Kommentar um "5 vor 12"

Die Kirchensteuer muss weg

Nichts führt zu so einem rasanten Schwund wie diese Steuer. Die Verbindung von Geld und Kirchenzugehörigkeit ist in Deutschland einzigartig. Je eher das abgeschafft wird, umso besser für die Kirche.
Kirchensteuer muss weg
Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild) | Der Zusammenahng zwischen Geld und Kirchenzugehörigkeit ist ein deutsches Ärgernis, das beseitigt werden muss.

Je eher die Kirchensteuer abgeschafft wird, umso besser ist es für die Kirche. Denn erneut hat eine Umfrage ergeben, wie sehr die Kirchensteuer dazu führt, dass sich Menschen von der Kirche trennen. Einer Umfrage zu Folge wollen die meisten, die aus der katholischen Kirche austreten, die Institution Kirche nicht mehr finanziell unterstützen. Das ergab eine Erhebung des SWR, über die das Magazin "Report Mainz" berichtete. Der Umfrage zu Folge erfolge der Austritt in weit über 80 Prozent der Fälle nicht aus finanzieller Not. Für rund 90 Prozent der Befragten seien laut SWR die Missbrauchsfälle und der Umgang damit der Auslöser für ihren Kirchenaustritt. Eine Mehrheit der Ausgetretenen gab sogar an, sie könnten auch ohne die Kirche religiös sein.

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Austrittswelle befeuert

Da man in Deutschland nicht anders aus der leidigen Steuer herauskommt, als amtlich aus der Kirche auszutreten, treten oft auch die aus, die eigentlich glauben. Dass derzeit der sexuelle Missbrauch die aktuelle Austrittswelle befeuert, kann morgen schon wieder ganz anderes sein. Das Ärgernis liegt von Seiten der Gläubigen darin, nicht gezielt das kirchliche Projekt fördern zu können, das einem selbst am Herzen liegt. Das universelle Kirchenrecht sieht nämlich nur vor, dass die Gläubigen die Kirche auch finanziell nach ihren Möglichkeiten unterstützen. Zwar sorgt ein fiskalisches System tatsächlich für eine erträglich Abgabengerechtigkeit. Über die Verwendung bestimmen jedoch immer andere und es gibt so gut wie keine Partizipation der Kirchensteuerzahler. 

Boomer gehen in Rente

Waren wir in der Vergangenheit mit dem scheinbaren Paradoxon der steigenden Austrittszahlen bei gleichzeitig steigenden Kirchensteuereinnahmen konfrontiert, so dürfte es auf der Einnahmenseite jetzt zu einer Trendumkehr kommen. Bislang traten nur die aus, die keine oder wenig Kirchensteuer gezahlt haben. Wenn jetzt diejenigen anfangen auszutreten, die nennenswerte Kirchensteuerbeträge in ihrem Einkommensteuerbescheid hatten, dann beginnt es für die Bistümer schmerzhaft zu werden. Dieser Trend erhält durch den demografischen Wandel und den Renteneintritt der Babyboomer einen doppelten Turbo. Wenn die deutschen Bistümer an der Steuer festhalten, wird eintreten, was der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz gegenüber Monitor sagte, die Kirchen würden "nicht viel voller werden, wir werden kleiner werden". 

Ein ärgerliches Alleinstellungsmerkmal

Bei Abschaffung der Kirchensteuer gäbe es hingegen keinen Grund mehr, aus finanziellen Gründen aus der Kirche auszutreten. Man kann sein Geld auch einem Orden oder einem missionarischen Projekt geben. In keinem anderen Land der Welt wird ein Katholik als Apostat angesehen, wenn er sich weigert, Geld bei der bischöflichen Behörde abzudrücken. Das ist ein deutschkatholisches Alleinstellungsmerkmal, das immer mehr zum Ärgernis wird. Denn auch das ist klar, viele gläubige Katholiken sehen nicht ein, den von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken initiierten Weg ins Schisma auch noch mit ihren mühsam verdienten Euros zu finanzieren. 

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