nackten Kaiser geben

„Wir begrüßen, dass der Zwischenrufer noch einmal hervorhebt, wozu wir uns bereits früh verpflichtet haben“, beginnt das Statement des nackten Kaisers schließlich. Und weiter: „Wir werden nicht müde zu betonen, dass es keinen nackten Kaiser geben wird. Dennoch sehen wir es als unsere Pflicht an, klar zu benennen, wo aus unserer Sicht Änderungen notwendig sind. Dabei spüren wir bereits jetzt, dass die von uns benannten Probleme und Fragen weltweit ähnlich sind.“ Es folgte ein längerer Absatz, in dem Vorwände vorgebracht werden, warum der Kaiser überhaupt seine Klamotten wechseln musste, um von der Welt endlich anerkannt und geliebt zu werden.

Dann schwenkt die Presseabteilung des Kaisers um und wird etwas feindselig. Man bemühe sich schon lange um einen direkten Austausch mit dem Zwischenrufer, sei bisher aber nicht zu einem Gespräch eingeladen worden. „Dass diese direkte Kommunikation bislang nicht stattfindet, bedauern wir irritiert“, lässt der Kaiser mitteilen und fügt hinzu: „Es zeugt von keinem guten Stil der Kommunikation, wenn nicht namentlich gezeichnete Erklärungen veröffentlicht werden.“ Großmütig schließt er mit der Absicht, er wolle das „Anliegen des Zwischenrufers“ aufgreifen und hoffe auf ein Gespräch. Und damit, lieber Leser, endet diese Traumreise. Willkommen in der Realität!

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