Die E-Mail kam einigermaßen überraschend. Ende Juli sagte die Direktorin der Evangelischen Akademie Berlin, Friederike Krippner, kurzerhand das für Ende August geplante Sommerfest ihrer Einrichtung in der Evangelischen Bildungsstätte auf der Havelinsel Schwanenwerder ab.
„Die mittelfristigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Akademie“ verlangten, auch sehr lieb gewordene Traditionen auf den Prüfstand zu stellen, hieß es in ihrer Mail. „Uns ist es wichtig, unserer Kernaufgabe, ein protestantischer Reflexionsraum in der Hauptstadt zu sein, weiterhin verantwortungsvoll nachgehen zu können.“ Auf Nachfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) konkretisierte Krippner das.
Die Finanzlage der von der EKD und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz getragenen Berliner Akademie sei bescheiden: „Auf Seiten der EKD wurde schon vor einigen Jahren festgelegt, dass wir bis 2030 15 Prozent unserer Mittel verlieren“, sagte Krippner. Gleichzeitig erlebe man steigende Mietkosten für die von der Akademie genutzten Räume und rund 60.000 Euro jährliche Mehrkosten durch Tarifsteigerungen. Und auch viele andere Kosten stiegen, bis hin zur IT.
Überall Kürzungsvorhaben
Eine Studienleiterstelle wurde bereits gestrichen. „Wir haben in den letzten fünf Jahren die Zahl der Teilnehmenden an unseren Veranstaltungen um 300 Prozent steigern können“, sagt Krippner. Und ein Drittel des Haushalts der Akademie werde bereits über das Einwerben von Drittmitteln finanziert. „Aber wir bräuchten etwa 150.000 Euro mehr, um das Loch zu stopfen – und in den kommenden Jahren eine dynamische Anpassung an die Tarifsteigerungen.“
Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei vielen der insgesamt 15 Evangelischen Akademien in Deutschland ab, so der Vorstandsvorsitzende des Dachverbands „Evangelische Akademien in Deutschland e. V.“, Udo Hahn. Der Direktor der Evangelischen Akademie im bayerischen Tutzing verweist darauf, dass derzeit alle Landeskirchen mit Strukturentwicklungsprozessen beschäftigt seien.
„Die Kirche kann nur die Mittel ausgeben, die sie einnimmt“, sagt Hahn. Der Dachverband nehme wahr, wie man überall mit Kürzungsvorhaben und Sparbeschlüssen beschäftigt sei. So hatte etwa die Württembergische Landeskirche bei ihrer Synode im Sommer 2025 eine Einsparquote von 35 Prozent für die Evangelische Akademie Bad Boll beschlossen. „Jede Landeskirche definiert die Arbeit der Akademien so, wie sie es versteht und braucht“, sagte Hahn. Die Akademien müssten dabei aber als wesentliches Arbeitsfeld der Kirche bundesweit erkennbar bleiben.
Sparmaßnahmen auch auf katholischer Seite
Sparmaßnahmen in der Erwachsenenbildung werden unterdessen auch in der römisch-katholischen Kirche sichtbar. Vor Kurzem gab das Bistum Dresden-Meißen bekannt, das Bildungsgut Sankt Benno im Oberlausitzer Ort Schmochtitz Ende Juli 2027 abgeben zu wollen. „Die defizitäre wirtschaftliche Perspektive in Schmochtitz ließ jedoch keine andere Bewertung mehr zu: Das Haus verzeichnet trotz anhaltender Bemühungen ein durchschnittliches jährliches Defizit von gut 700.000 Euro“, hieß es im Juli in einer Pressemitteilung.
„Dieses lässt sich auch nicht durch weitere Investitionen tragfähig reduzieren.“ Künftig wolle man sich auf andere Strukturen im Bereich der Bildung konzentrieren: So sollen etwa die bischöflichen Schulen, die Akademiearbeit und die Kinder- und Jugendbildungsstätte Winfriedhaus erhalten bleiben. (KNA)
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