Würzburg

Kirchensteuerstatistik: Sparen trotz voller Kassen

Die Einnahmen aus der Kirchensteuer sind 2020 weniger drastisch gesunken als zunächst befürchtet. Trotzdem gehen die Sparrunden in den Diözesen weiter. Vor allem Bildungshäuser und Schulen stehen im Fokus.
Geld und Kirche
Foto: Martin Wagner via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Die Kirchensteuereinnahmen von 2020 sind trotz der beiden coronabedingten Lockdowns im Jahr 2020 etwa auf dem Stand von 2017. Das geht aus den kürzlich von der deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Zahlen zur kirchlichen Statistik hervor. Seit einigen Jahren veröffentlicht die Deutsche Bischofskonferenz im Juli die Statistik der im Vorjahr verzeichneten Austritte, Kirchenbesucher, Sakramentenspendungen, Hochzeiten und Sterbefälle sowie kurz darauf die Statistik über die Einnahmen.

Die befürchteten Einbußungen sind nicht eingetreten 

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Zwar verzeichnen die Diözesen geringere Einnahmen aus Kollekten, Bildungshäusern und Museen, da Eucharistiefeiern und kulturelle Veranstaltungen ausfielen. Bei der Kirchensteuer waren zunächst drastische Einbußen befürchtet worden. Im April kursierten Schätzungen von zehn bis 15 Prozent. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen sprach im Mai 2020 sogar von bis zu zwanzig Prozent Einnahmeausfällen bei der Kirchensteuer. Das hat sich, wie jetzt nach Veröffentlichung der Kirchensteuerzahlen zu sehen ist, nicht bewahrheitet. Die Einnahmen der deutschen Diözesen aus der Kirchensteuer sind von 6,76 auf 6,45 Milliarden Euro gesunken. Der Einnahmeausfall beträgt 4,6 Prozent und bleibt damit deutlich unter den überzogenen Befürchtungen des Vorjahres. Der Grund für die geringeren Einbußen liegt in der Sozialstruktur der Kirchensteuerzahler.

Bis 2060 Rückgang der Kirchensteuer bis zu 50 Prozent

Fachleute wie der Finanzdirektor des Bistums Passau, Josef Sonnleitner, gehen nach Angaben der Passauer Neuen Presse davon aus, dass Kirchensteuerzahler zu den Gruppen gehören, die weniger von den Coronamaßnahmen betroffen waren. Der erwartete Rückgang der Kirchensteuer wurde im Jahr 2020 zunächst einmal erheblich beschleunigt. Die Finanzkraft der Bistümer werde, so die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Arbeitshilfe "Zahlen und Fakten 2020/21", bis zum Jahr 2060 erheblich zurückgehen. Eine im Auftrag der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie von Bernd Raffelhüschen aus dem vergangenen Jahr rechnet für die Kirche insgesamt mit einem Rückgang der kaufkraftbereinigten Einnahmen von fünfzig Prozent bis zum Jahr 2060. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der nachlassenden Kirchenbindung. Mit dem Renteneintritt der sogenannten Babyboomer im Laufe der nächsten Jahre wird es zu spürbaren Rückgängen der Kirchensteuer kommen.

Trotz Austritte kein signifikanter Rückgang der Kirchensteuer

Ein erstaunliches Faktum bleibt auch 2020 erhalten. Die Austritte wirken sich auf die Kirchensteuer nicht aus. Diejenigen, die aus der Kirche austreten, zahlen keine, als Berufseinsteiger noch keine oder als Geringverdiener nur sehr wenig Kirchensteuer.
Durch die Coronamaßnahmen der Länder geben diese Zahlen für 2020 ein verzerrtes Bild wieder, welches auch 2021 nicht deutlicher wird. Das kirchliche Leben war unter den Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen zeitweise weitestgehend zum Erliegen gekommen. Langfristige Folgen daraus für die Entwicklung des kirchlichen Lebens in Deutschland sind derzeit nicht absehbar.

Über viele Jahre mussten immer wieder steigende Austrittszahlen verkündet werden, die vier Wochen später um erstaunlicherweise gleichfalls steigende Kirchensteuereinnahmen ergänzt wurden. Weniger Kirchenmitglieder zahlten mehr Steuern. Im Jahr 2020 brach der Trend. Es gingen sowohl die Einnahmen aus der Kirchensteuer als auch die Austritte zurück. Coronabedingt kann auch hier nicht von einem dauerhaften Trend ausgegangen werden.

Im Bistum Würzburg mussten 2020 vier Bildungshäuser schließen

In den Bistümern gingen die Einnahmen in unterschiedlichem Maße zurück. In Passau waren es beispielsweise 5,1 Prozent Einbußen, in Mainz 6,5 Prozent und in Hamburg mehr als zehn Prozent. Manche Bistümer haben ihre individuellen Zahlen noch nicht bekannt gegeben. Das Bistum Würzburg teilte auf Nachfrage mit, seine Zahlen zu Kirchensteuereinnahmen aus 2020 erst im 4. Quartal 2021 mit dem Jahresabschluss 2020 bekannt zu geben. In Würzburg fehlten bereits Anfang 2020 mehr als 12 Millionen Euro im Haushalt. Über die Schließung von vier Bildungshäusern war bereits im vergangenen Jahr entschieden worden. Weitere Sparmaßnahmen sind noch nicht bekannt. Man wartet auf den Jahresabschluss.

Im Bistum Mainz verweist der Sprecher auf Nachfrage zu den Folgen der Einbußen nur auf eine Pressemeldung zum Jahresabschluss 2020, der in Mainz schon vorliegt. Das Bistum Mainz machte ebenfalls bereits im vergangenen Jahr mit radikalen Sparmaßnahmen von sich reden. Für fünf kirchliche Schulen sollte die Trägerschaft aufgegeben werden. Ferner sollen drei Bildungshäuser geschlossen werden. Das Bistum schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im Jahr 2020 betrug der Fehlbetrag 6,4 Millionen Euro nach einem Minus 24,7 Millionen im Vorjahr. Wegen der Einbußen durch Corona wurde im Jahr 2020 eine Haushaltssperre verfügt.

Viele katholische Schulschließungen in Hamburg

Gleiches gilt für das Erzbistum Hamburg. Dort stehen fünf kirchliche Schulen vor der Schließung durch das Erzbistum. Radikale Einsparungen waren in Hamburg schon vor Corona geplant. Mehr als achtzig Prozent der Gebäude stehen bei der "Vermögens- und Immobilienreform" des Erzbistums auf dem Prüfstand. Das Ende der Einsparungen ist bei einem Rückgang der Einnahmen nicht zu erwarten. Der Bistumshaushalt müsse, so ein Sprecher des Bistums, kontinuierlich auf den erwarteten Rückgang der Kirchensteuermittel vorbereitet werden, ohne dabei den Handlungsspielraum zu verlieren. Das Erzbistum war Ende 2019 mit 94 Millionen Euro verschuldet.

Allen Bistümern gemeinsam ist die vorsichtige Zuversicht, dass die Einnahmen ab 2021 zunächst noch einmal steigen werden. So geht man beispielsweise in Hamburg davon aus, dass es zwar mehrere Jahre dauern wird, bis das Kirchensteuerniveau von 2019 wieder erreicht ist. Eine Steigerung wird allerdings noch einmal erwartet.

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