Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Staat ohne Kirche

Ein Würzburger Studientag sieht das Christentum als verzichtbar an.
Horst Dreier, emeritierte Würzburger Jurist und Rechtsphilosoph
Foto: imago stock&people | Nüchterner Beobachter: Der emeritierte Würzburger Jurist und Rechtsphilosoph Horst Dreier.

Der Jurist und Rechtsphilosoph Horst Dreier sieht in der Kirche keine notwendige Stütze der Verfassungsordnung. Auf einem Studientag der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Würzburg sagte der emeritierte Jura-Professor, es ließe sich beobachten, dass demokratische Staaten auch in Gebieten mit wenigen Gläubigen funktionierten. Im Verhältnis von Staat und Religion gehe es in der kommenden Zeit zunächst darum, Konflikte zu bewältigen, die sich durch die wachsende religiöse Pluralität ergeben könnten.

Lesen Sie auch:

Toleranz und Respekt

Der Studientag hatte sich unter der Fragestellung „Braucht der Staat Religion?“ dem Verhältnis von Kirche und Staat in Deutschland gewidmet. Auch die Göttinger Politikwissenschaftlerin Tine Stein, Erstunterzeichnerin der „Frankfurter Erklärung für eine synodale Kirche“, sprach auf der Veranstaltung. Sie sah in Toleranz und Respekt, die Christen aufweisen sollten, demokratische Werte, die für den Staat eine Ressource sein könnten.

Hintergrund des Studientags waren die angesichts der schwindenden gesellschaftlichen Bedeutung der Kirchen andauernden Debatten um die Frage, ob die bestehenden Verflechtungen von Staat und Religionsgemeinschaften, wie sie etwa im konfessionellen Religionsunterricht oder im Einzug der Kirchensteuer durch den Staat bestehen, noch als zeitgemäß angesehen werden können. DT/jra

Zu welchen Ergebnissen die Referenten in der Frage der Sonderregelungen des kirchlichen Arbeitsrechts kamen und welche theologischen Argumente vorgebracht wurden, lesen Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Christen Demokratie Horst Dreier Julius-Maximilians-Universität Würzburg Kirchensteuer

Weitere Artikel

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock