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Fehlender Glaube und soziale Kälte hängen zusammen

Wenn nicht mehr der Glaube, sondern nur noch die Werke für die Kirchenbindung zählen, werden Sparzwänge die Menschen noch stärker aus der Kirche drängen.
Caritas ist niemals ein Selbstzweck
Foto: falco / Pixabay | Die Caritas - das sind Werke aus Nächstenliebe, die aus der Liebe zu Christus heraus geschehen. Caritas ist niemals ein Selbstzweck.

Wenn Sozialforscher erst einmal mit einer Untersuchung der Kirche und ihrer Mitgliederstruktur loslegen, dann bleibt kein Auge trocken. Bittere Tränen weinen kann man vor allem über zwei Zahlen aus der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD, an der erstmals auch die Deutsche Bischofskonferenz beteiligt war. Nur 19 Prozent der Deutschen glauben an Gott, wie er sich in der Bibel den Menschen offenbart hat. Dezidiert gefragt war nach „einem Gott, der sich in Jesus Christus zu erkennen gibt“. In einem Land, in dem der christliche Religionsunterricht sogar Verfassungsrang hat, muss diese Zahl ein Alarmsignal für alle Kirchenvertreter sein. 

Geringe Bindung an die Kirche

Nicht weniger alarmierend ist eine andere Zahl. Nur 27 Prozent der Katholiken in Deutschland kann sich vorstellen, garantiert nicht aus der Kirche auszutreten. Im Umkehrschluss haben mehr als zwei Drittel der Katholiken die Ausgangstür aus der Kirche mehr oder weniger fest im Blick.

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Nun wird man schwerlich mit den Mitteln der Sozialforschung diese beiden Zahlen miteinander in eine direkte Korrelation bringen können. Dennoch fällt die Nähe der beiden Zahlen zueinander auf. Es fällt ferner auf, dass laut eben jener Studie die größte Kirchenbindung in unserer Zeit nicht durch den Glauben, sondern durch die Sozialwerke der Kirche geschieht.

Sie tun viel Gutes

So darf man ohne weiteres auch bei den oben genannten 27 Prozent treuen Katholiken nicht annehmen, dass deren fester Glaube sie primär an die Kirche bindet, sondern der Umstand, dass die Kirche „so viel Gutes tut“ viel wesentlicher sein dürfte. Der Logikbruch, dass die Werke der Nächstenliebe (das und nichts anderes ist die Caritas) um Christi Willen und allein um dessen Forderung den Nächsten zu lieben geschehen, wird erst dann auffallen, wenn die Kirche ihre guten Werke einstellen muss. Das wird geschehen, weil ihr nicht nur das Geld, sondern auch die Gläubigen fehlen, die sich für kein oder wenig Geld aus Liebe zu Christus für den Nächsten einsetzen wollen. 

Auch wenn es im Wesen einer Sozialstudie liegt, nur an der Oberfläche kratzen zu können, legt sie hier Wesentliches offen: Menschen, die mehrheitlich nicht mehr an den Gott und Vater Jesu glauben, werden auf Dauer seine Werke nicht mehr tun wollen. Wenn also nur noch jeder fünfte Deutsche an Jesus Christus glaubt, dann wird sich die soziale Temperatur in diesem Land sehr bald noch weit stärker abkühlen, als wir es jetzt schon sehen. 

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Peter Winnemöller Bibel Caritas Deutsche Bischofskonferenz Glaube Jesus Christus Katholikinnen und Katholiken

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