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Die Stunde der Weihbischöfe

Der Dauerstreit um den Synodalen Weg belastet die Einheit der Kirche und stößt den Gläubigen übel auf. Jetzt kommt es auf die Loyalität der Weihbischöfe zu Papst Franziskus an.
DBK-Vollversammlung in Dresden
Foto: Vitalii Kliuiev(Vitleo) via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die Diözesanbischöfe hat der Dauerstreit in der Kirche in Deutschland geschwächt. Immer mehr Gläubigen stößt das gespaltene Bild, das die Bischofskonferenz in der Öffentlichkeit abgibt, übel auf.

Die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Dresden wird überschattet von internen und externen Konflikten. Der Dauerstreit um den Synodalen Weg belastet nicht nur die Einheit der Kirche, sondern er wird zunehmend zur historischen Hypothek. Zudem ist Krieg in Europa, und die Menschen machen sich ernsthafte Sorgen um den Weltfrieden, während die deutschen Bischöfe viel Zeit und Energie in fruchtlose und von nicht wenigen auch gefürchtete Debatten investieren. 

Der Synodale Weg wirkt wie eine Nebelwand

Nach wie vor wirkt der Synodale Weg wie eine Nebelwand. In den meisten Pfarreien erhält er null Resonanz; auch sind die Inhalte unter Kirchgängern weitgehend unbekannt. Mehr als ein Hirte beklagt inzwischen den Druck, der im Namen vorgeblicher Reformen ausgeübt wird. Und inzwischen zeichnet sich ab, dass die unabhängige Aufklärung von Missbrauchstaten auf Diözesanebene in allen Bistümern auf einen langen Lernprozess hinausläuft.

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Beispiel München: Schlagzeilen über Durchsuchungen im Amtssitz von Kardinal Marx und in der Verwaltungszentrale der Erzdiözese sind ein Novum vor Bischofsvollversammlungen. Kein noch so gewieftes Anwaltsteam bietet derzeit einem deutschen Bischof Garantie auf öffentliche Gesichtswahrung.

Die Diözesanbischöfe hat der Dauerstreit in der Kirche in Deutschland geschwächt. Immer mehr Gläubigen stößt das gespaltene Bild, das die Bischofskonferenzen in der Öffentlichkeit abgibt, übel auf. Und mehr noch: Das Veto des Papstes zum Synodalen Ausschuss lässt weder dem Vorsitzenden noch den Vertretern der Mehrheit Spielraum für dialektische Tricks.

In Dresden wird es daher maßgeblich auf die Loyalität der Weihbischöfe zu Papst Franziskus ankommen. Halten sie dem Druck der synodalen Mehrheit stand, können sich bei der fünften Synodalversammlung die notwendigen Sperrminoritäten bilden. Das wird den Graben in der Konferenz kurzfristig nicht überbrücken, aber die akute Gefahr eines Schismas bannen.

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