Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Rom

Franziskus warnt vor "Funktionsdenken" in der Seelsorge

Papst Franziskus hat vor einer "Diktatur des Funktionalismus" in der Seelsorge gewarnt.
Papst Franziskus spricht zu den Priestern Roms
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Papst Franziskus warnt vor einer "Diktatur des Funktionalismus".

Wenn sich die Kirche heutigen Herausforderungen in einer Metropole wie Rom stellen wolle, so Papst Franziskus in einer Ansprache vor Priestern und anderen Mitarbeitern des Bistums Rom, dürfe sie nicht der "Sünde" verfallen, alles neu ordnen und schick gestalten zu wollen. Das führe zu einer "Diktatur des Funktionalismus" in der Seelsorge

Funktionalität entfernt Menschen von Christus

Er kenne ein Bistum - den Namen wolle er nicht nennen - "das mehr Mitarbeiter hat als der Vatikan", so der Papst. Dort entfernten sich aber jedes Jahr immer mehr Menschen von Christus, weil man nach ausgewogener Funktionalität strebe: "Sie sagen, sie hielten Synoden, aber sie reorganisieren nur - und damit kann der Heilige Geist nichts anfangen. Der Heilige Geist versteht keine Ausgewogenheit", so Franziskus unter spontanem Beifall.

Die Kleinen ins Zentrum zu stellen

Wichtiger sei es, auf den Schrei der Armen zu hören und die Kleinen ins Zentrum zu stellen. Oft kümmerten sich Seelsorger ausschließlich um "die paar Schafe, die es in der Gemeinde noch gibt - streicheln und verhätscheln sie", anstatt den vielen anderen nachzugehen, die sich längst entfernt hätten. Anstatt zu sehr auf Organisation zu setzen, seien "Mut und Freiheit" im Sinne der Seligpreisungen gefragt. Das spreche auch nicht glaubende Menschen an.

Zeitgemäße Verkündigung gemäß "Evangelii nuntiandi" und "Evangelii gaudium"

Als Ausgangspunkt für eine zeitgemäße Verkündigung empfahl Franziskus sein programmatisches Schreiben "Evangelii gaudium" von 2013. Den primären Impuls aber biete das Schreiben "Evangelii nuntiandi" von Papst Paul VI. von 1975; dies sei "das bisher wichtigste Dokument seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil". Es behandelt die Evangelisierung in der Welt von heute.

KNA / DT (jobo)

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Josef Bordat Jesus Christus Papst Franziskus Paul VI. Päpste Seelsorge Zweites Vatikanisches Konzil

Weitere Artikel

Der vormalige Wallfahrsdirektor von Maria Vesperbild, Erwin Reichart, beleuchtet die Schattenseiten des Volksaltars.
23.11.2025, 09 Uhr
Benedikt Merz
Nur wenn eine geeinte Kirche das Licht Christi widerspiegele, fänden auch Menschen zu ihr: Kraftvoller Appell von Papst Leo zum Auftakt der Versammlung der Kardinäle in Rom.
08.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Rom bekennt sich zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog. Der Papst wird in beidem dicke Bretter bohren müssen.
27.11.2025, 11 Uhr
Guido Horst

Kirche

Abrechnung mit Franziskus: Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen ließ bei dem Kardinalstreffen in Rom offenbar kein gutes Haar am Synodalen Prozess des verstorbenen Papstes.
13.01.2026, 10 Uhr
Meldung
Die Krippendarstellung in einer Stuttgarter Christmette habe „Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst“ und werfe Fragen nach liturgischer Verantwortung auf.
13.01.2026, 09 Uhr
Meldung
Am Beschluss des Heiligen Jahres in der Ewigen Stadt nahm eine vielköpfige Pilgergruppe der Initiative „Neuer Anfang“ und der „Tagespost“ teil. Ein Wallfahrtsbericht.
12.01.2026, 16 Uhr
Thomas Philipp Reiter
Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst