Neuevangelisierung

Ingrid Wagner: „Freundschaft mit Jesus“

Das Bistum Passau setzt mit dem dritten Adoratio-Kongress ein Zeichen für die eucharistische Anbetung: Ein Gespräch mit Ingrid Wagner, Leiterin des Referats für Neuevangelisierung.
Monstranz und Kerzen
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Hier entstehen lebendige Gottesbeziehungen. Die eucharistische Anbetung ist in Zeiten der Verwirrung ein Leuchtturm für Gottsucher geworden.

Frau Wagner, warum veranstaltet das Bistum Passau erneut Adoratio?

Wir wollen Sehnsucht nach Gebet wecken und Möglichkeiten aufzeigen, wie wir in eine tragfähige Beziehung mit Gott eintreten können, die unser Leben maßgeblich bestimmt, allein und in Gemeinschaft. Dieses Jahr steht der Kongress unter dem Thema: „Die Relevanz des Gebets“. Ich glaube, dass diese Frage sehr viele Menschen unserer Zeit beschäftigt – ob „Anfänger“ oder „Profi“ angesichts der vielen Herausforderungen unserer Tage in Kirche und Welt, aber auch im persönlichen Leben. Was bringt beten überhaupt? Macht es tatsächlich einen Unterschied, ob ich bete oder nicht? Für mich, meine Pfarrei, die Kirche, für die Welt? Verändert das Gebet mich in meiner Beziehung zu mir selbst, zu meinen Mitmenschen und in meiner Freundschaft mit Gott? Wir werden Vorträge und Zeugnisse hören, die uns bestärken sollen, im Gebet nicht nachzulassen oder wieder neu zu beginnen und immer mehr in die Tiefe zu finden.

Wie haben Sie das Format Adoratio entdeckt?

Die eucharistische Anbetung ist eine Gebetsform, die viele Menschen entdeckt haben, um in der Freundschaft mit Jesus zu wachsen. Dass wir das Format Adoratio gefunden haben, führe ich auf eine glückliche Fügung zurück. Wir wollten im Jahr 2019 ein Jubiläum feiern. Am 9. Juni 1979 hatte Johannes Paul II. zum ersten Mal zur Neuevangelisierung aufgerufen. Wir im Bistum Passau haben überlegt, wie wir dieses wichtige Ereignis feiern können. Durch eine spannende Begegnung mit Stefan Borneis in Altötting haben wir von Adoratio in Südfrankreich gehört. Er hat uns so begeistert davon berichtet und uns die Frage mit nach Hause gegeben, ob das nicht auch etwas für Deutschland sein könnte. Das war der Anfangsimpuls.

Was erhoffen Sie sich von dem Kongress?

An unzähligen Orten dieser Welt, an welchen es lebendige Aufbrüche in der Kirche gibt, gründen sie in der eucharistischen Anbetung und ähnlichen Gebetsformen und -bewegungen. Adoratio will helfen, dass auch im deutschen Sprachraum der Herr selbst Erneuerung wirken kann, indem viele ihm in der eucharistischen Anbetung begegnen. So will der Kongress Mut machen, an zahlreichen Orten in unseren Ländern die eucharistische Anbetung zu fördern oder neu wachsen zu lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie bei den letzten Kongressen gemacht?

Bei der Vorbereitung auf den 1. Adoratio Kongress im November 2019 hatten wir für 400 Teilnehmer geplant. Unser Ziel war, Gläubige, die schon eine Erfahrung mit der eucharistischen Anbetung gemacht haben, zu stärken und ihnen Hilfen zu geben, zu Hause in ihrer Pfarrei, in ihrer Gruppe eine Anbetung zu starten oder weiterzumachen. Am Ende sind über 2 000 Menschen zu uns nach Altötting gekommen. Wir waren überwältigt von der Resonanz. Es war ein Fest des Glaubens – verbunden mit der Erfahrung, dass viele Menschen die Sehnsucht haben, tiefer ins Gebet hineinzuwachsen und auch Hilfestellung möchten, um andere Menschen in die Beziehung zum Herrn hineinzuführen.

Stichwort Resonanz: Welche Reaktionen bekommen Sie von den Teilnehmern?

Immer wieder begegnen oder schreiben uns Menschen von überall her, die durch Adoratio in Altötting oder auch durch die Medien eine Erfahrung mit Gott gemacht haben, im Glauben gestärkt wurden. Sie haben sich aufgemacht, selbst eine Stunde Anbetung zu übernehmen oder haben selbst Anbetung in ihrer Heimat gestartet. Das ist das eigentliche Ziel von Adoratio: Einen Raum zu schaffen, in dem Menschen Gott begegnen können und dadurch andere mit hineinzunehmen in diese Begegnung mit dem Herrn.

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Was verbindet Sie persönlich mit dieser Gebetsform?

Als junger Mensch wurde ich eingeladen, zu einem Weltjugendtag mitzufahren. Bei einer sogenannten „Holy Hour“ durfte ich zum ersten Mal erleben, dass es wirklich Jesus ist, der in diesem kleinen, unscheinbaren Stück Brot gegenwärtig ist. Das hat mein Leben nach und nach verändert. Seitdem möchte ich die eucharistische Anbetung nicht mehr missen.

Welche Botschaft soll von Adoratio ausgehen?

Dass der Herr da ist, dass er treu ist, dass wir mit allem, was wir sind und leben, immer zu ihm kommen können, um seinen liebenden Blick, seinen Trost und seine Kraft zu empfangen. Alle Erneuerung des Glaubens, der Kirche, der Welt kommt aus dem Gebet, aus der Beziehung zum Herrn, entspringt unserem Eintreten für andere bei Gott, weil  nur Gott sie schenken kann. Der heilige Johannes Paul II. hat der ganzen Kirche zu Beginn des neuen Jahrtausends ein Programm vorgelegt, Novo Millennio ineunte. Dort ermahnt er uns, dass vor allem Tun das Sein beim Herrn kommen muss. Sonst ist die Gefahr groß, dass wir bei all dem vielen, das wir tun, den Herrn vergessen, müde werden und übersehen, uns zuerst von ihm lieben zu lassen, uns seiner Gegenwart und seinem Blick auszusetzen.


Weitere Informationen für den 26. November auf der Kongressseite: www.adoratio-altoetting.de

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