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Per Mausklick ins WLAN-Kloster

Ein digitales Netzwerk breitet sich in Italien aus und verbindet Menschen virtuell. Gebet, Katechese und Eucharistie stehen im Mittelpunkt.
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Foto: © Matteo Carcano / IPA (imago stock&people) | Costanza Miriano gründetet das WLAN-Kloster.

Die COVID-Pandemie hat neue Evangelisierungsformate begünstigt beziehungsweise bereits bestehende verstärkt. Als die meisten Kirchen ab März 2020 geschlossen wurden, blieb die Möglichkeit einer Internet-Übertragung – sozusagen die christliche Antwort auf das „Home-Office“ in den meisten Unternehmen.

Mission mit Selbstironie

In Italien hat in der Pandemie-Zeit eine solche internetgestützte Neuevangelisierungs-Initiative einen großen Aufschwung erhalten. Allerdings bestand „Monastero Wi-Fi“ (zu Deutsch „WLAN-Kloster“) schon etwas länger. Angestoßen hatte es die vierfache Mutter und Journalistin Costanza Miriano. Auf ihrer eigenen Homepage stellt sich Miriano folgendermaßen vor: „Ich habe griechische und lateinische Literatur studiert, und arbeite zurzeit für das italienische öffentliche Fernsehen RAI. Außerdem verfasse ich Zeitungsartikel über Familie, Erziehung und Liebesbeziehungen. Ich arbeite mit dem Päpstlichen Rat für die Laien zusammen. Mein Blog hatte in zwei Jahren mehr als drei Millionen Kontakte.“

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Costanza Miriano wurde mit zwei Büchern über die Ehe bekannt: „Sposala e muori per lei – Uomini veri per donne senza paura“ („Heirate sie und stirb für sie – Echte Männer für furchtlose Frauen“, 2012) und „Sposati e sii sottomessa – Pratica estrema per donne senza paura“ („Heirate und sei unterwürfig – Extremes Training für furchtlose Frauen“, 2013), die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Darauf folgte 2018 ein Buch mit ebenfalls höchst ironischem Titel: „Si salvi chi vuole. Manuale di imperfezione spirituale“ („Rette sich, wer möchte. Handbuch der geistlichen Unvollkommenheit“), in dem sie sich als „mangelhafte Ehefrau, eingeschränkte Mutter, säumige Arbeiterin“ vorstellte. Mirianos Sprache ist gespickt mit selbstironischen Bemerkungen.

Drahtlose Treue

Inhaltlich ging es um die „fünf Pfeiler des christlichen Lebens“: Gebet, Wort Gottes, Beichte, Eucharistie, Fasten. Darin schrieb sie: „Viele Menschen versuchen bereits, nach dieser Regel in einer streng unvollkommenen Weise zu leben, einige allein, andere, indem sie eine kleine Gemeinschaft gründen, eine Art WLAN-Kloster, dem man sich mit Hingabe widmet: Man kann das Herz eines Mönchs haben, während man U-Bahn fährt oder kocht, einkauft oder läuft. Und in dem man sich, auch aus der Ferne, brüderlich begegnet. Eine WLAN-Gemeinschaft – eine drahtlose Treue, die ein kleines Heer von Bettlern, Heruntergekommenen, Zerbrechlichen, Unbeständigen in der Liebe zu Gott vereint.“

Digitaler Rosenkranz
Foto: IMAGO/Pascal Deloche / Godong (www.imago-images.de) |

Costanza Miriano wurde in etliche italienische Städte eingeladen, um über ihr Buch zu sprechen. Dadurch entstand ein Gebets-Netzwerk, für das sie den Begriff „WLAN-Kloster“ verwendete – allerdings sei der Name nicht ihre Erfindung: „Immer wenn ich zu einem Treffen  in Italien unterwegs war, versprach mir eine befreundete Ingenieurin ihr Gebet. Einmal sagte sie ,wir bleiben verbunden übers Kabel, oder besser gesagt übers WLAN‘.“ Sie habe sich diesen Ausdruck für die Freunde angeeignet, die sie auf diesen Reisen kennengelernt habe: „Es sind Freunde, denen man sein Herz öffnet, und so zählt die Entfernung wenig.“

„Die Wirklichkeit ist unser Kloster“

Irgendwann einmal kam auch der Gedanke, sich persönlich zu treffen, um gemeinsam zu beten. Das erste „Ordenskapitel“ fand am 19. Januar 2019 in der Lateranbasilika statt. Es kamen 2 000 Menschen.
Zwar wird die Ordenssprachregelung gebraucht – Kloster, Kapitel –, aber Miriano ist es bewusst, dass sich ihre Initiative an Menschen wendet, die „in tausend tägliche Aufgaben vertieft“ sind; anders ausgedrückt: „Die Wirklichkeit ist unser Kloster“.

In der beim ersten „Kapitel“ in der Lateranbasilika gehaltenen Homilie sprach Fabio Rosini, Direktor des Zentrums für Berufungspastoral der Diözese Rom, von einem „Mönchtum des Alltags“, um das „WLAN-Kloster“ zu kennzeichnen. Und Miriano ergänzte in einem Interview mit der Plattform „Aleteia“: „Ein klösterliches Herz zu haben bedeutet, nach Räumen zu suchen, um Gott im Alltag zu finden, Räume nur für ihn, aber auch Räume, um mit ihm zu leben, während man etwas anderes tut.“

Das geistliche Leben ernst nehmen

In diesem Zusammenhang erklärt Costanza Miriano, dass das „WLAN-Kloster“ im Grunde nichts anderes sei als „die Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, das heißt, derer, die versuchen, ihre Taufe ernst zu nehmen“. Deshalb gebe es keine Regeln für die Zugehörigkeit zum „WLAN-Kloster“ – „außer das geistliche Leben ernst zu nehmen“. Dazu zählt sie, „sich regelmäßig dem Gebet zu widmen“, und die Sakramente – die Eucharistie und das Bußsakrament – regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Wichtig sei ihr auch die Lehre zu vertiefen: „natürlich wird der Glaube immer durch die Intelligenz gestärkt, die ihn niemals behindert.“

Neben der Empfehlung, theologische und klassische geistliche Bücher zu lesen, spielt auch die Katechese bei den „Kapiteln“ eine wichtige Rolle. Beim ersten eintägigen Treffen am 19. Januar 2019 handelte die Katechese vom geistlichen Leben, von der „Notwendigkeit, das Herz eines Mönches in der Welt zu haben“. Die verschiedenen Katechesen wurden von einer Augustinerin (Fulvia Sieni), einem Oratorianer (Maurizio Botta) und einem Franziskaner (Emidio Alessandrini) gehalten.

Eine Flamme für den Alltag

Beim zweiten „Generalkapitel“ im Oktober 2019 stand in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern das Wort Gottes im Mittelpunkt der Katechese. Die dritte Versammlung fand am 2. Oktober 2021 bereits im Petersdom statt – hier wurde insbesondere über das Gebet in den verschiedenen Katechese-Einheiten gesprochen. Die Katechesen werden übers Internet übertragen, so auch beim jüngst stattgefundenen vierten „Generalkapitel“ am 24. September erneut im Petersdom. Abgesehen von der Heiligen Messe, dem Rosenkranzgebet und der eucharistischen Anbetung bestand das Treffen aus acht etwa halbstündigen katechetischen Vorträgen über „Die Ursünde“ und die Beichte, etwa auch „Was tut Gott, wenn wir ihm unsere Sünden überlassen?“

Neben den „Generalkapiteln“ treffen sich auch „lokale WLAN-Klöster“ in 15 weiteren italienischen Städten. Zwar könnten sie „in Form und Häufigkeit“ sehr unterschiedlich sein, so Costanza Miriano. Als „Merkmale“ aber müssten beachtet werden: „der Vorrang des Gebetes“, dazu komme die Anwesenheit eines Priesters. Der Geist wehe, wo er wolle, so dass die einen zur Katechese, die anderen zur Messe, zum Rosenkranzgebet oder zur Anbetung kommen mögen. „Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig Gesellschaft leisten und die Flamme zwischen den vom Generalkapitel entzündeten Feuern bewahren. Denn die Reise spielt sich im Alltag ab, der oft ein Weg in der Wüste ist, während das jährliche Treffen eine schöne grüne und frische Oase ist“ – so fasst Miriano das entstandene Netzwerk zusammen.

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