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Franziskus erlaubt offizielle Wallfahrten nach Medjugorje

Man könnte Medjugorje als einen Ort verstehen, an dem Gott auf krummen Linie gerade schreibt – auch wenn Zweifel an der Echtheit der bis heute anhaltenden Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter bestehen.
Medjugorje - Zentrum weltweiter Marienverehrung
Foto: Thomas_Brey (dpa) | Die Wallfahrtskirche in Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Sechs Kinder berichteten am 24. Juni 1981, ihnen sei die Muttergottes erschienen. Seitdem hat sich Medjugorje zum Zentrum weltweiter Marienverehrung entwickelt.

Die von Benedikt XVI. im Jahr 2010 eingesetzte Untersuchungskommission unter Leitung des italienischen Kardinals Camillo Ruino war 2014 zu dem Ergebnis gekommen, dass bei den Erscheinungen Mariens zu unterscheiden ist. Die ersten sieben vom 24. Juni bis 3. Juli 1981 könnten echt sein. Dafür sprachen sich 13 Kommissionsmitglieder aus, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, was die Medien erst 2017 enthüllten. Wesentlich skeptischer war man, was alle folgenden Erscheinungen angeht, als die Seher und die Marienerscheinungen in den harten Konflikt zwischen dem Ortsbischof und den Franziskanern hineingezogen wurden, die die Pfarrei von Medjugorje betreuten. Allerdings sprach sich die Ruini-Kommission mit großer Mehrheit dafür aus, das Verbot offizieller Wallfahrten nach Medjugorje aufzuheben – eine Empfehlung, der Franziskus jetzt gefolgt ist.

Zweifel an der Echtheit der Erscheinungen

Diese Zweideutigkeit hat die Entscheidung des Papstes, ganz offizielle Wallfahrten von Diözesen und Pfarreien in den bosnischen Wallfahrtsort zuzulassen, ohne dass damit die Anerkennung der Authentizität der Visionen verbunden ist, auf unabsehbare Zeit verfestigt. Die Pilgerfahrt nach Medjugorje ist damit die päpstlich approbiert, ohne dass der eigentliche Kern der Wallfahrten, die Erscheinungen der „Gospa“, das kirchliche Gütesiegel der Echtheit erhalten hätte, wie es etwa für Lourdes, Fatima oder Guadalupe gilt.

Auf krummen Linien gerade

Man könnte Medjugorje also als einen Ort verstehen, an dem Gott auf krummen Linie gerade schreibt – auch wenn Zweifel an der Echtheit der bis heute anhaltenden Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter bestehen. Das im Siechtum begriffene Christentum in Europa hat nur noch wenige geistliche Brennkammern. Medjugorje ist eine davon – und nicht wie Notre Dame als Abglanz einer großartigen katholischern Vergangenheit, sondern als lebendiges Zentrum des Glaubens. Franziskus hat pragmatisch entschieden. Und Medjugorje vor dem Aus bewahrt.

DT/gho

Warum Medjugorje eine der wenigen geistlichen Brennkammern des im Siechtum begriffenen Christentums Europas ist, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 16. Mai 2019.

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