Erzbistum München

Vorwürfe: Papst-Biograf Seewald verteidigt Benedikt

Es gebe keinerlei Beleg dafür, dass Ratzinger in den Fall des Missbrauchspriesters H. involviert sei, so der Publizist Peter Seewald.
Papst-Biograf Seewald verteidigt Benedikt
Foto: Sung-Hee Seewald | Im ARD-Morgenmagazin erklärte Seewald, „es gibt keinerlei Beleg dafür, dass Ratzinger in diesen Fall involviert ist“. Das Gutachten, das heute in München vorgestellt wird, werde dies auch bestätigen, so der Publizist.

Der Papst-Biograf Peter Seewald hat den emeritierten Papst Benedikt XVI. gegen Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall des Essener Priesters H. verteidigt. Im ARD-Morgenmagazin erklärte Seewald, „es gibt keinerlei Beleg dafür, dass Ratzinger in diesen Fall involviert ist“. Das Gutachten, das heute in München vorgestellt wird, werde dies auch bestätigen, so der Publizist.

Seewald: Ratzinger wusste nicht, um wen es sich handelt

H. verging sich in seiner Zeit als Geistlicher an Minderjährigen an mindestens vier Orten in Nordrhein-Westfalen und Oberbayern. Anfang der 1980er Jahre kam H. nach München, um dort eine Therapie zu absolvieren. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits durch Übergriffe auffällig geworden. Eine Anzeige wurde von kirchlicher Seite nicht erstattet, auch wurde kein Strafverfahren eingeleitet. Ab 1982 arbeitete H. wieder als Seelsorger, 2010 zog ihn der Essener Bischof Overbeck 2010 nach abermaligen Vorwürfen aus dem Verkehr.

Es habe damals eine Anfrage aus dem Erzbistum Essen gegeben, so Seewald, ob man Pfarrer H. auf eine begrenzte Zeit zur Therapie nach München schicken könne. Die Hintergründe seien nicht erörtert worden. An der Sitzung, in der dies beschlossen worden war, sei der damalige Erzbischof Ratzinger nicht beteiligt gewesen, betonte Seewald. Zwar habe Ratzinger, der damals Erzbischof von München war, nicht nachgefragt, warum H. in das Erzbistum versetzt wurde. „Ich weiß nicht, wieviele Vorgänge es gibt in so einem Erzbistum mit über einer Million Katholiken“, betonte Seewald. Zweifellos habe er nicht gewusst, um wen es sich bei dieser Person handelt.

Beteiligung Ratzingers wird "herbeigeschrieben"

Benedikt habe eine Kopie dieses Beschlusses zu H.s Versetzung bekommen, er habe aber nicht genau nachgefragt, was dahinter stecke, so Seewald weiter. Man müsse auch berücksichtigen, dass vor 40 Jahren mit derartigen Fällen „leider ganz anders umgegangen worden ist als heute. „Eine Beteiligung Ratzingers, die jetzt herbeigeschrieben wird, gibt es in dem Fall nicht.“ Zu dem Zeitpunkt, als der Priester dann wieder eingesetzt worden war, sei Ratzinger längst nicht mehr in München gewesen.  DT/mlu

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