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Synodaler Ausschuss: Mitglieder antworten auf Rom-Brief 

Ärger, Tadel, Vorwürfe, Wünsche und Selbstkritik: Die Reaktionen fallen ähnlich und doch verschieden aus.
Reihen der Mitglieder der Synodalversammlung
Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert | Aus den Reihen der Mitglieder der Synodalversammlung wurden Personen für den Synodalen Ausschuss vorgeschlagen.

Nach der römischen Intervention gegen den Synodalen Ausschuss haben sich nun Mitglieder des Gremiums zu Wort gemeldet. Die am Donnerstag auf „katholisch.de“ veröffentlichten Reaktionen gehen dabei über Kritik an Rom und Enttäuschung über das erneute Stoppschild hinaus; auch Wünsche an die Bischöfe und Ermahnungen werden geäußert. Ein Ausschussmitglied empfiehlt Gelassenheit.

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Die ehemalige KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth ärgert sich über die römische Intervention. „Die Verweigerung von Reformen, die ausdrücklich innerhalb des Kirchenrechts stattfinden sollen“ mache sie fassungslos. Sie wirft der „Minderheit der deutschen Bischöfe“ vor, „in Rom Misstrauen gegen das deutsche Reformprojekt zu streuen“ und fragt, was so sicher mache, „dass nur ihnen Gottes Geist den Weg in die Zukunft weist, nicht aber der Mehrheit ihrer Amtsbrüder, die den Synodalen Weg gehen wollen".

Strukturelle Macht und falsche Loyalität

Auch Marcus Leitschuh, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) reagiert mit Unverständnis auf den römischen Brief. Er wirft dem Vatikan vor, „strukturelle Macht“ statt Inhalt im Blick zu haben. Er glaubt, „die Briefeschreiber aus Rom“ hätten weder Satzung noch Geschäftsordnung des Synodalen Rates gelesen. Es stehe nichts von dem darin, was Rom kritisiere. Die Rolle der Bischöfe solle gestärkt werden und das Lehramt unangetastet bleiben.

Andrea Heim, Bundesgeschäftsführerin der katholischen Erwachsenenbildung, kritisiert in diesem Zusammenhang die Loyalität der Bischöfe gegenüber Rom. Sie würde es vielmehr begrüßen, wenn sie sich gegenüber den vielen Menschen loyal zeigten, „die mit der Kirche hadern und sich Veränderungen wünschen“.

Kritik an bischöflichen Machtkämpfen

Manche beklagen die Machtkämpfe der Bischöfe. So etwa Christian Gärtner, Diözesanratsvorsitzender im Bistum Eichstätt. Der Weg solle – „auch nach dem Willen des Papstes – eigentlich ein synodaler, gemeinsamer Weg des Glaubens sein“. Auch Stefan Eschbach aus dem Diözesanrat des Erzbistums Freiburg erwartet von den deutschen Bischöfen einen synodalen Umgang miteinander.

Andere fordern, den Weg trotz römischer Verbote unbeirrt fortzusetzen. Mara Klein zum Beispiel erwartet von den deutschen Bischöfen, den Weg der „Selbstverpflichtung zum Dialog“ mutig weiterzugehen und „eine offenbar vorliegende verfälschte oder zumindest einseitige Sicht aus Rom zu korrigieren“. Auch die Gemeindereferentin Michaela Labudda aus Paderborn plädiert für  ein „mutiges Voranschreiten im Rahmen der Möglichkeiten, klare Worte und Konfrontation“.

Reformen umsetzen - auch ohne Ausschuss

ZdK-Vizepräsidentin Birgit Mock rechnet ohnehin damit, dass die deutschen Bischöfe an den Reformen festhalten werden, man habe sie schließlich „nicht leichtfertig gefällt“ und die systemischen Ursachen für sexualisierte Gewalt gehörten angegangen. Dazu gehörten auch Macht- und Entscheidungsstrukturen, ein weiteres Priesterbild sowie eine geschlechtergerechte Kirche.

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Der Professor für theologische Ethik, Andreas Lob-Hüdepohl, und die Benediktinerschwester Philippa Rath sehen das genauso. Lob-Hüdepohl kritisiert zwar, dass es noch immer keine Gespräche zwischen dem Vatikan und dem Synodalpräsidium gegebene habe — das sei eine „Schwäche des Vatikans im Vertrauen auf den Heiligen Geist“ —, aber die Themen des Synodalen Weges würden nicht allein vom Synodalen Rat abhängen. Man könne also „eine Pause beim Synodalen Ausschuss“ machen, den Philippa Rath ohnehin „massiv in Frage" gestellt sieht. Es müsse „schon ein kleines Wunder passieren“, dass Vatikan und deutsche Bischöfe bis Juni „eine Einigung in den strittigen Fragen erzielen“, so Rath.

Gelassen bleiben, Nerven behalten

Noch deutlicher rät Martina Kreidler-Kos, Leiterin der Seelsorge-Abteilung im Bistum Osnabrück, zu Gelassenheit und mahnt, die Nerven behalten und nicht auf Konfrontation zu setzen. Rom wolle zuerst Gespräche führen – das könne sie sogar verstehen, „hilfreich wäre nur, wenn es auch den Willen gäbe, diese Gespräche zeitnah und auf Augenhöhe zu führen“.

Ausschuss-Mitglied Thomas Arnold äußert deutliche Selbstkritik. Nach diesem weiteren Nein aus Rom könne man die Haltung Roms nicht länger schönreden, sondern müsse „endlich akzeptieren: Rom will die nächsten Schritte – noch – nicht“. Der Synodale Ausschusses hat für ihn keine rechtliche Grundlage. Es sei an der Zeit, „sich ehrlich zu machen und mit Rom und den Gegnern in Deutschland das Gespräch zu suchen".

Außerdem warnt er davor, „wie Schlafwandler in einen Bruch“ hineinzulaufen. Wörtlich sagte er weiter: „Vielleicht wäre es auch ein Zeichen aus Deutschland, von DBK und ZdK einen Ort des Denkens einzurichten, wie Evangelisierung in Deutschland gelingen kann.“  DT/dsc

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