Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche

Limburger Bischof Bätzing: Pflichtzölibat überdenken

Wenn die Ehelosigkeit zum Hindernis für das Priesteramt werde, müsse man darüber nachdenken, den Pflichtzölibat aufzuheben, so der Limburger Bischof. Ihm persönlich sei der Zölibat jedoch sehr wichtig.
Bischof Bätzing zu möglicher Aufhebung des Pflichtzölibats
Foto: Harald Tittel (dpa) | Entscheidend ist für den Limburger Bischof die Frage: „ Wie kann ich das eine als eine Lebensform retten und das andere ermöglichen?“

Der Limburger Bischof Georg Bätzing kann sich grundsätzlich vorstellen, den verpflichtenden Zölibat aufzuheben. „Die Ehelosigkeit ist mit dem Priesteramt nicht wesentlich verbunden. Wenn sie mehr und mehr zum Hindernis wird, dann müssen wir das überdenken“, so Bätzing im Interview mit dem hessischen Radiosender „hr-info“. Er glaube, es schade der Kirche nicht, wenn Priester frei wären zu wählen, ob sie die Ehe leben wollten oder lieber ehelos lebten.

"So hat Jesus gelebt"

Gleichzeitig erklärte Bätzing, dass ihm der Zölibat viel wert sei, „denn so hat Jesus gelebt“. Als Priester wolle er nicht nur Funktionär und Beamter sein, sondern in den Fußstapfen Jesu gehen. Entscheidend ist für den Limburger Bischof die Frage: „ Wie kann ich das eine als eine Lebensform retten und das andere ermöglichen?“ Man müsse einen Weg finden, die eine wie die andere Lebensform zu stärken. Auf die Frage, was er konkret tun wolle, um eine Freistellung voranzubringen, meint Bätzing, dass er sich als Bischof nicht aus der kirchlichen Gemeinschaft heraus begeben könne. „Im Zweifel stehe ich im Dilemma.“

Die Forderungen nach radikalen Reformen der katholischen Kirche, wie sie beispielsweise jüngst in einem offenen Brief einiger deutscher Theologen an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gerichtet wurden, seien nichts Neues, so Bätzing. „Wir werden an all diese Fragen herangehen. Aber ich weiß nicht, ob diese weitestgehenden Forderungen, die da gestellt werden, tatsächlich umsetzbar sind.“

Alte Konzepte von Kirche und Glaubensvermittlung tragen nicht mehr

Grundsätzlich ist für Bätzing dennoch klar: „Die alten Konzepte von Kirche und Glaube und Glaubensvermittlung und Sozialformen des Glaubens tragen nicht mehr.“ Noch habe die Kirche zwar eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Die eigentliche Herausforderung bestehe jedoch darin, Menschen mit dem Glauben zu berühren. „Da hakt es“, so Bätzing.

Im Vatikan beginnt heute eine mehrtägige Konferenz, um über den Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch zu diskutieren. Daran werden die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit teilnehmen. Zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle erklärte Bätzing, die Kirche habe lange Zeit den verkehrten Blick eingenommen. „Wir haben auf uns geschaut. Schadet das der Kirche? Was muss man tun, um Schaden abzuwenden“, so Bätzing. Dabei habe man nicht gesehen, dass Menschen so verwundet sind, dass sie ihr Leben nicht unter Kontrolle kriegen würden. Stattdessen müsse die Kirche die Opferperspektive einnehmen.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung

Themen & Autoren
Bischof Deutsche Bischofskonferenz Georg Bätzing Jesus Christus Reinhard Marx Zölibat

Weitere Artikel

In einem Beitrag zur Weltsynode schlägt der Bischof der Kirche wieder das Modell des Synodalen Wegs in Deutschland vor.
31.01.2024, 11 Uhr
Guido Horst
Frauendiakonat und Pflichtzölibat waren heiße Themen der Bischofssynode – Aber anders, als der Synodale Weg das wollte.
03.11.2023, 12 Uhr
Guido Horst

Kirche

Wenn der Ruf nach Evangelisierung zur Lösung der Kirchenkrise unterkomplex ist, dann hat Jesus wohl sein Handwerk nicht verstanden. Ein Kommentar.
23.02.2024, 20 Uhr
Franziska Harter
Der Salesianer Don Boscos war Dogmatiker, Bischof von Innsbruck, Erzbischof von Salzburg und Primas Germaniae.
23.02.2024, 05 Uhr
Meldung
Für Christen sei die AfD nicht wählbar, heißt es in einer Erklärung der Bischöfe. In der Partei dominiere eine „völkisch-nationalistische Gesinnung“.
22.02.2024, 16 Uhr
Meldung