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Ehemaliger US-Nuntius Viganò: Schwere Vorwürfe gegen Franziskus

Erzbischof Carlo Maria Viganò behauptet, Papst Franziskus habe bereits 2013 von den Vergehen des ehemaligen US-Kardinals McCarrick gewusst. Den Papst und weitere hochrangige Vatikan-Vertreter, die die Vorfälle vertuscht hätten, fordert er zum Rücktritt auf.
Schwere Vorwürfe gegen Franziskus
Foto: Stefano Rellandini (Reuters Pool/AP) | Dunkle Wolken über dem Pontifikat von Papst Franziskus. Noch nie in der jüngeren Geschichte der Kirche ist ein Papst so massiv und öffentlich von geistlichen Würdenträgern angegriffen worden.

Der ehemalige Apostolische Nuntius in den Vereinigten Staaten, Erzbischof Carlo Maria Viganò erhebt schwere Vorwürfe gegen Papst Franziskus sowie hochrangige Vatikan-Vertreter: In einem elf-seitigen Schreiben behauptet Viganò, der Papst habe bereits im Jahr 2013 von den Sanktionen gewusst, die sein Vorgänger, Benedikt XVI., gegen den damaligen Kardinal McCarrick verhängt hatte. Er habe sich jedoch dazu entschieden, diese aufzuheben.

Ex-Nuntius Viganò: Papst hat sich entschieden, McCarrick zu decken

Erzbischof Viganò bestätigte inzwischen, dass er den Brief verfasst habe, über den zuerst das konservative amerikanische Nachrichtenportal „Lifesite News“ berichtet hatte. Darin spricht der 77-jährige Viganò, der von 2011 bis 2016 das Amt des Vatikanbotschafters in Washington, D.C. innehatte, von Sanktionen, die der emeritierte Papst Benedikt vor knapp zehn Jahren gegen McCarrick verhängt hatte. Diese sollen denen ähnlich gewesen sein, die nun auch Papst Franziskus dem mit schweren Missbrauchsvorwürfen belasteten ehemaligen Erzbischof von Washington auferlegte.

Kurz nach dessen Wahl zum Papst im Jahr 2013 habe Viganò Franziskus aufgeklärt, wie schwer die Vergehen McCarricks gewesen seien. Dennoch, so schreibt Viganò, habe sich der Papst entschieden, den ehemaligen US-Kardinal weiter zu decken und ihn sogar zu seinem persönlichen Berater zu ernennen. Darüber hinaus behauptet Erzbiscof Viganò, dass Franziskus mehrere Bischöfe auf Empfehlung McCarricks ernannt habe. Zu ihnen sollen unter anderen die Kardinal Blase Cupich, Erzbischof von Chicago, und Kardinal Joseph Tobin, Erzbischof von Newark, gehören.

Ehemalige Nuntius Viganò
Der ehemalige Nuntius Viganò. Quelle: KNA

Viganò fordert Rücktritt des Papstes

Der ehemalige Nuntius schließt sein Schreiben mit der Forderung, Papst Franziskus und all diejenigen, die an der Vertuschung der Vergehen des ehemaligen Kardinals McCarrick beteiligt waren, sollen ihre Ämter niederlegen. Beweise für die in seinem Schreiben erhobenen Vorwürfe liefert Viganò jedoch nicht.

Während des Rückflugs von seinem Besuch des Weltfamilientreffens in der irischen Hauptstadt Dublin wollte Franziskus nicht explizit auf die Vorwürfe eingehen. Er erklärte allerdings, dass der Brief für sich selbst spreche. „Ich habe die Stellungnahme heute Morgen gelesen und ich muss Ihnen und allen, die es interessiert, aufrichtig mitteilen: Lesen Sie das Schreiben aufmerksam und urteilen Sie selbst“, so der Papst.

Franziskus: Brief spricht für sich selbst

Erzbischof Viganò belastet auch die italienischen Kardinäle Angelo Sodano, Tarcisio Bertone und Kardinalstaatssekretär Piero Parolin mit dem Vorwurf der Vertuschung von Missbrauchsfällen. Zudem seien verschiedene weitere Bischöfe und Kardinäle informiert gewesen, unter ihnen auch der amtierende Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl. „Ich selbst habe mit Kardinal Wuerl bei mehreren Anlässen über das Thema gesprochen, und dabei musste ich gewiss nicht ins Detail gehen, da mir sofort klar war, dass er sich voll und ganz darüber im Klaren war“, so Viganò in seinem Brief.Wuerls Behauptungen, er habe nichts von den Missbrauchsfällen gewusst, seien „absolut lächerlich“. Der Kardinal lüge schamlos.

Erzbischof Viganò begründete die Veröffentlichung seines Schreibens mit den Worten, er wolle dem Leid der Opfer ein Ende setzen, verhindern, dass es weitere Opfer gebe und die Kirche schützen: „Nur die Wahrheit kann sie befreien. Das Volk Gottes hat das Recht, auch über seine Hirten die ganze Wahrheit zu erfahren.“

DT/mlu

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