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Kasper: Papst will nicht alle liberalen Reformen

Franziskus leite viele Reformen in die Wege, so der emeritierte Kurienkardinal. Doch er wolle nicht alle liberalen Reformen „wie etwa beim deutschen Synodalen Weg“.
Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper
Foto: Norbert Neetz (www.imago-images.de) | Er hoffe, so Kardinal Kasper, dass das derzeitige Pontifikat kein „Unfall“ sei, „sondern der Beginn einer neuen Ära“ und dass „wir ihn noch ein paar Jahre behalten können“.

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hat die Haltung von Papst Franziskus hinsichtlich Reformen gegen konservative und progressive Kritiker verteidigt. Franziskus leite viele Reformen in die Wege, „für die Rechten sogar zu viele“. Gleichzeitig wolle der Papst „nicht alle liberalen Reformen wie etwa beim deutschen Synodalen Weg“. Dies erklärte Kasper der italienischen Zeitung „Il Messaggero“ zufolge bei einem Treffen mit Journalisten in Rom.  

Ein "evangelischer Papst" im ursprünglichen Wortsinn

Kasper sprach einerseits von „fundamentalistischen, konservativen Kritikern“, die Franziskus von Beginn an nicht hätten leiden mögen. Zugleich gebe es dem 89-Jährigen zufolge inzwischen allerdings auch „ideologische Progressive“, die bestritten, dass der Papst überhaupt Reformen wolle.

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Nach Ansicht Kaspers sei Franziskus kein liberaler, sondern ein radikaler Reformer, „der die Kirche von der Wurzel her, vom Evangelium her, reformieren will“. Als einen „evangelischen Papst“ bezeichnete Kasper Franziskus „nicht im konfessionellen Sinne, sondern im ursprünglichen Sinne des Wortes“ Evangelium. Absolute Priorität habe für ihn nicht die Lehre, sondern „die lebendige Botschaft von Gott, dem barmherzigen Vater, der uns durch seinen Sohn erlöst hat und in der Kirche im Heiligen Geist ständig gegenwärtig ist“.

Er hoffe, so Kasper weiter, dass das derzeitige Pontifikat kein „Unfall“ sei, „sondern der Beginn einer neuen Ära“ und dass „wir ihn noch ein paar Jahre behalten können“. Veränderungen in der Haltung, Praxis und Lehre der Kirche, vor allem der Wandel einer synodalen Kirche mit einem neuen Zusammenspiel von Bischöfen, Priestern und Laien und einem „Ende des alten hierarchischen Klerikalismus“ ließen sich nicht allein unter Franziskus durchführen, so der langjährige Leiter des päpstlichen Ökumene-Rates. Vielmehr erforderten derartige Reformen „Zeit und einen langen Atem“.  DT/mlu

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