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Wie Sankt Martin die Kirche erneuerte

Mehr als eine Legende: Martin von Tours legte sein Schwert nieder und zeigte, wie Demut, Gebet und Nächstenliebe die Kirche aufblühen lassen und Orientierung geben können.
Heilier Martin von Tours
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Tolo (www.imago-images.de) | Der heilige Martin als Begründer des westlichen Mönchtums – einer Lebensform, die in den folgenden Jahrhunderten entscheidend zur Erneuerung der Kirche beitragen sollte.

Der heilige Martin ist einer der bekanntesten Heiligen der Christenheit – und zugleich einer der am meisten verharmlosten. Man verbindet ihn mit Laternen, Pferden und Mantelhälften. Doch damit wird er auf eine nette Kindergeschichte reduziert. Martin aber war weit mehr. Er war ein Mann, der sich entwaffnen ließ und die Kirche erneuerte, indem er sich auf Christus, sein Evangelium und das Gebet zurückbesann – und andere damit ansteckte.

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In vielerlei Hinsicht war Martin eine Lichtgestalt des ausgehenden 4. Jahrhunderts. Die Häresie des Arianismus war zwar weitgehend überwunden, aber die Kirche musste sich geistlich erst wieder erholen. Martin war ein Mann des Gebets, durch den viele Menschen zum Glauben fanden, und er wirkte zahlreiche Wunder. Vor allem aber gilt er als Begründer des westlichen Mönchtums – einer Lebensform, die in den folgenden Jahrhunderten entscheidend zur Erneuerung der Kirche und zur Entstehung neuer Ordensgemeinschaften beitragen sollte.

„Ich bin ein Soldat Christi"

Sein Weg begann im Verborgenen. Als Kind traf er sich heimlich mit Christen, um das Evangelium kennenzulernen. Sein Vater war heidnischer Soldat. Es war dessen Wunsch, dass sein Sohn in seine Fußstapfen treten und ebenfalls Soldat werden sollte. Martin tat es, aber nur aus Gehorsam, nicht aus Überzeugung. In ihm wuchs der Keim einer Umkehr, die ihn zu einem neuen Verständnis von Sieg führte: nicht durch Durchsetzen, sondern durch Verzicht und gute Taten.

Die Mantelteilung ist daher kein moralisches Gleichnis über Nächstenliebe, sondern das äußere Zeichen einer inneren Wandlung. Martin spürte, dass wahre Stärke nicht im Befehl, sondern im Mitgefühl liegt. Dafür bedachten ihn die anderen Soldaten mit Spott. Das beeinflusste Martin jedoch nicht. Er legte schließlich das Schwert nieder und sprach: „Ich bin ein Soldat Christi – es ist mir nicht erlaubt zu kämpfen.“ Er verließ das Heer, legte Prunk und Rang ab, empfing die Taufe und lebte fortan in Armut, ganz dem Evangelium verpflichtet.

Eremit und Missionar

Zunächst zog er sich mit dem Wunsch zurück, als Eremit zu leben. Auf der Insel Gallinaria bei Genua suchte er die Einsamkeit. Später gründete er in Ligugé bei Poitiers eines der ersten Klöster des Abendlands und schließlich das berühmte Marmoutier bei Tours – ein Zentrum asketischen Lebens und eine Schule für künftige Bischöfe. Dort lebte er mit Brüdern in Einfachheit, Gebet und Arbeit – nicht als Weltflüchtiger, sondern als einer, der die Welt vom Evangelium her erneuern wollte.

Als Missionar reiste er durch das Land, verkündete Christus unter den heidnischen Landbewohnern und scheute auch den Weg zu den Mächtigen nicht. So trat er vor Kaiser Magnus Maximus, um ihn an Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu erinnern. In den 380er-Jahren – kurz nach der gegen seinen eigenen Willen erfolgten Wahl zum Bischof von Tours – widersetzte sich Martin der Hinrichtung des spanischen Bischofs Priszillian, den man der Häresie beschuldigte.

Er protestierte entschieden gegen das Todesurteil und predigte Liebe statt Gewalt – selbst gegenüber Irrlehrern. Daraufhin verdächtigte man ihn selbst der Häresie. Der Kaiser versprach zunächst, auf das Bluturteil zu verzichten, ließ sich jedoch nach Martins Abreise von der Gegenpartei wieder umstimmen.

Streit um den Leichnam

Martin blieb dennoch eine Lichtfigur in einer Zeit, in der es an Ketzern und Irrlehrern nicht mangelte. Der Arianismus war kaum überwunden, da tauchten schon neue Irrlehren auf. Doch Martin, wie auch andere Mönchsgestalten im Laufe der Kirchengeschichte, erneuerte die Kirche von innen her. Er blieb als Bischof Mönch im Herzen: Er betete, arbeitete und diente den Menschen. Das bischöfliche Amt verstand er nicht als Aufstieg, sondern als Auftrag – als Dienst und Zeugnis. Sein Mönchtum verband asketisches Leben mit apostolischer Sendung und begriff Reform als Erneuerung der geistlichen Substanz.

Martin starb am 8. November 397 in Candes, einem kleinen Ort an der Loire, wo er einen Streit zwischen Priestern geschlichtet hatte. Freunde wollten ihn nach Poitiers bringen, wo sein Leben als Mönch begonnen hatte. Doch die Bürger von Tours, seiner Bischofsstadt, bestanden darauf, ihn dort zu bestatten. In der Nacht brachten sie ihn der ältesten Lebensbeschreibung zufolge per Boot auf der Loire nach Tours – begleitet von einer Schar Gläubiger, die Fackeln und Lampen trugen.

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