Herzegowina

Mladifest 2022 in Medjugorje: „Ein einschneidendes Erlebnis“

Zeugnisse, Gebet und Hoffnung auf Frieden: 60 000 Jugendliche pilgern zum Mladifest 2022 nach Medjugorje.
Mladifest 2022
Foto: Gabi & Jerko Malinar | Beim Mladifest gibt es immer viele Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und Schweiz.

Jeden Sommer findet seit 33 Jahren in der Herzegowina ein Jugendfestival statt: das internationale Gebetstreffen der Jugend „Mladifest“ in der nahe der Stadt Mostar gelegene, vom Franziskanerorden geführte Pfarre Medjugorje, einer kirchlich anerkannten Gebetsstätte. In diesem Jahr nahmen etwa sechzigtausend Jugendliche aus 70 Ländern und Bischöfe aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Frankreich, Irland, Italien, Spanien, Paraguay, Polen und der Ukraine sowie Hunderte Priester daran teil.  Die Jugendlichen kamen zur „Gospa“ (kroatisch: Mutter Gottes), um einander zu begegnen und Gott zu erfahren.

"Lernt von mir"

Über tausend der jungen Pilger kamen in Bussen von kirchlichen Jugendinitiativen aus Österreich. Abt Ambros Ebhart OSB aus Kremsmünster war als höchster Vertreter der österreichischen Geistlichkeit dabei. Das Jugendfestival stand unter dem Motto: „Lernt von mir, so werdet ihr Ruhe finden!“ (Matthäus 11,28) und wurde von Kardinal Juan José Omella aus Barcelona mit einem Festgottesdienst eröffnet. In seiner Ansprache rief er den Jugendlichen zu: „Findet den Frieden mit Gott in diesem Beichtstuhl der Welt!“.

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Der Apostolische Visitator für Medjugorje, Erzbischof Aldo Cavalli, verlas die Botschaft des Papstes: „Liebe Jugendliche, während ihr euch in diesen Tagen in Christus ausruht, vertraue ich euch der seligen Jungfrau Maria an, unserer himmlischen Mutter, sodass ihr durch ihre Fürsprache und ihr Vorbild das süße Joch der Nachfolge Christi auf euch nehmen könnt. Möge euch der Blick von Gott Vater, der euch liebt, begleiten, sodass ihr bei der Begegnung mit anderen Zeugen des Friedens sein könnt, welchen ihr im Gegenzug als Geschenk empfangen werdet.   Ich bete für dieses Anliegen und segne euch, euren Gebeten empfehle ich mich.“

Katechesen und Zeugnisse

Jeden Tag gab es am Vormittag Katechesen und Glaubenszeugnisse, abends Rosenkranz und heilige Messe, musikalisch gestaltet von einem großen Chor und Orchester mit Mitgliedern aus 21 Nationen.
Am ersten Morgen wanderten die Jugendlichen auf den Erscheinungsberg, um Rosenkranz zu beten. Ein bewegendes Zeugnis hörten die Jugendlichen von Weihbischof Jan Sobilo von Saporosch-Kharkiv aus der Ukraine. Medjugorje sei „ein geistliches Krankenhaus mit hoher Bedeutung für die Ukraine“.

Niemand sei zufällig hier, jeder Einzelne sei von der Königin des Friedens berufen und auserwählt. Er selbst habe Soldaten, Witwen und Kinder gesehen, „die die Hölle des Krieges erlebt haben – Hass, Vergewaltigungen, Folter – und aus Medjugorje hoffnungsvoll zurückgekommen sind mit dem Wunsch im Herzen, zu vergeben. … Nirgendwo auf der Welt ist das so schnell und so effizient möglich, wie es gerade hier geschieht, weil hier unsere himmlische Mutter ist, in deren Schoß wir den ganzen Schmerz aus unseren Herzen ausweinen können … und das tun, was menschlich gesehen schwierig, schmerzhaft und fast unmöglich ist:  vergeben.“

Von der Gottesmutter gerufen

Bruder Massimo Fusarelli, Generalminister des Franziskanerordens, hielt eine Katechese, in welcher er die Jugendlichen bat, sie mögen den Glauben mit nach Hause nehmen und stets mit ihrem Leben „schreien“, dass die Nachfolge Christi der Weg der Freiheit, der Freude, des Friedens und der Fähigkeit zu wahrer Liebe ist.

Auch Jakov Čolo, der jüngste der Seher von Medjugorje, wandte sich an die Jugendlichen:  „Wir werden hier von Gott und von unserer himmlischen Mutter umarmt. Ihr seid heute hier, obwohl ihr an vielen anderen Orten hättet sein können, die viel schöner sind als Medjugorje. Aber ihr seid von der Gospa hierher gerufen worden, ihr habt auf ihren Ruf geantwortet.“ Nach Gottesdienst und Anbetung fand der Tag mit einem Lichtermeer während der Kreuzverehrung einen feierlichen Ausklang.

Verklärt durch die Begegnung mit Christus

Den Höhepunkt der Festlichkeiten stellte die heilige Messe dar, die Ortsbischof Petar Palić von Mostar mit den Jugendlichen feierte. Er appellierte an das Sendungsbewusstsein der Jugendlichen: „Wenn ihr nach Hause zu euren Familien, Schulen, Universitäten und Arbeitsplätzen zurückkommt, sollen alle sehen, wie euch die Begegnung mit Jesus Christus verklärt hat.“ Nach der Messe wurden er und Bischof Cavalli von den Jugendlichen mit langen ,Standing Ovations‘ verabschiedet. Ein weiteres Glanzlicht setzte die Premiere des Filmes „Das Fest ist für euch“ der Gemeinschaft Cenacolo. Vorbild des von Laien gedrehten Films, in dem Mitglieder der Gemeinschaft Zeugnis geben, ist die amerikanische Serie „The Chosen“.

Nach eucharistischer Anbetung, Aussendung und Segnung mit einer übergroßen Monstranz brachen die jugendlichen Frühaufsteher bereits um 2 Uhr in der Nacht auf den Kreuzberg auf, wo sie die heilige Messe bei Sonnenaufgang feierten. Deutschsprachige Teilnehmer feierten eine „Afterparty“-Messe am Vormittag in der Pfarrkirche. Bruder Marinko Sakota, der Pfarrer von Medjugorje, der durch das gesamte Jugendfestival geführt hatte, fasste bei seiner Predigt beim Abschlussgottesdienst alle gehörten Lebenszeugnisse als Beispiele für „Planänderungen Gottes“ zusammen. Gott begegne den Menschen im Unerwarteten und Paradoxen, woraus immer Neues möglich werde, „wenn Er auf ein geöffnetes Herz trifft“. Um im geistigen Leben voranzukommen, biete Gott dem Menschen vor allem das Gebet, die Eucharistie, die Beichte, das Fasten und die Heilige Schrift an.

„Perlen“ und „Medikamente"

Wer diese „Perlen“ und „Medikamente" für sich entdecke – worin Medjugorje vielen Menschen eine Hilfe biete – erfahre selbst in schwierigen Lebenssituationen inneren Frieden und Freude. Melanie Komar aus Klagenfurt erzählt gegenüber dieser Zeitung: „Ich habe mal ein Video vom Mladifest gesehen, die Jugendlichen strahlten so viel Fröhlichkeit aus und ich wusste sofort: Da muss ich hin! Ich fühlte mich hier von Anfang an geborgen und erlebte spürbar, was Freude und Frieden bedeuten.

So habe ich erstmals Gott als den lebendigen Gott erfahren, als jemanden, der gegenwärtig ist, der eine Beziehung mit mir will, dem man nicht nur sonntags in der Kirche begegnen kann, sondern auch im Alltag, bei jeder Aufgabe. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Jetzt bin ich jedes Jahr hier, lasse nichts aus und bekomme so viele Impulse für mich und für die Jugendarbeit in meiner Pfarre. Ich möchte weitergeben, was ich erlebt habe und anderen zeigen, dass es mehr gibt als Ausgehen, Partys, Gespräche ohne Tiefgang, dass wir einen Erlöser haben, der uns wahre Liebe schenkt.“

Soldaten mit Rosenkranz 

Stijepo Gled Markos, bekannter Sänger aus Kroatien, gab sein Zeugnis auf der Bühne: „Ich war ein heftiger Gegner des Rosenkranzes, aber in kleinen Schritten hat mich die Mutter Gottes gelehrt, ihn zu beten. Ich habe immer nach Ruhm gesucht, dank ihr habe ich am Ende in Demut Jesus gefunden und ihn wirklich kennen gelernt.“ Die Gospa half ihm, seine Ehe zu retten. Und der ukrainische Weihbischof Jan Sobilo von Saporischschja berichtete: „Viele Soldaten tragen den Rosenkranz um den Hals wie einst David seine Schleuder gegen Goliath trug“. Denn der Krieg in der Ukraine finde nicht nur im realen, sondern vielmehr im geistigen Leben statt.

Auf den Heimweg erreichte die Pilger dann die Hiobsbotschaft von dem schweren Busunglück, das sich am Samstagmorgen nördlich von Zagreb ereignet hatte (siehe Seite 31). Zwölf polnische Pilger kamen auf dem Weg nach Medjugorje ums Leben, etliche wurden schwer verletzt. Am Samstag Abend wurde in Medjugorje bei der heiligen Messe für die Verunglückten gebetet. Auch Papst Franziskus gedachte am Sonntag auf dem Petersplatz der Opfer: Mit Trauer habe er von dem Verkehrsunfall gehört, sagte Franziskus beim Angelus. Er bitte um die Fürsprache der Muttergottes für sie und ihre Angehörigen.

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