Zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zu Ehrlichkeit und Gesprächen auf Augenhöhe aufgerufen. Dies sei notwendig, erklärte er in seiner wöchentlichen Videobotschaft, „um unsere ökumenischen Schwestern und Brüder immer besser zu verstehen und mit ihnen darüber sprechen zu können, warum wir glauben, was wir glauben“. Zugleich bat er: „Bitten wir in der kommenden Woche den Herrn, dass er in uns das Bewusstsein wachhält, dass er alle Menschen zur Einheit in seiner Kirche beruft.“
Die Spaltung der Christenheit bezeichnete Woelki als eine „schmerzliche Wunde“, deren Überwindung „eine wesentliche Aufgabe für alle Christinnen und Christen“ sei. Zwar habe man sich daran gewöhnt, dass es viele unterschiedliche Gemeinschaften gebe, die sich „zu unserem Herrn und Gott bekennen“, doch entspreche dies nicht dem Willen Jesu.
Erkennen, „was der vollen Einheit noch im Wege steht“
Gleichzeitig verwies der Kardinal auf die großen Fortschritte der Ökumene in den vergangenen Jahrzehnten. Weltweit lernten Christinnen und Christen zunehmend, das Verbindende zwischen den Konfessionen in den Blick zu nehmen. „Je besser das gelingt“, so Woelki, „desto klarer wird auch, was der vollen Einheit noch im Wege steht“ und wie bestehende Gegensätze überwunden werden könnten.
Auch Papst Leo XIV. rief am Sonntag nach dem Angelusgebet auf dem Petersplatz dazu auf, verstärkt für die „volle sichtbare Einheit aller Christen“ zu beten. Die Ursprünge dieser Initiative reichten, so der Papst, rund zwei Jahrhunderte zurück und seien insbesondere von Papst Leo XIII. gefördert worden. Vor genau hundert Jahren seien erstmals Vorschläge für eine „Gebetsoktav für die Einheit der Christen“ veröffentlicht worden.
Gebete und Betrachtungen aus Armenien
In diesem Jahr steht die Gebetswoche unter dem Leitwort: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung“. Vorbereitet wurde sie von einer ökumenischen Gruppe, die von der Abteilung für interreligiöse Beziehungen der Armenisch-Apostolischen Kirche koordiniert wurde, erklärte der Papst.
Die Gebete und Betrachtungen zum Thema sind in diesem Jahr von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) in Armenien erarbeitet worden. Sie stützten sich, so Leo, auf jahrhundertealte Gebetstraditionen des armenischen Volkes sowie auf Hymnen, „deren Ursprung in den alten Klöstern und Kirchen Armeniens liegt und die zum Teil bis ins vierte Jahrhundert zurückreichen“.
Der ACK gehören zahlreiche evangelische Gemeinden, die katholische Kirche sowie mehrere orthodoxe Kirchen an. Damit bildet sie das Christentum in Deutschland in seiner Vielfalt ab. Jedes Jahr ist ein anderes Land für die Vorbereitung zuständig. In der Gebetswoche laden Kirchengemeinden weltweit zu Gottesdiensten ein, um für die Einheit der Christen zu beten und Menschen über Kirchen-, Konfessions- und Kulturgrenzen hinweg miteinander zu verbinden. DT/dsc
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