Kommentar um "5 vor 12"

Exerzitien statt Köpferollen

Kardinal Woelki geht in eine Auszeit. Der Papst stellt klar: Auch Hirten dürfen Fehler machen, ohne gleich befürchten zu müssen, vom Acker gejagt zu werden.
Kardinal Woelki und Weihbischof Schwaderlapp
Foto: Arne Dedert (dpa) | Vier Monate Auszeit und ein Jahr Afrika. Der Papst verordnet beiden Bischöfen eine Zeit der Besinnung und öffnet den Weg für einen Neuanfang.

Papst Franziskus will den Fall Köln im Stil eines strengen jesuitischen Exerzitienmeisters abschließen. Vier Monate Einkehrzeit für Kardinal Rainer Maria Woelki sind kein Spaziergang, aber auch keine Sackgasse. Der Vatikan stellt klar, dass Woelki nicht vertuscht hat. Der Papst lässt, anders als die Drahtzieher der Kampagne gegen Woelki angestrebt hatten, keine Köpfe rollen, sondern will auch auf die Weihbischöfe Puff und Schwaderlapp in Zukunft nicht verzichten. Nun steht das turbulente Erzbistum vor einer Besinnungspause. 

Bischofsamt neu denken

Diese Entscheidung dürfte das Bild vieler Katholiken vom Bischofsamt durchaus beeinflussen, und bremst im günstigsten Fall den Eifer mancher Gremien, die lauthals den Kopf des Bischofs fordern, wenn im Bistum nicht alles rundläuft. Der Papst stellt klar, dass auch Hirten Fehler machen dürfen, ohne gleich befürchten zu müssen, vom Acker gejagt zu werden.

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Die öffentliche Hysterie um Rücktrittsforderungen an Bischöfe – im Fall Köln wurde sie medial massiv befördert – erhält nun einen Dämpfer. Fehlbare Amtsträger unter öffentlichem Druck durch ebenso fehlbare Nachfolger zu ersetzen liefe auf ein politisches Nullsummenspiel hinaus, auf das sich Papst Franziskus aus guten Gründen nicht einlässt. 

Umgekehrt macht die Entscheidung deutlich, wie ernst der Papst die Position der Missbrauchsopfer nimmt. Der Sprecher des Kölner Betroffenenbeirats hat immer wieder vor der Flucht aus der Verantwortung gewarnt. Papst Franziskus verweigert die ihm von manchen zugedachte Rolle als Fluchthelfer vor unangenehmen bischöflichen Aufgaben. Das Prinzip Verschiebebahnhof taugt nicht als Zukunftsmodell für eine Kirche, die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will. Hirten, die das Handtuch werfen und sich finanziell abgesichert zurücklehnen, hinterlassen ihrem Nachfolger die undankbare Pflicht, aufzuräumen, aber keinen Vertrauensvorschuss. In diesem Sinn ist der Fall Köln durchaus ein Lehrstück für jene deutschen Bistümer, die in der Aufarbeitung sexueller Missbrauchsaufarbeitung noch eine weite Wegstrecke vor sich haben.

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