Der Traum, der ihr Leben veränderte

Clara Fey wurde im Aachener Dom seliggesprochen. Von Barbara Stühlmeyer
Die neue Selige: die Ordensgründerin Clara Fey
Foto: IN | Die neue Selige: die Ordensgründerin Clara Fey (1815–1894).

Es war die erste Seligsprechung im Bistum Aachen und der romanische Dom war dicht gefüllt. Denn 1 000 Ehrengäste aus aller Welt hatten sich versammelt, um an der Feier der Seligssprechung von Clara Fey, Gründerin und erste Leiterin der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus teilzunehmen. Das von Kardinal Angelo Amato, dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, zelebrierte Pontifikalamt war ein bewegendes Zeugnis für die Lebendigkeit der katholischen Kirche. Deren weltweite Wirkkraft wurde durch die in Latein gefeierte Eucharistie und die in mehreren Sprachen vorgetragenen Lesungen und Fürbitten ebenso eindrucksvoll deutlich wie durch die ebenfalls vielsprachige musikalische Gestaltung durch Domkapellmeister Berthold Botzet, Domkantor Marco Fühner und Domorganist Michael Hoppe.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser betonte in seiner Begrüßung der mit Kardinal Sodano zelebrierenden Erzbischöfe Nuntius Nikola Eterovic, dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, und Ruben Kardinal Salázar Gómez, Erzbischof von Bogota im Aachener Partnerland Kolumbien, dass für sein Bistum an diesem Tag ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gehe. Denn Clara Fey ist mit ihrer aus lebendigem Glauben erwachsenen Kombination aus caritativem Engagement für arme Kinder und deren Familien und ihrem konsequenten Eintreten für Bildung als Weg in ein selbstbestimmtes Leben ein Vorbild für unsere Zeit. Das bezeugte auch die Anwesenheit der politischen Ehrengäste wie NRW Ministerpräsident Armin Laschet und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Die inspirierende Wirkmächtigkeit des Lebensbeispieles Clara Feys zeigte sich eindrucksvoll an der reichen Anzahl der unter anderem aus Indonesien, Kolumbien und Peru angereisten Vertreterinnen der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus, die Kinder, Priester, Lehrer oder Angestellte aus den Einrichtungen des Ordens in ihrer Region mitgebracht hatten, die ihnen in der Arbeit und im Glauben verbunden sind und in der Spiritualität Clara Feys ein Vorbild sehen, wie Schwester Henriette Mensen, die Generaloberin der Kongregation, anhand der Lebensgeschichte Clara Feys veranschaulichte. Sie zeigt, wie durch das Beispiel einer inspirierenden Lehrerin junge Mädchen sich für ein Leben aus dem Glauben begeisterten und mehrere Orden sich aus diesem Engagement entwickelten. Die Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus entfaltete sich damals rasant und war bereits in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum durch 26 Niederlassungen vertreten. Sie ist heute in zwölf Ländern präsent und sorgt in Schulen und Heimen für viele Tausend Kinder.

Kardinal Angelo Amato, Präfekt für die Kongregation für die Heilig und Seligsprechungen bezeichnete er die neue Selige in seiner Predigt als „Lichtstrahl der evangelischen Nächstenliebe, der die katholische Kirche in den Niederlanden und Deutschland erleuchtet hat“. Im turbulentem Klima der frühen Industrialisierung, in dem der Ungeist der Materialismus die Gesellschaft mehr und mehr prägte, setzte Clara Fey sich für die Würde der armen jungen Menschen, um sie zu fördern, sie auszubilden und vor den Gefahren des Elends und der Ausbeutung zu schützen, betonte der Kardinal. „Wie wir wissen, offenbart der Herr manchmal im Traum seinen Willen“, fuhr Amato fort und erzählte von jenem Traum, der einst Clara Feys Leben verändert hatte. Denn in ihm sah sie ein armes Kind, das sie auf der Straße traf, als es um Almosen bettelte. Als sie es fragte, wo es wohne, deutete es mit dem Finger zum Himmel und fügte es hinzu: Ich bin das arme Kind Jesus.

Dieser Traum veränderte Clara Feys Leben von Grund auf. „Die Heiligen sind das Werk des Heiligen Geistes, der jede Person formt und sie mit geistlichen Perlen geschmückt, die Tugenden genannt werden“, machte Amato deutlich und verknüpfte diese Aussage mit einer anderen geistlichen Grundhaltung: „Unsere Seligen dankte dem Herrn jeden Tag für das Geschenk der Taufe und drückte wiederholt die Bereitschaft aus, ihr Leben für die Verteidigung zu opfern. Ihre außerordentliche apostolische Arbeit war nichts anderes als die Entfaltung ihres tiefen Glaubens.“ Er wurzelte zugleich in im eigenen Bemühen der Seligen um Bildung. „Sie las und meditierte nicht nur die Heilige Schrift, sondern sie kannte auch die Werke der heiligen Teresia von Avila, des heiligen Johannes vom Kreuz, des heiligen Franz von Sales und des heiligen Alfons von Liguori. Die Zeugen sind sich einig, dass das ganze Leben der Clara Fey eine Kette von Werken der Barmherzigkeit war.  Sie war eine außergewöhnliche Frau, die sich durch einen apostolischen Mut und ihre Beharrlichkeit im Guten auszeichnet“, betonte Amato.

Bischof Dieser richtete seinen Dank am Ende der Feier vor allem an die Schwestern: „Sie verändern Biografien zum Guten, sie pflanzen Hoffnung und Mut in lebendige Herzen. Sie helfen dass Charismen sich trotz widriger Umstände entfalten können. Die Seligsprechung soll sie glücklich machen und sie stärken“, rief Bischof Helmut den Schwestern zu. Er dankte auch Ministerpräsident Laschet und Oberbürgermeister Philip, die durch ihre Anwesenheit die Resonanz dieser Seligsprechung verstärke, sowie dem Bischof von Roermond, dem emeritierten Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, und dem Postulator Andrea Ambrosi für deren Einsatz für die Causa Clara Fey.

„Unsere neue Selige ist eine liebenswürdige Frau. Durch ihre Seligsprechung ist sie keine Frau der Vergangenheit, sondern heute mit uns verbunden“, rief Dieser der Gemeinde zu. Ministerpräsident Laschet bekräftigte in seiner Dankesrede, dass es etwas ganz Besonderes sei, wenn eine Seligsprechung außerhalb von Rom stattfinde. Für ihn mache dies die Relevanz des Katholizismus in der Gesellschaft deutlich. Auf die soziale Frage, so Laschet, hätten Katholiken, wie man am Beispiel der neuen Seligen, aber auch an zahlreichen weiteren sehen könne, schon wesentlich früher geantwortet als Karl Marx.

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