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Koch: Ökumene braucht Lernbereitschaft beider Seiten

Orthodoxie muss Verhältnis von Kirche und Staat, Glaube und Politik klären, meint Kurienkardinal Kurt Koch.
Der Ökumene-Minister des Vatikans, Kurienkardinal Kurt Koch
Foto: IMAGO/Heike Lyding (www.imago-images.de) | Eine „sensible, aber unabdingbare Frage“ im ökumenischen Dialog werde jene nach dem Verhältnis von Glaube und Politik sowie von Kirche und Staat sein, so der Ökumene-Minister des Vatikans, Kardinal Kurt Koch.

Eine Klärung des Verhältnisses von Kirche und Staat, Glaube und Politik erwartet der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch von der Orthodoxie. Bei einem Festakt zum 60. Geburtstag der Ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“ sagte Kardinal Koch am Mittwochabend in Wien, im ökumenischen Dialog dürfe es „nicht darum gehen, einen Kompromiss auf dem kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner anzuvisieren“. Vielmehr sei Lernbereitschaft auf beiden Seiten gefordert, „und zwar dahingehend, dass die katholische Kirche ihre Strukturen vermehrt in synodaler Weise ausrichtet und die orthodoxen Kirchen einen gewissen Primat innerhalb der universalen Gemeinschaft der Kirchen anerkennen können“.

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Eine „sensible, aber unabdingbare Frage“ im ökumenischen Dialog werde jene nach dem Verhältnis von Glaube und Politik sowie von Kirche und Staat sein. Die Kirche im Westen habe in einer langen und verwickelten Geschichte lernen müssen, aber gelernt, „dass in der Trennung von Kirche und Staat bei gleichzeitiger Partnerschaft zwischen beiden Realitäten die adäquate Ausgestaltung ihres Verhältnisses besteht“. Demgegenüber sei „in den Kirchen des Ostens eine enge Verbindung zwischen der staatlichen Herrschaft und der kirchlichen Hierarchie dominierend geworden und bis heute geblieben“. Das führe dazu, dass die orthodoxen Kirchen stark mit der jeweiligen Nation verbunden sind und als Nationalkirchen existieren. Das Risiko dieses Konzepts bestehe darin, „dass die Nationalkirchen nicht selten starke Tendenzen zum Nationalistischen aufweisen“.

Ökumene sollte auf Liturgie fokussieren

Auch brauche es „eine vertiefte Berücksichtigung der Liturgien in den verschiedenen Kirchen“. Die ökumenische Erfahrung zeige, „dass die Christen in verschiedenen Kirchen im liturgischen Lobpreis Gottes und damit in der Doxologie einander näher kommen können als in der Theologie“. Wörtlich sagte der Ökumene-Verantwortliche des Papstes in Wien: „Da die verschiedenen Kirchen ihre kostbarsten Gaben in ihrem liturgischen Leben bewahren und ihren größten Reichtum in ihren Liturgien vorfinden, lädt die vom Zweiten Vatikanum vorgenommene Wesensbestimmung der Ökumene als Austausch der Gaben auch zu einem Austausch zwischen den verschiedenen Kirchen über ihre liturgischen Gaben ein.“

Zuvor hatte in einer Gedenkmesse im Wiener Stephansdom zum 20. Todestag des früheren Wiener Erzbischofs, Kardinal Franz König (1905 – 2004), der Linzer Bischof Manfred Scheuer darauf hingewiesen, dass im ökumenischen Dialog der „Reichtum der Gaben und Charismen der anderen“ rezipiert werde. Katholiken könnten sich freuen über den theologischen und spirituellen Reichtum in den orthodoxen und orientalischen Kirchen. Im ökumenischen Dialog gebe es „keine lineare Entwicklung“, so Bischof Scheuer, der den erkrankten Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, vertrat. Einerseits sei die Ökumene heute selbstverständlich geworden, andererseits gebe es große Spannungen innerhalb der Orthodoxie. Auch fänden sich Freunde wie Gegner der Ökumene in jeder Konfession. Für seine eigene Kirche sagte Scheuer, der auch stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz ist: „Ökumene ist Vollzug des Katholischen. Ohne die Ökumene wären wir nicht katholisch.“

Gedenkmesse mit orthodoxen und orientalischen Vertretern

An der Gedenkmesse, die Kardinal Koch zelebrierte, wie am Festakt im Erzbischöflichen Palais, nahmen Vertreter vieler orthodoxer und orientalischer Kirchen teil. Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria und Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Arsenios Kardamakis, sagte, es erfülle ihn mit Dankbarkeit, dass die orthodoxe Kirche von Anfang an in der Arbeit der Ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“ mitwirkte. Der Bischof der Armenisch-Apostolischen Kirche für Mitteleuropa, Tiran Petrosyan, verwies in seinen Grußworten darauf, dass die christlichen Kirchen ungeachtet ihrer Trennung ein gemeinsames Zeugnis für die verfolgten und diskriminierten Christen geben können und müssen.  DT/sba

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