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Griff ins falsche Archiv

Nachdem Vorwürfe der Missbrauchsvertuschung gegenüber Johannes Paul II. laut geworden sind, bemühen sich viele Akteure Polens um seine Verteidigung. Nicht unbedingt zu seinem Vorteil.
Wojtila, Erzbischof von Krakau
Foto: imago stock&people via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Man kann sich fragen, ob diejenigen, die den damaligen Erzbischof von Krakau im Moment lautstark und aggressiv verteidigen, ihm damit wirklich den größten Dienst erweisen.

Mit den verschiedenen Verteidigungsversuchen Johannes Paul II. vonseiten polnischer Politiker, Priester und Publizisten beschäftigt sich „Die Tagespost“ in ihrer kommenden Ausgabe. Es ist fragwürdig ob diejenigen, die Wojtyła im Moment am lautesten und aggressivsten verteidigen, ihm damit wirklich einen guten Dienst erweisen. So hat die Regierungspartei Partei PiS eine Resolution zum Schutz seines „guten Namens“ im polnischen Parlament durchgezogen. Die parteipolitische Instrumentalisierung im Wahljahr geht soweit, dass PiS-Abgeordnete mit Fotos von Wojtyła in ihren Armen eine Art nationale Gedenkminute für ihn einlegten. Und der öffentlich-rechtliche Sender „TVP“ strahlt nun jeden Abend zu den Nachrichten fünf Minuten einer Predigt von Johannes Paul II. aus. So gut seine Predigten auch waren, es ist ein Griff ins falsche Archiv.

Transparenz könnte den Angriffs-Furor beruhigen

Der Krakauer Erzbischof Marek Jędraszewski spricht in seinen Predigten von einem Kampf „gegen Polen“ und einem „zweiten Attentat auf das Leben“ des Papstes. Eine Transparenz in die Debatte einzuführen, indem er Zugang zum Archiv der Diözese Krakau gewähren würde, könnte den Angriffs-Furor – sollten die Vorwürfe gegen Johannes Paul II. haltlos sein – eher beruhigen. Doch dies scheint der Erzbischof nicht zu wollen.

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Es gibt auch andere – doch nicht so zahlreiche – Stimmen in Polen, wie die des Vorsitzenden der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki. Er betont, die „Verteidigung der Heiligkeit und Größe“ von Johannes Paul II. bedeute nicht, dass er keine Fehler gemacht haben könnte.

Konsequenzen ziehen

Seltsam erscheint es, dass die polnische Kirche – dreieinhalb Jahre nach Ausstrahlung des Dokumentationsfilms „Sag‘ es niemand“ (2019) zum Thema sexueller Missbrauch durch Priester in der polnischen Kirche – so ungeschickt auf die neuesten Enthüllungen bezüglich Johannes Paul II. reagiert.

Vielleicht wird dieses Chaos wenigstens ein Gutes haben und die Kirche in Polen zukünftig zu einem anderen Umgang mit dem Missbrauchs-Thema nötigen. So rät beispielsweise der Chefredakteur der katholischen Zeitschrift „Więzi“, Zbigniew Nosowski, die Antwort der Kirche auf die wiederholten Veröffentlichungen unabhängiger Journalisten solle nicht in „Verleugnung oder Rechtfertigungsversuchen“, sondern in „angemessener Wiedergutmachung“ bestehen. Man müsse die „Konsequenzen gegen die Verantwortlichen“ ziehen und eine „gründliche Reform des kirchlichen Systems“ einleiten. DT/sha

Die vollständige Analyse der Verteidiungsversuche Johannes Paul II. lesen Sie in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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